Hausgeburt – Geburtstag – Tagheute oder Laudatio für den „kleinen“ Oel

Veröffentlicht: 11. Mai 2011 in Leonies Leben 2011
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Die etwas ungewöhnliche Überschrift soll dafür stehen, dass mein jüngerer Sohn heute vor 17 Jahren in Rostock zur Welt kam. Nachdem bereits 1,5 Jahre vorher in einem Krankenhaus in Rostock sein Bruder das Licht der Ostseeküste erblickt hatte, sollte es bei dem zweiten Kind unbedingt eine Hausgeburt sein. Grund war, dass meine Erfahrungen mit dem Krankenhaus damals kurz nach der Wende nicht gerade sehr erfreulich waren. Es fing bereits damit an, dass vor den Wartezimmer ein Schild „Abfertigung“ hing und so war dann auch die gesamte „Behandlung“. Es wurde kalt und ohne große Freundlichkeit nach Schema F gehandelt, dass sich bereits 40 Jahre bewährt hatte. Individualität oder etwa gar eigene Wünsche oder Vorstellungen waren nicht gefragt. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich hatte damals gar keine besonderen Wünsche, sondern wollte eine möglichst natürliche Geburt ohne viel Apparatemedizin. Wenn denn Schulmedizin wegen besonderer medizinischer Inkationen notwendig ist: OK – gut das es sie gibt. Ansonsten bitte einfach nur ein bisschen Ruhe und die Geburt seinen Gang gehen lassen.So wird es in anderen Ländern, wie z. B. in den Niederlanden seit Jahren praktiziert. Ich meine sogar, dass dort die Hausgeburt der Standard ist.

All das war aber nicht möglich. Es wurde all das gemacht auf das ich verzichten wollte. In der Geburtssituation war ich nicht mehr in der Lage, mich dagegen zu wehren. Auch wurde das Kind gleich nach der Geburt weggenommen und bekam gegen den ausdrücklichen Wunsch Tropfen in die Augen usw..

Dennoch war ich natürlich glücklich über mein erstes Baby, habe mir aber ganz fest vorgenommen, beim zweiten Kind es anders zu machen. Heute hat sich auch das Geburtsverfahren in den Rostocker Kliniken  verändert. Das weiß ich aus Zeitungsberichten, die ich danach recht intensiv verfolgt habe. Interessant war, dass ein Oberarzt, der 1991 einer Bekannten wortwörtlich sagte: „Jeder Wessi, der von einer Wassergeburt redet, gehört selber ersäuft“, einige Jahre später stolz auf der ersten Seite der Ostseezeitung die Einrichtung der neuen Geburtstraktes bekannt gab, zu dem oh Wunder auch die Möglichkeit einer Unterwassergeburt gehörte. Wie dem auch sei, 1991 hatte ich nicht wirklich eine Alternative. Auch das Hebammenwesen bildete sich gerade erst wieder neu.

Aber beim zweiten Kind hatte ich das große Glück eine liebe Hebamme zu finden, die mit mir in unserer ersten Plattenbauwohnung zusammen die Geburt meistern wollte. Es war wohl seit langer Zeit eine mit der ersten Hausgeburten in Rostock und für mich sehr angenehm und schön. Daheim im Bett wurde mein Sohn geboren und konnte einfach in den nächsten Stunden und Tagen immer ganz eng bei mir sein. Keinerlei Apparatemedizin oder andere überflüssige Maßnahmen. So hatte ich mir das vorgestellt und war heute vor 17 Jahren sehr glücklich den Kleinen im Arm zu halten.

Wie schnell sind die 17 Jahre vergangen. Er ging zur Krippe, in den Kindergarten, in die Schule. Wir haben ihm selbst erfundene Geschichten von dem kleinen Oel erzählt. Bereits bei der Geburt hatte er lange schmale Füsse. Heute hat er Schuhgröße 48. Bald brauchen wir Sonderanfertigungen. Suche Schuhe der Größe 50 – ein neues Thema! 

In Rostock hat er auf der Warnow segeln gelernt. Klavier spielt er mittlerweile viel besser als ich, da er unheimlich gut improvisieren kann. Mit seinem Schlagzeug und den Samstags eigenen Hauspartys braucht es schon ein wenig Toleranz. Und dann gibt es noch die vielen freudigen Ereignisse, die die Pubertät so mit sich bringt und die mich manchmal nahe an den Wahnsinn treiben. Auch meine Wege in die Schule, die dann mit den Aussagen der Lehrer: “ Ihr Kind ist ja so intelligent und weiß so viel, aaaabbbberrr die Faulheit, die fehlenden Hausarbeiten, die Schlamperei…“. Ach, wie ich es liebe. Hatte in diesem Zusammenhang ja auch schon mal an die Aufstellung eines Automaten für Geodreiecke gedacht :-). Gerade gestern rechtzeitig zum Geburtstag habe ich wieder so einen Brief erhalten. Vielleicht schreibe ich demnächst etwas über – hoffentlich erfreuliche. Eltern – Lehrergespräche.

Dennoch freue ich mich, dass es meine beiden kleinen Großen gibt, denn ohne die beiden wäre mein Leben ein großes Stück leerer und langweiliger. Also: Glückwunsch zum 17. Geburtstag

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und nicht zu viele blaue Briefe.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Sehr schön geschrieben!
    Mit Kindern gibt es immer Leid und Freud. Aber die Freude überwiegt ja doch. Und auch wenn man sich mal ärgert, man möchte keinen Tag missen. 🙂

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