Erster Mai, Maibäume und die Maibräuche

Veröffentlicht: 1. Mai 2011 in Leonies Leben 2011
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Heute ist der 1. Mai und wenn ich durch die Straßen hier in Bonn und Umgebung laufe, sehe ich wieder viele Maibäume, die über Nacht aufgestellt wurden.

Aus anderen Gegenden der Republik, in denen ich gelebt habe, kannte ich bereits vereinzelte Maibräuche. So habe ich auch in Bayern und in Baden-Württemberg beobachtet, dass riesige Maibäume auf dem Dorfplatz aufgestellt wurden. Auch kenne ich den Brauch, dass die Jungen des Dorfes den dorfeigenen Maibaum schlagen und über Nacht bewachen und dass die Dorfjugend aus anderen Dörfern versucht, an die Maibäume der jeweils benachbarten Dörfer heran zu kommen. Hier in der Bonner Gegend werden auch  teilweise auf den Dorf- und Stadtteilplätzen große Maibäume aufgestellt, die von der Dorfgemeinschaft geschlagen und geschmückt werden.

Neu war für mich jedoch der Brauch, dass in der Nacht zum 1. Mai die Jungen ihrer Freundin oder ihrer „Angehimmelten“ einen recht großen Maibaum vor die Tür stellen. Diese werden oft direkt am Haus oder an Verkehrsschildern vor dem Haus befestigt und reichen teilweise bis zum Dach,. In der Nacht zum 1. Mai werden diese oft zusammen mit Freunden an den Häusern angebracht. Geschmückt sind die Bäume mit Krepppapier und einem großen Herzen, das den Namen der Beschenkten trägt. Wenn ich heute durch unser Stadtviertel  laufe, sehe ich viele bunte Bäume vor den Häusern und kann die Namen, wie Anna, Lena, Nele usw lesen. Wie ich finde ein sehr netter Brauch.

Am Anfang als wir in das Rheinland zogen wusste ich nicht, woher die ganzen Bäume kommen. Nun weiß ich, dass am Tag vor dem 1. Mai der Verkauf dieser Bäume im Wald stattfindet. Bereits gestern am  frühen Nachmittag sah man überall Jungen mit riesigen Bäumen durch die Gegend ziehen. Einige trugen sie in Gruppen, andere versuchten sie über drei Fahrräder zu transportieren, während die meisten sie über das Auto gebunden hatten oder hinter dem Auto  her zogen. Ich meine gehört zu haben, dass in der Gegend für den Maibaumtransport besondere Verkehrsregeln aufgestellt werden, denn ansonsten dürfte diese Art von Transport wohl gar nicht erlaubt sein.

Ein Jahr nachdem wir in Bonn lebten, musste ich mit einem meiner Söhne und dessen Freunden auch einmal los, um Bäume zu besorgen, die einigen Mädchen vor die Tür gestellt werden sollten. Im Baumarkt mussten wir noch Krepppapier und Holz kaufen. Dann bastelten die Jungs den ganzen Nachmittag und da abends dann auch noch Bier getrunken wurde, wurden die vier bei uns im Garten gelagerten Maibäume anscheinend nicht mehr so ganz gerade heraus getragen. Am nächsten Morgen hing überall an unseren Büschen das bunte Krepppapier, das aber auch sehr nett aussah.

Wie mein Sohn mir erzählte, gehen die Jungen nach einem Monat wieder zu dem Haus, um die Maibäume abzubauen. Dafür erhalten sie dann von dem Vater des Hauses eine Kiste Bier. Wieder etwas dazu gelernt. In diesem Jahr war mein anderer Sohn nachts unterwegs und nun ist unser ganzer Kabelbinder aufgebraucht. Nicht schwer zu erraten, was er wohl gemacht hat.  Wer die Glückliche ist, wird zurzeit noch nicht verraten.

Eine Besonderheit gibt es bei dem Maibaumbrauch noch zu beachten. Im Schaltjahr wird alles umgedreht und die Mädchen stellen die Bäume für ihre Liebsten auf. Darüber berichte ich dann am nächsten 1. Mai 2012 :-).

Ich wünsche allen Lesern einen schönen 1. Mai und  allen Mädchen einen schönen Maibaum.

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Kommentare
  1. […] Leonie schaute sich die Maiherzen an. Leonie hat ja vor einigen Jahren einmal etwas zu den hiesigen Maibräuchen geschrieben. Und die haben sich nicht geändert. Als wir letzte Woche nach Bonn kamen, standen (und […]

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  2. sl4lifestyle sagt:

    Hallo Leonie, ich habe auch in Bonn gelebt, aber von den Bäumen, die direkt im Wald verkauft wurden, nichts gewusst. Danke!
    LG zurzeit aus Texas.
    Sabine

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  3. leonieloewin sagt:

    Hat dies auf Leonies Leben rebloggt und kommentierte:

    5 Jahre ist es her: Maibräuche in Bonn – und dieses Jahr ist ein Schaltjahr, so dass in der letzten Nacht die Mädchen den Jungen einen Maibaum stellen konnten

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  4. kat+susann sagt:

    Bei uns ist es mit diesen Bäumen so, dass, wenn 3 Jahre lang derselbe Junge den Baum vor dem Elternhaus des Mädchens aufbaut, und sie das akzeptiert, dann muss geheiratet werden. Einer Arbeitskollegin war das aber so arg, weil sie den Typen gar nicht wollte, das es fast zu einem Dorfstreit kam. Wenn das Mädel nämlich den Baum abbaut, ist es eine Schmach für den jungen Mann.So viel zur freien Partnerwahl 😉 Kat.

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  5. Davon hatte ich ja bisher auch nicht die geringste Ahnung, Leonie! Weder vomAufstellen der Bäume für ein spezielles Mädchen, noch von der Schaltjahr-Regel. Was es nicht alles gibt! :-))

    LG Michèle

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  6. minibares sagt:

    Bei euch ist die Mai-Tradition aber intensiv.
    Dass sie den ganzen Mai über dauert, ist mir neu.
    Deine Söhne sind ganz schön aktiv.
    deine Bärbel

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  7. Liebe Leonie,
    diesen Brauch mit „der Liebsten einen Maibaum hinstellen“ kenne ich auch (ich wohne in Bayern), bei uns heißt das „Maia steckn“. Allerdings kenne ich den Brauch auch so: wenn der Junge seiner Liebsten drei Mal eine Maia gesteckt hat, ist das gleichbedeutend mit „jetzt wird geheiratet“.
    Liebe Grüße, Karina

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