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Boot im See - Killing Fields

Boot im See – Killing Fields

Wir hatten zwei Nächte und einen Tag in Kambodgias Hauptstadt. Phnom Penh ist eine sehr große, jedoch nach Einwohnerzahlen nicht die größte Stadt Kambodias. Sie wirkt ähnlich wie Saigon. Groß, weitläufig und im Aufbau. Überall entstehen große Geschäftshäuser, Hotels und Banken. Eine Großbaustelle der Superlative. Doch neben den vielen modernen Elementen gibt es auch noch alte Viertel mit kleinen Gassen und Märkten. Der größte Markt ist in einem zentralen Gebäude als Großmarkt untergebracht. Hier sind auch die Busstationen in der Nähe, die Dreh- und Angelpunkt für den Reisenden sind. Es gibt Tickets, Früchte, Verpflegung zu kaufen und Tuk Tuks zu mieten.

Reklamewände zieren die Mauern der vielen Baustellen in der Stadt

Reklamewände zieren die Mauern der vielen Baustellen in der Stadt

Ganz in der Nähe ein großes modernes sechsstöckiges Kaufhaus. Auf dem Dach amüsiert sich die Jugend bei lauten Technoklängen auf einer Inlinescaterbahn. Sicher nicht für jedermann erschwinglich.

Inlinescater auf dem Dach eines Einkaufszentrums in Phnom Penh

Inlinescater auf dem Dach eines Einkaufszentrums in Phnom Penh

Neben vielen gestylten schicken Jugendlichen, die Cola trinken und am Smartphone spielen, sind in dieser Stadt unzählige kleine Kinder zu sehen, die bereits mit vier Jahren auf die Straße geschickt werden, um mitten auf der Fahrbahn zu betteln. Ein weiteres Land mit großen Gegensätzen.

Tuk Tuks in Phnom Penh

Tuk Tuks in Phnom Penh

Nicht zu vergessen sind auch die vielen wunderschönen Pagoden in Phnom Penh, die hier Wat heißen, viele Museen, große Universitätsgebäude und der riesige eindrucksvolle Königspalast. Die Wats ähneln mehr den thailändischen als den vietnamesischen Wats. Die Mönche tragen knall orange farbene Kutten. Kambodia und Thailand, beides Monarchien scheinen durchaus Ähnlichkeiten aufzuweisen. Auffällig sind neben den unzähligen Scootern und Tuk Tuks, die das Straßenbild prägen, die vielen großen und teuren Wagen, die hier herumfahren. Zumeist handelt es sich um japanische Fabrikate, aber auch Mercedes und BMW sind vertreten. Es scheint durchaus eine reiche Oberschicht zu geben, die in eingemauerten und mit Stacheldraht eingezäunten Villen lebt.

Im Wat Phnom

Im Wat Phnom

Um uns in Phnom Penh fortzubewegen, entscheiden wir uns für ein Tuk Tuk. Das erfordert Verhandlungsarbeit am Morgen. Doch dann ist es ein luftiges Vergnügen inklusive eines Fahrers, der uns einen Tag lang begleitet. So schön die Fahrt durch die Stadt mit dem Tuk Tuk ist, als wir auf die pistenartige Nationalstraße biegen, die eher an eine holprige Schlammpiste erinnert, wird es ein wenig ruckelig und ungemütlich. Überall um uns Staub und ich bereue, dass ich meine Sonnenbrille nicht dabei habe. Ich benutze meine Sonnenbrille ohnehin selten. Doch hier in dem Staub wäre sie gut zu gebrauchen gewesen.

Killing Fields

Killing Fields

15 Kilometer außerhalb Phnom Penh liegt unser erstes Ziel. Doppeldeutig: kein einfacher Weg dorthin. Neben der holprigen Straße verspüre ich auch ein wenig Angst vor dem, was mich erwarten wird. Wir besuchen die sogenannten ” Killing Fields”. Das ist nur einer der Orte, an denen die Roten Khmer in den 70ger Jahren ihr Unwesen trieben. Pol Pot und seine Clique ermordeten ein Viertel ihres eigenen Volkes. Die Geschichte und die Zahlen sind nachzulesen. Doch an einem solchen Ort des Grauens selber persönlich zu sein, etwas anderes.

Killing Fields -Museum

Killing Fields -Museum

Mit Kopfhörern und einer Audiotour werden wir über das Gelände begleitet. Bedrückendes Schweigen, Wut, Trauer, Mitgefühl und unvorstellbares Leid. Einzelheiten erspare ich dem Leser hier lieber. Gut ist, dass die kambodianische Regierung diesen Ort zur Erinnerung und Ermahnung geschaffen und erhalten hat. In einer großen neuerbauten Stupa werden unzählige Schädel und Knochen, die aus den Massengräbern stammen, auf vielen Stockwerken aufbewahrt. Wissenschaftler haben von den Schädelresten viele Identitäten ermittelt, so dass die Schädel nach Geschlecht und Alter sortiert sind.

Besonders betroffen machen die vielen Baby- und Kinderopfer. Während viele Opfer Pol Pots nicht einmal zwei Jahre alt werden durften, erfreute sich der Diktator bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren seines Lebens. Unverständlich auch, dass selbst nachdem dessen Untaten in der Welt bekannt waren, Staaten, wie Deutschland, die USA, Frankreich und England weiter die Roten Khmer offiziell anerkannten. Machtpolitik!?!

Schädel - Killing Fields

Schädel – Killing Fields

Auf dem Gelände befindet sich neben den vielen Außenstationen auch ein Museum, in dem vielen Dokumente, Dinge, Fotos und ein Film zu sehen sind. Sehr betroffen und erschüttert fahren wir mit dem Tuk Tuk zurück nach Phnom Penh.

Genocide Museum

Genocide Museum

Doch auch die nächste Station ist nicht erfreulicher. Wir besuchen einen großen Gebäudekomplex, der als Schule gebaut und von den Roten Khmer in ein Gefängnis und Folterlager umgebaut wurde. Das sogenannte Genocide Museum, das den Völkermord heute am Originalschauplatz mit hunderten von Fotos der Opfer dokumentiert, macht sprachlos und unendlich betroffen. Auch hier möchte ich die grausamen Einzelheiten besser dem Leser ersparen. Auch ich habe mir vor dem Besuch dieser Stätten lange Gedanken gemacht, ob ich die Konfrontation mit all den Grausamkeiten ertragen kann. Im Ergebnis bin ich dazu gekommen, dass bei einem Besuch dieses Landes für mich auch dieser Teil der Geschichte dazu gehört. Ich habe es nicht bereut.

Nach dem Besuch dieses schrecklichen Ortes lassen wir uns fast schweigend zur letzten Station in Phnom Penh bringen. Das ist der Wat Phnom, der der Stadt seinen Namen gibt. Er liegt auf einer über 20 Meter hohen Anhöhe und bietet einen schönen Blick auf die breiten Umliegenden Straßen der Stadt. Mönche lassen sich unter einer riesigen geflochtenen Königskobra ablichten. Nach all den gehörten Grausamkeiten tut ein Wat jetzt gut. Ich zünde viele Räucherstäbchen an. Drei auf speziellen Wunsch eines Bloggers aus Bielefeld. Die anderen Räucherstäbchen sind für……..das soll als Bestellung an das Universum noch nicht verraten werden .

Die Ruhe im schattigen Wat tut nach diesem Tag gut. Während ich am Rande des Gebetsraumes langsam wieder zu mir komme, beobachte ich, wie Kambodianerinnen Obst und Geld für Buddha bringen. Es werden viele Räucherstäbchen angesteckt und der Duft steigt ein wenig in den Kopf. Danach wandern wir ein wenig durch die Stadt und landen in einem der vielen kleinen Straßenrestaurants. Kaum sitzen wir unter der großen Plastikplane beginnt es heftig zu regnen.

Scooter fahren bei Regen

Scooter fahren auch bei Regen

Zwei Stunden schüttet es aus Kübeln vom Himmel. Doch wir haben Glück gehabt. Der Tag war sonnig und trocken. Unter der Plane kann uns der warme Regen nichts anhaben. Langsam verwandelt sich die Fahrbahn vor uns in einen reißenden Strom. Fahrräder, Scooter und Autos sind bis zur halben Reifenhöhe unter Wasser. Einige Menschen bis auf die Knochen nass. Doch auch das Wetter wird von den Asiaten gelassen hingenommen. Man lacht und scherzt und macht es sich unter Regencapes oder Planen gemütlich. Und wer nass ist? Der lacht und scherzt und fährt weiter durch den Regen. In einer kurzen Regenpause gelangen wir gegen Abend zurück in unser Hotel. Zeit unsere Sachen zu packen, denn morgen früh geht es weiter nach Siem Reap im Norden von Kambodia. Dort möchte ich Angkor Wat besuchen – für mich ein absoluter Höhepunkt dieser Tour.

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Lasko denkt

Lasko denkt

Gestern – Leonie hat mit unserem Besuch eine Schiffsfahrt zu den Pilot Walen gemacht. Und da es auf dem Schiff immer so eng und voller Menschen ist, hat sie es vorgezogen, mich zu Hause zu lassen. Erst war  ich ein wenig beleidigt. Doch dann habe ich erfahren, dass ich  mit dem Nachbarn mit wandern darf. Unser Nachbar nimmt mich gerne auch mal allein mit in die Berge. Schade, dass Leonie nicht dabei war, aber wir haben auch ohne sie einige Berge und Barrancos unsicher gemacht.

Leonie wollte mit einem großen Piratenschiff in See stechen. Wie ich später erfuhr, hatte das Schiff jedoch seinen Fahrplan geändert und Leonie musste mit dem Besuch auf ein anderes Boot ausweichen. Sie hatten viel Spaß und sahen Felsen, hohe Wellen und Wale. Doch leider wusste der Nachbar nicht, dass Leonie nun nicht auf der „Flipper Uno“, sondern auf dem „Flipper Dos“ unterwegs war. Er wollte Leonie vom Schiff abholen und machte mit mir einen extra großen Umweg. Wir warteten am Kai. Doch als „Flipper Uno“ einlief, waren weder Leonie noch ihr Besuch an Bord. Alle waren längst zu Hause. Das konnten der Nachbar und ich ja nicht wissen. Ich nahm es gelassen, aber der Nachbar wurde richtig wütend. Als er mich zurückbrachte und Leonie ihn freundlich fragte, ob er eine schöne Tour gehabt habe, schrie er Leonie an. Lautstark beschwerte er sich, dass sie nicht an Bord des „Flipper Uno“ war. Leonie, die anscheinend gar nicht wusste, was eigentlich los war und mit solch einer Wutwelle nicht gerechnet hatte, war völlig irritiert. Sie war den ganzen Abend neben der Kappe. Sie dachte wohl darüber nach, wie sie den Nachbarn wieder beruhigen könnte. Dabei hatte sie doch gar nichts gemacht.

Ich selber sagte dazu lieber nichts und verzog mich auf mein Sofa. Zu viel Menschenstress und dicke Luft sind überhaupt nichts für mich.

Heute – Wir waren noch einmal in der neuen Wohnung und Leonie hat Maße genommen. Sie braucht einen Schreibtisch. Der fehlt in der Wohnung. Ansonsten ist hier irgendwie – nicht nur draußen – immer noch recht dicke Luft. Damit will ich meine feine Hundenase allerdings  lieber nicht belasten. Hoffentlich vergisst Leonie vor Ärger nicht noch, mich anständig zu füttern :-).

Morgen – Vielleicht fahren wir in die große Stadt, um uns nach einem Schreibtisch umzusehen. Darauf freu ich mich riesig, denn in der Stadt gibt es zwar auch dicke Luft, aber auch ganz tolle Gerüche.

Hund denkt.......

Lasko denkt…….

Gestern – Gestern Morgen bin ich mit Leonie meine Morgenrunde hier durch den Ort und am Atlantik entlang gelaufen. Überall hingen auf unserem Weg große Ankündigungsplakate, an die ich gerne ein wenig gepinkelt hätte. Leonie, die die Plakate studierte, zog mich jedoch immer gerade dann, wenn ich das Bein angehoben und in die richtige Position gebracht hatte, weg. Manchmal bin ich doch ein wenig sauer, dass ich mit der Leine am verlängerten Arm von Leonie hänge. Leonie lief weiter und ich konnte dann später in ein Gebüsch pieseln. Das war auch in Ordnung. Dort roch es wunderbar nach vielen anderen Hunden.

Leonie erklärte mir, dass ab nächsten Donnerstag hier auf Teneriffa für fünf Tage Karneval in Los Gigantes sei. Merkwürdig, in Deutschland ist der Karneval doch schon vorbei? Ist am Aschermittwoch doch noch nicht alles vorbei? Hier scheint es jetzt erst los zu gehen. Wir lassen uns überraschen. Allerdings muss Leonie erst einmal ordentlich Wasser schleppen, damit sie sauber zum Karneval gehen kann, denn noch ist unser Wasser abgestellt. Ich bin ja zum Glück mit einer automatischen Waschanlage ausgestattet und kann mich jederzeit sauber lecken. Karneval ich bin bereit!
Heute – Ich – Lasko ruhet auf der Sonnenliege und schaue Leonie beim Wasser schleppen zu. Wie Ihr seht, habe ich beschlossen, meine Anonymität aufzugeben. Ich heiße Lasko. Datenschutz hin und her. Ich kann das „Hundi“ nicht mehr hören. Ich bin ein fast fünfjähriger ausgewachsener Labrador und kein Hundi. Daher ab jetzt bitte „Lasko“. Merk Dir das bitte Leonie. Meinen Namen hat sich Leonie übrigens selber ausgedacht. Er sollte einfach klingen und ein wenig an Labrador erinnern. Wenn Leonie meint, dass diese Kriterien mit dem Namen Lasko erfüllt sind – ok, ich kann damit leben. Dass später nach mir eine Fernsehsendung benannt wurde, hat sie wohl nicht geahnt. Jedenfalls bin ich keine Faust Gottes. Das möchte ich hier einmal ganz ausdrücklich feststellen.
Morgen – in einigen Tagen bekommen wir Besuch und müssen noch ein wenig die Wohnung aufräumen. Ich wollte sagen, dass Leonie noch ein wenig die Wohnung aufräumen muss. Ich verzieh mich dann mal aufs Sofa und werde Leonie zuschauen, wie sie die vielen Millionen von einzelnen Labradorhaaren aus der Wohnung entfernt. Vielleicht haben wir ja Glück und unser Wasser wird wieder angestellt. Dann dürfte die Haarentfernung ein bisschen besser gelingen. Leonie hat mir erzählt, dass sie mal in den USA einen Werbefilm gesehen hat, in dem ein Hundestaubsauger angepriesen wurde. Manchmal wenn ich wieder ein paar tausend Haare zu viel (jedenfalls nach Leonies Verständnis) verloren habe, wünscht sie sich, dass sie wüsste, wo es diesen Hundestaubsauger zu kaufen gibt. Ich weiß es jedenfalls nicht und wenn ich es wüsste, würde ich es ihr ganz bestimmt nicht verraten. Hundestaubsauger – iiiigiiiiittt.

Hund denkt

Hund denkt

Gestern – was für ein Erlebnis!! Wir kamen vergnügt von einer Wanderung zurück und gingen über den langen Flur des Apartmenthauses, in dem wir nun wohnen. Da wir 20 Meter von unserer Wohnungstür entfernt waren, ließ meine Zweibeinerin mich von der Leine. Voller Freude auf mein Futter und mein Sofa sprang ich in grossen Freudensprüngen Richtung Haustür. Doch plötzlich bemerkte ich auf der rechten Seite eine offene Tür zu einem Apartment. Dort wohnen laut Schild die britischen number 18. Und Ihr könnt mir glauben,  es roch verdammt lecker. Da musste ich einfach mal nachschauen gehen.

Ehe meine Zweibeinerin eingreifen konnte, war ich um die Ecke. Die zweibeinigen Eigentümer in number 18, die leider grundsätzlich keine Hunde mögen, fingen furchtbar an zu schreien und wollten mit dem Besen auf mich los gehen. Ich hatte doch nur mal nachsehen wollen, warum es bei ihnen so lecker roch. Beleidigt zog ich mich zurück. So gut ist die britische Küche nun wirklich nicht, dass ich mir dafür meine Hundenase verbrenne. Nach drei Hundesekunden (die übrigens schneller vergehen als Menschensekunden) war ich wieder auf dem Gang.

Doch die Menschen aus Nummer 18 verfolgten mich und schrien auf meine Zweibeinerin ein. Der schien das höchst peinlich zu sein, was ich gar nicht verstehen konnte. Sie entschuldigte sich mehrmals in allen möglichen Sprachen. Nur gebellt hat sie leider nicht. Doch Frau und Herr Number 18 schienen nicht auf ihre Entschuldigungen zu stehen.  Sie schrien weiter, fuchtelten mit dem Armen und verfolgten uns mit britischen Schimpfwörtern bis zur Apartmenttür. Als wir endlich wieder unter uns Rudel waren, erklärte meine Zweibeinerin mir, dass number 18 Leute sich beim Präsidenten (Oberwolf?) über uns beschweren wollen. Ob der Oberwolf nun uns oder number 18 auffressen wird, bleibt abzuwarten. Soll der Oberwolf doch kommen – ich kann kämpfen oder mich unter dem Sofa verstecken.

Heute – die Geschichte müssen wir erst einmal in Ruhe verdauen. Zur Beruhigung hat sich meine Zweibeinerin ein kanarisches Hühnchen gegönnt. Da ich das leider nicht fressen darf – warum eigentlich nicht? Das riecht doch sooo lecker – habe ich ein grosses Rinderohr verspeisst. Das Rinderohr war ein Geschenk – nein, nicht von number 18 – , sondern von einer sehr lieben Rudelchefin aus München.

Morgen – die Geschichte mit Nummer 18 werde ich meinen Kumpels hier erzählen. Insbesondere Bobby, der andere Labrador, der hier lebt, wird interessiert sein. Vielleicht können wir mal eine kleine konzertierte Bellaktion für Nummer 18 starten :-).

An einem ganz normalen Sommerabend….

Im Aquarium haben die Fische es immer warm. Sie leiden nicht unter der schwülen Sommerhitze und können diese höchstwahrscheinlich aber auch nicht genießen. Ob Fisch Rudi allerdings weiß, dass Kater auf dem dem Aquarium gegenüberliegenden Schrank Stellung bezogen hat?

Mit leicht ausgefahrenen Krallen wirft er begehrliche Blicke Richtung Aquarium.

Hundi macht die Sommerhitze zu schaffen. Er interessiert sich nicht für Fisch, sondern träumt von einem großen Kauknochen.

Als Kater merkt, dass er auch heute wieder keine Chance auf Frischfisch aus dem Aquarium hat, da die Menschen blöderweise das Aquarium mit einer Glasplatte abgedeckt haben, widmet er sich der Körperpflege.

Auch das ist Hundi heute zu viel. Irgendwie kommt er durch den Kater, der auf dem Schrank sitzt, immer wieder aus seinem schönen Knochentraum raus.

Gerade erscheint der Knochen wieder und Hundi träumt, wie er genüsslich hinein beisst. Dann plötzlich: ein Schrei schreckt Hund hoch. Weg ist der Knochen. Und alle im Wohnzimmer anwesenden Zweibeiner stürzen auf den Schrank zu, auf dem der Kater gerade noch saß.

Kater verschwindet lieber schnell. Aber was ist das? Nicht nur der schöne Knochentraum, sondern auch das Internet ist weg.

Routerantennen als Katzenspielzeug? Das kommt bei den Zweibeinern gar nicht so wirklich lustig an.

Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Nein, hätten sie mich mit dem Fisch spielen lassen, wäre nichts passiert. Und immerhin: so schlimm ist der Schaden doch gar nicht.

Kater, Internet, Fisch? Mir egal – lasst mich b i t t e endlich schlafen.

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Und während ich in Freiburg weile, kann ich Euch – sofern Ihr mögt – ein wenig weiter aus der Anstalt lesen lassen. Ein Staatssekretär hatte eine Idee und jetzt wird man sehen, was er daraus macht. Ich wünsche Euch einen schönen Tag und viel Spaß beim Lesen.

Bereits am nächsten Arbeitstag wirbelten Stäbe um den Staatsekretär herum, denen er schwungvoll erläuterte, dass die gesamte Liegenschaftsverwaltung der öffentlichen Hand seiner Meinung nach vollkommen überaltert wäre und in ihrem Aufbau und ihrer Organisation nicht mehr der Zeit entspräche. „Unsere Aufgabe ist es nun,  zeitnah etwas innovatives Neues schaffen“, teilte er seinen Mitarbeitern mit.

Auch sein persönlicher Referent Herr Maier war wieder aufgetaucht und verschwieg geflissentlich, dass der neue Westflügel der Finanzdirektion ein beeindruckendes Bauwerk war und dass das zu diesem Anlass gebotene Catering ihm auch recht gut gemundet hatte. Das Abendessen gestern hatte er sich sparen können. Außerdem hatte er auf dem Treffen so viele interessante Gespräche bis Punkt Dienstschluss geführt, dass er seiner Kollegin noch an diesem Morgen vollkommen begeistert versichert hatte, dass durch die Einweihung des Westflügels, der gestrige Tag für ihn rundum gelungen gewesen sei.

Der Staatssekretär nahm seinen gestern so schmerzlich vermissten Referenten heute gar  nicht richtig war. In seiner Vorstellung sah er bereits wunderschöne Bilder vor sich. Ein Staatsunternehmen, das den Inbegriff der modernen Verwaltung darstellte. Lächelnde freundliche Serviceangestellte, die entspannt am Schreibtisch telefonierten, in Konferenzen gingen und aus den staatlichen Liegenschaften fast ohne Mühe nebenbei Vorzeigeliegenschaften herrichteten.

Dass trotz großen Instandhaltungsrückstaus an den maroden staatlichen Gebäuden, dies alles ohne Einsatz großer Mittel geschehen sollte, verstand sich zumindest für den Staatssekretär von selbst. „Genau deswegen“, erklärte er gerade seinen ein wenig zweifelnd schauenden Mitarbeitern, „gründen wir  ja nun ein Unternehmen und machen der lahmen Verwaltung mal ein wenig Dampf unter dem Hintern“. Um seine Lippen zeigte sich ein kleines Lächeln. Und wem hätte der Staat all das zu verdanken?  Wer würde belobigt und vielleicht sogar noch vor dem  Ruhestand der nächste Minister werden?

Sein Lächeln ging in ein breites Grinsen über. „Noch besser wäre es, wenn die Staatsdiener ihr Gehalt selber erwirtschaften und zusätzlich weitere Einnahmen erarbeiten könnten, die dann unmittelbar in den dringend zu sanierenden Staatshaushalt fließen könnten“, führte er weiter aus. Diese geniale Idee war ihm gestern Abend beim Fernsehen gekommen, als er einen Bericht über Auslagerung von Unternehmen in die dritte Welt gesehen hatte. „Was für eine geniale Idee“, jubelte nun auch Herr Maier, dem es allmählich opportun erschien, seinem Chef ein wenig positive Bestärkung zu geben, zumal er durch den Gesichtsausdruck des Staatssekretärs erkannt hatte, dass dieser sich um nichts in der Welt von seiner Idee würde abbringen lassen. „Der Minister wird begeistert sein“, fügte er deshalb noch mit jubelnder Stimme hinzu.

Da der alte Staatssekretär ein Mann der Tat war, holte er sich bei erster Gelegenheit,  gleich in der nächsten Woche von dem Minister „grünes Licht“, wie er es nannte. Der Minister schien zunächst nicht so angetan von der Idee seines Staatssekretärs und äußerte, dass es doch wohl wichtigere Dinge für einen Staatssekretär zu erledigen gäbe, als sich um eine Hausverwaltung zu kümmern. „Da haben Sie selbstverständlich recht, Herr Minister“, erwiderte der Staatssekretär, „selbstverständlich ist mir diese Hausverwaltung, wie sie die Liegenschaftsverwaltung sicher zu recht bezeichnen, vollkommen egal. Bedenken Sie jedoch, was für Geld sich mit den Immobilien machen ließe, wenn sich jemand fachmännisch um diesen Laden kümmern würde.“

„Das müssen Sie mir erläutern“, lächelte der Minister, „ich gehe davon aus, dass Sie sich, mit dem jemand gemeint haben?“ „Nun ja“, erwiderte der Staatssekretär, „ ich will mein Licht nicht unter den Scheffel stellen und Ihnen ehrlich sagen, dass ich genau genommen, nicht nur Immobilienfachmann bin, sondern bereits ein fast fertiges Konzept in der Tasche habe. Ich kann Ihnen sofort erläutern, wie wir diesen Laden so wirtschaftlich machen können, dass noch zusätzliches Geld in die Staatskasse fließen wird.“

 „Tatsächlich?“, fragte der Finanzminister und klang noch nicht sehr überzeugt. „Sehen Sie, Herr Minister. Im Moment arbeitet diese Verwaltung so unwirtschaftlich wie alle unsere Verwaltungen. Wahrscheinlich finanziert der Steuerzahler hier den Umstand, dass ein paar Beamte Monopoly mit staatlichen Liegenschaften spielen. Jedes Unternehmen kann hier nur besser wirtschaften. Das ist doch gar keine Zauberei. Und Sie, Sie werden der Finanzminister im Zeitfenster dieser Dekade sein, unter dem ein jetzt noch kaum vorstellbarer  Geldsegen in die Staatskasse rauschen wird“, fügte er  im Ton der festen Überzeugung hinzu. Der letzte Satz hatte seine Spuren bei dem Finanzminister hinterlassen. Das hatte der Staatssekretär sofort innerlich zufrieden  registriert. Er wartete ab und ließ dem Finanzminister ein wenig Zeit zum Überlegen.

„Gut, ich muss jetzt nach Brüssel. Also probieren Sie es. Schlimmer als es jetzt ist, kann es ja wohl nicht werden“, sagte er mit einem Blick auf die Uhr und hastete aus dem Raum.  Ganz kurz flammte in dem Minister der Gedanke auf, dass er bis vor einer Stunde noch nie etwas von dieser Verwaltung gehört hatte, geschweige denn wusste, wie gut oder wie schlecht es um sie stand. „Egal“, dachte er, „der Staatssekretär ist ein alter Fuchs und der wird schon wissen was er tut.“

Zufrieden mit sich und der Welt und einem Versprechen in der Tasche, das seine Arbeitswelt in der nächsten Zeit ein wenig bunter machen würde, zog der Staatssekretär sich in seinen Raum zurück. Versonnen malte er auf einem Blatt Papier eine Skizze mit einem kleinen Ablaufplan für die nächsten großen Schritte. Er betrachtete das Blatt, strich, kritzelte neu, strich einige Passagen, um letztlich zufrieden auf ein vollständig  beschriebenes DinA4 Blatt zu blicken. „Nun kann es losgehen“, sagte er zu sich selbst und strich sich zufrieden die Haare zurück.

Dann rief er seine Vorzimmerdame Frau Büchner in so einem lauten Ton zu sich, dass diese ihn durch die verschlossene Tür hörte. Vor Schreck vergoss Frau Büchner ihren Mittagskaffee auf einer Akte, wischte schnell noch ein wenig von der großen Pfütze weg und eilte dann hastig in das Zimmer ihres Chefs. Sie erhielt den Auftrag einen Stab von Mitarbeitern, die der Staatssekretär ihr namentlich aufzählte, noch für diesen Nachmittag in das große Besprechungszimmer im zweiten Stockwerk ein zu berufen.

Um 16.00 Uhr waren dann auch fast alle auf der Liste des Staats-sekretärs stehenden Personen dort versammelt und blickten erwartungsvoll auf die große Tür, durch die gleich der Staatssekretär kommen sollte. Punkt 16.15 Uhr wurde diese aufgerissen und der Staatssekretär schritt in eiligen Schritten, gefolgt von seinem persönlichen Referenten Herrn Maier auf die Kopfseite des Tisches zu. Mit einem Schwung ließ er sich nieder und bedeutete seinem Referenten, dass dieser ihm zunächst einen Kaffee eingießen möge. Dann erhob er die Augen und blickte prüfend in die Runde, um zu kontrollieren, ob auch alle seine Schäfchen seinem Aufruf gefolgt waren.

„Wo ist Müller?“, rief er in die Runde noch bevor er die Anwesenden begrüßt hatte. Sein persönlicher Referent flüsterte ihm zu: “Erkrankt. Und Harder ist auf Dienstreise“. „So, so“, murmelte der Staatssekretär und es war ihm anzusehen, dass er es vollkommen unverständlich fand, dass es hier im Ministerium tatsächlich Personen gab, die nicht zu dieser wichtigen Sitzung erschienen und einfach auf Dienstreise gingen oder krank waren.

„Liebe Kollegen“, hob er an und „liebe Kollegin“, fuhr er mit Blick auf Regierungsdirektorin Frau Dr. Schleicher-Hartmann fort. Wir sind heute hier versammelt, um den Auftakt zu einem einmaligen Projekt zu begehen. Wir werden mit diesem Projekt zeigen, was in diesem Staat und in uns steckt. Langsame Verwaltung war gestern. Heute heißt es für uns: Moderner Staat – moderne Verwaltung. Da wir hier im Hause in den letzten Jahren mehr als effizient geworden sind, werden wir nun anfangen, die Außenverwaltung zu reformieren. Wir werden sie nicht nur sanieren, sondern wirtschaftlich machen.

Jawohl – wirt-schaft-lich“, endete er gedehnt und schaute auffordernd in die Runde. Ein allgemeines Gemurmel erhob sich unter den Anwesenden. Und der Staatssekretär redete weiter und weiter. Seine Begeisterung stieg sichtlich von Satz zu Satz und er redete sich regelrecht in Rage. Nur einmal unterbrach er kurz, als Frau Regierungsdirektorin Dr. Schleicher-Hartman etwas zögernd die Hand für eine Frage hob.

Diese räusperte sich als der Staatssekretär ihr wohlwollend zunickte und ihr damit Rederecht einräumte, und sagte: “Herr Staatssekretär, ich gratuliere zu Ihrer überaus glücklichen Idee und werde Ihnen selbstverständlich mit meiner Abteilung tatkräftig bei der Umsetzung zur Seite stehen“. Dann machte sie eine kleine Pause, um all ihren Mut zusammen zu nehmen und stieß dann mit kurzatmiger Stimme hervor: „Sicher haben Sie auch bereits festgelegt, aus welchen Mitteln dieses Großprojekt finanziert werden soll?“. „Liebe Frau Dr. äh…“

„Schleicher“, flüsterte Herr Maier. „Ja natürlich, Schleicher, selbstverständlich ist die Kostenfrage geklärt. Das ist vollkommen einfach“. Der Staatssekretär blickte triumphierend in die Rund, um dann langsam und bestimmt zu sagen: „Es gibt keine Kosten“. Er machte eine Pause und blickte sichtlich mit sich selbst zufrieden im Kreis herum, um die Wirkung seiner Worte zu überprüfen. „Ja, meine Herren und meine Dame. Sie haben richtig gehört. Dieses Großprojekt wird sich selber tragen, da wir Geld in ungeahnten Größen einsparen werden.“

Dann machte der Staatssekretär eine kurze Pause und sah dabei die fragend aus ihren blauen Augen auf ihn schauende Frau Dr. Schleicher-Hartmann fast mitleidig an. „Ich verstehe, dass Ihnen so ein innovatives Projekt noch nicht untergekommen ist und Sie ein wenig  Zeit zum Verstehen brauchen“, fuhr er fast väterlich nachsichtig fort. Frau Dr. Schleicher-Hartmann errötete und vergrub ihr Gesicht schnell und hektisch wieder in den vor ihr liegenden Papieren.

An diesem Tag wurde es 20.00 Uhr als der Staatssekretär das Gebäude in der Wilhelmstraße verließ. Seine Mitarbeiter hatten bis 19.30 Uhr seinen Worten zu dem neuen Großprojekt gelauscht und nur Herr Dr. Brinkmann war dabei einmal kurz eingenickt. Als „Fast Pensionär“, der seine Tage heimlich am Maßband, das er jeden Morgen abschnitt, zählte, wurde ihm jedoch großzügig durch den Staatssekretär verziehen.

In der Zeit, in der die Mitarbeiter nun noch ihr durch die außerplanmäßige Sitzung versäumtes Tagesgeschäft nachholen durften, eilte der Staatssekretär zu seinem Dienstwagen und ließ sich zu einem Empfang der Handelskammer bringen, auf dem er auf leckere Häppchen hoffen durfte. Er sackte zufrieden auf den Rücksitz der Limousine und teilte dem Fahrer seufzend mit: „So, nun haben wir uns ein paar gute Häppchen und ein gutes Tröpfchen verdient. Das war ja wieder ein äußerst anstrengender Tag. Ja, ja – alles im Dienste des Staates“, fügte er noch hinzu.

Während der Fahrer durch den abendlichen Verkehr von Berlin Mitte steuerte und darüber nachdachte, was für Häppchen ihn wohl heute, nachdem er den Staatssekretär zu Hause abgeliefert haben würde, in seinem Heim um Mitternacht erwarten   würden. Dabei kam er innerlich seufzend zu dem Schluss, dass sein Kühlschrank, wie immer seit  dem Tag, an dem seine Frau ihn verlassen hatte, leer sein würde. Während er noch überlegte, wo die nächste Tankstelle in der Nähe der Handelskammer sein könnte, um sich dort eine kleine Mahlzeit einzukaufen, nickte der völlig erschöpfte Staatssekretär auf dem Rücksitz ein.

 

Ich hatte Euch ja bereits angekündigt, dass ich hier  im Blog eine zwei Jahre alte Geschichte von mir einstellen möchte. Dabei hoffe ich ganz arg, dass nicht nur Vallartina diese schmerzfrei übersteht :-). Heute geht es mit dem ersten Teil und dem Staatssekretär, der eine Idee hat, los.

Der Staatssekretär hat eine Idee

Die Geburtsstunde der Anstalt, wie sie später von dem Minister bei Ansprachen gerne bezeichnet wurde, begann kurz nach der deutschen Wiedervereinigung in der damals gerade wieder zur  Bundeshauptstadt ernannten Stadt Berlin. Genau genommen hatte alles mit einer mehr als genial zu bezeichnenden  Eingebung, die ein Staatssekretär im Finanzministerium im Oktober 1992 hatte, begonnen. Dieser Staatssekretär, der schon über zwanzig Dienstjahre fleißig gearbeitet oder zumindest dem Staat gedient hatte und langsam dem Ende seinen aktiven Beamtenzeit entgegen sah, hatte sich an einem wunderschönen Herbstmorgen, an dem die Sonne auf das bunte Herbstlaub vor dem Berliner Ministerium schien, den ganzen Morgen mit schwierigen steuerrechtlichen Fragen beschäftigt. Sein Kopf rauchte und er sehnte sich in seinem tiefsten Inneren danach, die gesammelten Akten zum Steuerrecht von seinem Schreibtisch zu fegen.

Seinen Blick auf die prächtige Laubfärbung gerichtet, fasste er den Entschluss, die vor ihm gebündelten Steuerakten einfach an den Referatsleiter, der ihm diese Arbeit eingebrockt hatte, zurück zu senden. „Warum soll eigentlich immer nur ich arbeiten? Meine Zeit hier im Ministerium ist in einigen Jahren beendet und langsam müssen sich meine Leute daran gewöhnen, auch ohne mich zu arbeiten. Soll sich doch der Hallhuber einen Kopf machen und  seine Vorschläge so überarbeiten, dass ich nur noch unterschreiben muss“, brummelte der Staatssekretär vor sich  hin.

Seinen Augen fingen bei dem Gedanken, dass der Hallhuber ganz schön ins Schwitzen kommen würde, wenn er die Akten ohne Überarbeitung zurückbekommen würde, an zu leuchten. Die Laune des Staatssekretärs stieg um gefühlte 5 Grad. Bis dieses unleidliche Steuerthema wieder auf seinem Tisch ankommen würde, würde Zeit vergehen und wenn er Glück hätte, wäre er dann bereits im Winterurlaub.  Er raffte mit beiden Händen die Berge von Akten vor sich zusammen, füllte mit seinem Füllfederhalter in roter Tinte das Kürzel für den Hallhuber, das HaHu in das Kästchen auf dem grauen Aktendeckel und schmiss die Akten erleichtert auf den Aktenbock, der neben seinem Schreibtisch stand. „Hoffentlich lässt sich der Aktenbote – wie er das üblicherweise macht – mit dem Transport ordentlich Zeit“, dachte der Staatssekretär.

Damit der Aktenberg auch tatsächlich nicht so schnell wieder bei ihm ankommen würde, ging er auf Nummer sicher und versenkte eine einzelne Teilakte des Steuervorgangs, die er zuvor aus dem großen Stapel auf seinem Aktenbock herauszog, hinter dem großen Aktenschrank in der rechten Ecke seines Dienstzimmers. Erleichtert atmete er auf und zog dabei unbeabsichtigt den Staub ein, den der gezielte Wurf der Teilakte hinter den großen Schrank aufgewirbelt hatte. Er fing an zu husten und fluchte über die miserable Putzfrau und die noch miserablere Hausverwaltung, die solch unzuverlässige Reinigungskräfte eingestellt hatte.

Er würde sich beschweren, beschloss er spontan. „Bei wem eigentlich“, überlegte er vor sich hin sinnierend. „Wer ist hier eigentlich die verantwortliche Hausverwaltung?“ Diesem Thema würde er sich annehmen und zwar umgehend. Sein persönlicher Referent sollte sich darum kümmern. „Genau, der Maier, der ist der Richtige“, murmelte er. Der würde alle Informationen schnell heraus bekommen und dann würden in dieser Hausverwaltung Köpfe rollen. „Jawohl“, sagte er zu sich selbst.

„Wo war eigentlich sein persönlicher Referent“, fragte er sich. Er griff zum Telefonhörer auf seinem Schreibtisch und rief seine Vorzimmerdame Frau Büchner an, die beflissentlich: „Was kann ich für Sie tun“, in das Telefon flötete. „Wo verdammt ist dieser Maier denn wieder?“, brüllte der Staatssekretär ungeduldig. „Herr Maier – einen Moment“, sagte die Vorzimmerdame und man hörte, wie sie mit Papier raschelte. „Hoffentlich hat der nicht schon wieder Urlaub“, brummelte der Staatssekretär in den Hörer. „Nein, nein, Herr Maier ist bei der Finanzdirektion Berlin zu einer Einweihungsfeier eingeladen“. „Was für eine Einweihungsfeier“, dröhnte die Stimme des Staatssekretärs aus dem Hörer. „Die Bauverwaltung und die Liegenschaftsverwaltung des Bundes laden zur Einweihung des neuen Westtraktes der Finanzdirektion…“, fing Frau Büchner an vorzulesen. Weiter kam sie nicht.

„Wer? brüllte der Staatssekretär in den Hörer. „Wer soll das denn sein? Die Liegenschaftsverwaltung des Bundes? Habe ich noch nie gehört. Warum laden die mich nicht ein?“, donnerte er weiter. „ Sie Herr Staatssekretär sind doch viel zu wichtig, um auf die Einweihung eines Westflügels zu gehen“, piepse die Vorzimmerdame ob des Donnerns des Staatssekretärs ein wenig eingeschüchtert. „Ach so, ja“, brummelte der Staatssekretär und legte missmutig den Hörer auf. Seine Gedanken kreisten um diese mysteriöse Liegenschaftsverwaltung des Bundes, die ihn nicht auf der Einladungsliste hatte und ihm zudem noch seinen persönlichen Referenten raubte. „Wahrscheinlich sind auch die das, die keine ordentlichen Reinigungskräfte einstellen und überhaupt scheinen die einigen Schlamassel zu produzieren“, dachte er verstimmt. Er hüstelte immer noch von dem aufgewirbelten Staub.

Erneut griff er zum Hörer und brachte innerhalb von einer Stunde die Querabteilung ZA 47 auf Trab, in dem er sich alle verfügbaren Informationen über diese merkwürdige Liegenschaftsverwaltung vorlegen ließ. Endlich hatte er einmal ein Thema vor sich, von dem er etwas verstand, denn wozu hatte er ein Haus im Grunewald, ein Ferienhaus in Kitzbühel und eine weitere Liegenschaft auf Sylt. Immobilien waren sein Steckenpferd.

Der restliche Nachmittag verging für ihn wie im Fluge. Während die Abteilung BC 49 anfing, das Steuerkonzept neu zu bearbeiten und alle verfügbaren weiblichen Mitarbeiterinnen in der Abteilung verzweifelt damit beschäftigt waren, eine fehlende Teilakte zu suchen, kümmerte sich der Staatssekretär höchst persönlich um die ihm bis zu diesem Tage nicht bekannte Liegenschaftsverwaltung.

Am Abend wusste er bereits, dass diese Verwaltung für  die bundeseigenen Gebäude und Dienstliegenschaften zuständig war  und Standorte überall in der Republik hatte. „Schade“, dachte er,  “mit dieser Verwaltung möchte ich mich noch viel mehr befassen. Immobilien gehören in die Hand von Fachleuten. So eine angestaubte Verwaltung wird sich ja kaum um alle diese Werte richtig kümmern können. Das ist mein Projekt.“ In seinem Arbeitsrausch hatte er sogar den Staub hinter dem Schrank, die Reinigungskraft und seinen fehlenden persönlichen Referenten vergessen.

An diesem Abend verließ er schwungvoll das große Gebäude in der Wilhelmstraße. „Dieser Arbeitstag wird ein Meilenstein für die bundesdeutsche Immobilienkultur“, rief er dem Pförtner beim Herausgehen zu. „Jawohl, Herr Staatssekretär“, kam artig die Antwort.

……Wenn Ihr Lust habt, erzähle ich demnächst noch ein bisschen weiter aus der Anstalt. Jetzt wünsche ich Euch zunächst einen schönen Mittwoch.

Im Moment bin ich leider nicht mehr auf Teneriffa und kann Euch daher auch keine neuen Fotos oder Berichte von der schönen Inseln liefern. Da Bonn auf mich zurzeit öde und trostlos wirkt, habe ich mich entschlossen, eine kleine Geschichte über eine “deutsche Anstalt”, die ich vor zwei Jahren geschrieben habe, hier nach und nach zu veröffentlichen. Vielleicht gefällt Euch ja meine kleine Realsatire über eine deutsche Anstalt, die mit Sudoku und Beratung an die Börse geht. Natürlich ist die Geschichte frei erfunden. Zufällige Ähnlichkeiten zu tatsächlich existierenden Personen, öffentlichen Verwaltungen oder Unternehmen wären rein zufällig und sind nicht beabsichtigt. Wo könnte denn auch in den deutschen Landen eine solche Geschichte tatsächlich passieren? Merkwürdig nur, dass ich ab und zu denke, dass ich so einiges von der Geschichte in meinem ersten Leben selber erlebt habe.     

Heute erst einmal kurz zum Inhalt. Die Geschichte handelt von einer Verwaltung, die öffentliche Immobilien verwaltet. Auf Wunsch des Ministeriums soll diese in ein modernes zeitgemäßes Dienstleistungsunternehmen umgewandelt werden. Alles beginnt an einem ganz normalen Morgen im Berliner Finanzministerium der Nachwendezeit. Ein Staatssekretär, der einfach keine Lust mehr darauf hat, langweilige Steuervorgänge zu bearbeiten, lässt eine Teilakte hinter seinem Schrank verschwinden. Der dabei aufgewirbelte Staub bringt ihn nicht nur zum Husten, sondern auf eine geniale Idee. Er will die verantwortliche Hausverwaltung in einer modernes Unternehmen umwandeln und dabei unbedingt seinem Minister beweisen, wie wirtschaftlich und modern sein neues Unternehmen arbeiten kann. So scheut er sich auch nicht in seiner Position, dieses  wichtige Projekt  persönlich  in seine Hände zu nehmen.

 Auf dem Weg von der Idee bis zur Umsetzung sind nicht nur viele Dinge zu bedenken, sondern auch immer wieder neue Hindernisse zu überwinden. Diesen Prozess zu begleiten, bringt nicht nur einzelne Herren im Ministerium bis an ihre persönlichen Grenzen. Zum Glück bietet sich bei der Erledigung der zahlreichen Aufgaben, Hilfe durch geschäftstüchtigen Berater an. Diese fassen ohne Arbeitsscheu beherzt  zum Wohle des Staates und des eigenen Geldbeutels in Windeseile zu.

 Weiterhin stellt sich heraus, dass es  nicht ganz so einfach ist, die Mitarbeiter von den vielen Vorzügen eines modernen Dienstleistungsunternehmens, in dem vorwiegend Denglisch gesprochen wird, zu überzeugen. Zum Glück hat der Berater Herr Machold alle Fäden fest in der Hand und überzeugt durch seinen nächtlichen Arbeitseinsatz in den Hotelbars schließlich auch die Basis von den wirtschaftlichen Vorteilen eines Großunternehmens.

 Zur Freude der höheren Ministerialbeamten  gibt es in einer Anstalt auch viele neue interessante Posten zu vergeben, wobei sich insbesondere die Vorstandsstellen allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Wen wundert es da, dass in erster Linie tüchtige Herren und Ministerialbeamte, die ohnehin lieber am Rhein verbleiben wollten als mit an die Spree umzuziehen,  in die Bonner Anstalt wandern. Herr Dr. Kleist als Vorstandssprecher, der als einziger aus dem Ministerium die Grammatik vollständig beherrscht und sich gerne selber um jede Mieterbeschwerde persönlich kümmert, ist genauso prädestiniert für eine Vorstandsposition wie seine Kollegen Herr Dr. Müller-Niederthal und Herr Konrad. Herr Dr. Müller-Niederthal als Mann aus der Wirtschaft stellt gleich beim Gehaltspoker mit dem Ministerium seinen wirtschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis. Weiter zeigt sich, dass nur der, der Sudoku so gut wie Herr Konrad beherrscht, die Position des Finanzvorstandes erhalten kann.

 Die Vertreter des Ministeriums üben ihre Fachaufsicht zunächst durch Einstellung unzähliger neuer Mitarbeiter weitsichtig aus. Sie sind zumeist in der ministeriellen Kantine recht nah am Geschehen, um zunächst den alten Staatssekretär und später den jungen neuen Staatssekretär von Gutental mit positiven Nachrichten über die Deutsche Anstalt zufrieden zu stellen.

 Gemeinsam arbeitet man sich durch Zielvereinbarung, Personalentwicklungsaufgaben und eine Unmenge Zahlen. Wen wundert es da, dass bei diesem Zahlengewirr ab und zu auch einmal der Finanzvorstand die Zahlen des Wirtschaftsplanes mit der Liquidität verwechselt. Unermüdlich arbeiten Vorstand, Ministerium und Berater mit innovativen Sachverstand daran, immer wieder neue kreativen Ideen zu entwickeln, wie Liquidität aus der Anstalt gewonnen werden kann, um dem Staat aus der Krise zu helfen. Und sei es auf so unkonventionellen Weg, dass die Verkäufer von Immobilien kurzfristig in die Sparte Wald und Natur wechseln müssen, um im Wald Holz zu sammeln oder beim Fischen an der Ostsee ihr Glück zu suchen. So kommen zwischenzeitlich auch die Natur- und Hundeliebhaber, die einige Zeit lang mit Tier und Flinte durch die Wälder streifen dürfen, auf ihre Kosten. Die anderen Bearbeiter in der Anstalt müssen auf den Betriebsausflug im Rheintal warten, den der Vorstandssprecher werbewirksam als Liegenschaftsbegehung an die Presse verkauft.

 Am Ende zeigt sich, dass der eingeschlagene Weg, eine moderne Anstalt aufzubauen, nur ein Anfang gewesen sein kann. Denn immer wieder schaffen es die Vorstände, die Spartenleiter und sämtliche Bedienstete unter Federführung einer Heerschar von Beratern, das Ministerium mit neuen und unerwarteten Bilanzzahlen zu verblüffen. Als zum Schluss sogar ein testierter Jahresabschluss gefährdet erscheint, von dem der Vorstandssprecher am Rande eines Fußball Turnieres auf der schönen Insel Helgoland erfährt, wird es Zeit das Ruder herum zu reißen. Durch cleveres Handeln eines ministeriellen Verwaltungsbeamten geht daher die Anstalt ihren Weg weiter an die Börse. Die Anstalt wird eine Aktiengesellschaft.

Die sogenannte Fläche mit ihren Außenstellen bleibt sich eine Weile selber überlassen. Doch nach und nach kommen die altlastenbehafteten Liegenschaften zurück. Und am Ende ist neben der börsendotierten Aktiengesellschaft auch die alte Verwaltung wieder auferstanden.

Die zahlreichen Mitarbeiter der Anstalt werden entwickelt, gecoacht und gechanged und entdecken danach vollkommen neue Talente. Bei diesem rasanten Aufstieg darf es auch keine Rolle spielen und niemanden verwundern, dass ab und zu ein paar Mitarbeiter ganz verloren gehen. Am Ende zeigt sich, allein die Beratung hat Bestand.

Falls Ihr Lust auf mehr (Meer habe ich leider im Moment nicht zu bieten) habt, geht es demnächst los.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.

Heute Hundeschwimmbilder aus Teneriffa von Hundis Lieblingsschwimmstelle in meiner Lieblingsbucht. Seufz.

Zuerst schwimme ich zu den Felsen und sehe nach, ob dort wieder so viele Fische sind – könnte ja mal passieren, dass ich doch einen erwische.

Ach, macht das Spaß die Pfoten im kühlen Nass abzukühlen.

Shake your body und mit den Tropfen fallen alle Sorgen ab.

Sehe ich nicht gefährlich aus?  – Wow – in bin ein Wolf.

Und noch eine Runde schwimmen, wer weiß wann wir wiederkommen.

Noch einmal schütteln – ach, ist das toll hier.

Na, wo bleibt sie denn  mit meinem  Ball?

Wenn mein Ball nicht kommt, schwimme ich noch ein paar Runden und kraule lässig in den Tag hinein .

Neben dem Fressen ist das Schwimmen meine allerliebste Lieblingsbeschäftigung.

So, fertig für heute und jetzt geht es frühstücken.

Ich wünsche ein gutes Frühstück und einen erfrischenden Tag.

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Weihnachtsglück auf 16 Pfoten

Veröffentlicht: 22. Dezember 2011 in Hund, Leonies Leben 2011, Natur
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Heute habe ich noch etwas: Eine Geschichte, die mich heute von meiner Hundetrainerin aus Bonn erreichte, und die ich gerne mit Euch teilen möchte. Den Verfasser oder die Verfasserin kenn ich leider nicht.

 

Ein eisiger Wind fuhr mir durch meine braunen langen Strähnen. Es war über Nacht bitterkalt geworden. Der Schnee fiel ohne Pause auf die einsame Strasse auf der ich entlang trottete. Schnell konnte ich nicht laufen, ich war hochschwanger und musste schleunigst eine Unterkunft finden. Meine Babys in meinen Bauch zappelten und ich musste kurz stehen bleiben und durchatmen.


Wie konnte das nur passieren? Mir, einer ausgewachsenen intelligenten Hündin mit schönem Fell und großen Augen, gewitzt und gescheit? Ich bewachte einen großen Hof, war zuverlässig und hörte aufs Wort. Die Menschen dort waren gleichgültig mir gegenüber aber ich bekam regelmäßig Futter und durfte mich den ganzen Tag frei bewegen. Nur zum Arzt brachten sie mich nicht und so kam ich eben in die fruchtbaren Jahre und fühlte mich plötzlich seltsam allein.


Auf den erstbesten Rumtreiber bin ich reingefallen, kastriert war er, so seine Aussage. Umgarnte mich und versprach mir „den vollen Napf“ auf ewig. Ich war verliebt und es kam wie es kommen musste. Kaum hatte das junge Glück zwischen uns begonnen war es auch schon wieder vorbei und er machte sich aus dem Staub.


Die erste Zeit fühlte ich gar nichts, dann wusste ich, dass neues Leben in mir wuchs und ich freute mich wie wild. Tollte durch den Hof und jaulte was das Zeug hielt. Wurde langsam dicker und träger. Ich vertraute meinem Umfeld und sah mich in Gedanken mit meinen Kindern den Hof gemeinsam bewachen.
Meine Menschen aber sahen meiner seltsamen Veränderung nicht lange zu, ich wurde vom Hof verjagt und mit Steinen beschmissen. Ich verstand nicht was los war, kam zurück und wurde wieder verjagt. Traurig nahm ich Abschied von meiner alten Heimat und trottete einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die vergangenen Tage waren hart, ich schlief in feuchten Gräben und fraß tot gefahrene Igel von der Strasse, trank Wasser aus dreckigen vereisten Tümpeln.
Die Kälte wurde immer schlimmer und eines Morgens lag der erste Schnee auf den trostlosen Feldern.
Langsam musste ich mir was einfallen lassen, mein Zustand verschlimmerte sich stündlich, meine Babys wollten auf die Welt, aber wollte die Welt meine Jungen und mich?

Die Strasse zweigte in zwei Richtungen und mein Instinkt befahl mir nach links zu gehen. Ich lief entlang und kam durch einen dichten Wald. Der Schnee hing schwer und nass in den Tannen und es wurde dunkel.


Ich zwinkerte die weißen Flocken von meinen Augen und meinte in der Ferne ein Licht zu sehen. Es war keine Einbildung. Am Ende der Strasse stand ein Haus mit hell erleuchteten Fenstern. Das war meine Chance, ich durfte keine Zeit verlieren. Schnell lief ich auf das Gebäude zu. Zu meiner Freude stand hinter dem Haus eine große, schöne Scheune. Ich horchte und schlich mich langsam auf den sauberen Hof, in der Hoffnung irgendwie in die Scheune hinein zugelangen. Ich staunte nicht schlecht, das Scheunentor war leicht geöffnet.

Vorsichtig schielte ich in das dunkle Gebäude hinein. Da lag viel helles Stroh und in einer Ecke stand ein großes schwarzes Pferd das mich staunend anschaute.
„Was willst du hier?“ fragte es mich mit tiefer Stimme.
„Ich brauche einen Schlafplatz für die Nacht, ich kann nicht mehr laufen“ hechelte ich und schob meinen Bauch etwas nach vorne.
„Ich sehe schon du bekommst Junge. Leg dich zu mir, hier ist frisches Heu.“ Das Pferd nickte mit dem Kopf und ich ging zu ihm. Erschöpft ließ ich mich nieder und wedelte dankbar mit dem Schwanz.
„Ich wurde von meinen Besitzern verjagt, sie wollten meinen Zustand nicht. Ich habe nichts mehr außer meinen Kindern, wenn sie gesund auf die Welt kommen“
„Soso das sagen sie, alle wenn sie im Dreck sitzen“ schnurrte ein dicker roter Kater der plötzlich um die Ecke kam. Seine goldenen Augen funkelten mich strafend an. Er wusste, dass ich ihm in meinem Zustand nicht gefährlich werden konnte, deshalb wohl seine freche Klappe.
„Lass sie“ wieherte das Pferd, „ sie hat viel durchgemacht“.
„Du hast recht“ sagte ich zu dem Kater, der sich auf das Stroh zu uns legte. „Ich war naiv und wollte etwas für mich haben, das aber andere nicht wollen. Jetzt sitze ich ohne Herr und Hof da mit Kindern, denen ich kein Heim bieten kann.“
„ Unser Herr hat dafür gesorgt, dass ich keine Frau mehr in Schwierigkeiten bringen kann“ miaute der Kater. „Wer weiß, für was es gut war“ grinste er neckisch unter seinen weißen Schnurhaaren.
„Hier ist alles so sauber und ordentlich, ein schönes Zuhause habt ihr hier“
ich schaute mich staunend um.
„Der Hausherr ist sehr ordentlich und reinigt meine Box jeden Tag, wir haben wirklich Glück“ schnaubte das Pferd zufrieden.
Der Kater nickte und räkelte sich, dann begann er sich seine Pfoten zu lecken.

Plötzlich bekam ich heftige Bauchschmerzen, mein Laib drohte zu platzen. Ich jaulte auf und ergab mich dem ersten Krampf. „Es geht los, ich bekomme meine Babys“ jammerte ich.

„Du musst tief atmen und ruhig bleiben“, beruhigte mich das liebe Pferd.
„Pressen“ maunzte der Kater und machte einen kleinen Buckel.

Wer hätte das noch vor ein paar Tagen gedacht, da lag ich nun in einer Scheune und hatte zwei neue Freunde um mich rum, die mir halfen, meine Kinder zu gebären und nach vielen Schmerzen, Krämpfen und aufmunternden Worten kamen auf einmal ein kleiner Zwerg nach dem anderen zur Welt.

Ich konnte mein Glück kaum fassen, drei süße und gesunde Babys lagen feucht und verschwitzt an meinem Bauch. Ihre kleinen Augen waren verklebt aber die tapsigen Pfötchen kamen schon in Bewegung und ich leckte ihnen vorsichtig das Fell sauber. Sie hatten alle ein braunes Fell wie ich, nur der kleinste hatte noch einen weißen Fleck auf der Brust. Sie sahen alle mir ähnlich und nicht ihrem Erzeuger, dachte ich erleichtert.

„Das hast du gut hinbekommen“ freute sich das Pferd und wieherte freudig.
Der rote Kater schnurrte begeistert.

Meine kleinen Racker quetschten sich auch gleich an mich und jeder schnappte sich eine Zitze. Es war das perfekte Mutterglück.

Plötzlich wehte ein Windstoss die Scheunentür weit auf und ein Mann mit einem kleinen Mädchen an der Hand kam direkt auf uns zu. Der Mann hatte eine Laterne in der Hand und strahlte uns allen mitten ins Gesicht.
Sein Blick blieb starr und völlig ungläubig an mir und meiner Familie hängen.

„Papa schau doch, ein Hund mit lauter kleinen Babys. Ist das mein Weihnachtsgeschenk?“ Das kleine Mädchen lachte freudig und klatschte in die kleinen Hände. „Eigentlich nicht“, sagte der Mann leise „aber eine Überraschung ist das wirklich, eine gelungene würde ich sagen“.
Die große Hand des Mannes kam auf mich zu und ich duckte mich aus Angst, dass Schläge folgen würden. Aber was war das?
Er streichelte mir zart über meinen Kopf und dann nahm er vorsichtig das Baby mit Fleck in seine großen Hände. „Das sind wirklich Weihnachtsgeschenke auf vier Pfoten“. Sachte legte er mein Kind zu mir zurück, „Weißt du Papa, ich habe letzte Woche dem Christkind geschrieben, dass ich wieder einen Hund haben möchte, jetzt wo der Bello tot ist. Meinst du nicht wir könnten sie alle behalten, weil das Christkind uns doch jetzt gleich so viele Hunde geschenkt hat?“ Das Mädchen zupfte aufgeregt an der Jacke des Mannes.

Der Mann ging in die Hocke und sah uns alle lange an. Der rote Kater strich am Arm seines Herren entlang und schnurrte. Das Pferd schnaubte leise.

Sie wollten mir helfen, meine guten Freunde.

„ Nun ich denke die Hündin für mich und ein kleines Hundebaby für dich, die anderen zwei kriegen wir bei Onkel und Tante unter, da geht es ihnen gut und sie können sich regelmäßig sehen“. Der Mann streichelte seiner glücklichen Tochter über das Haar.

„Jetzt lass uns Futter holen für alle und dann danken wir dem Christkind für dieses schöne Geschenk, die Mama wird uns das gar nicht glauben, sie vermisst uns sicher schon. Komm lass uns gehen, sie sind sicher alle sehr hungrig. Und den Christbaum willst du doch auch endlich sehen oder?“ Das Mädchen lächelte freudestrahlend ihrem Vater zu.

Sie gingen beide leise aus der Scheune.

„Du bist wirklich ein Glückshund, soviel Dusel muss man haben“ schnurrte der Kater. „Willkommen bei uns“ freute sich das Pferd und stampfte mit den Hufen auf.

Ich konnte nur ungläubig nicken und schaute glücklich auf meine Kinder. Wir wurden verstoßen und wieder aufgenommen. Wir hatten alle in einer Nacht Freunde und ein neues Zuhause gefunden.

Das alles in nur einer Nacht. Eine besondere Nacht nahm ich an.