Morgens um 6 ist meine Welt – zumeist – noch in Ordnung

Veröffentlicht: 18. Mai 2011 in Hund, Leonies Leben 2011, Natur
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Seit einigen Jahren – genauer gesagt seit ich auf den Hund gekommen bin – habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, morgens früh vor der Arbeit mit dem Hund eine ungefähr acht Kilometer lange Runde zu joggen oder ab und zu auch nur spazieren zu gehen. Für den Hund ist es ohnehin notwendig raus zu kommen und für mich ist es absolut gut. Nicht nur, dass mir die Bewegung gut und mich auch ein bisschen fit hält, sondern in der Frühe habe ich auch die Zeit den Tag, der vor mir liegt, ein wenig gedanklich zu sortieren.

Nach dem Aufstehen das Haus zu verlassen, ist manchmal schon eine Überwindung. Leichter fällt es mir bei Wärme und Helligkeit, häufig sehr schwer fällt es mir hingegen bei Kälte und im Winter. Dennoch gehört dieser tägliche Gang im Moment zu meinem normalen Leben und wenn ich ihn nicht machen kann (was sehr selten z. B. wegen einer Verletzung vorkommt) bin ich etwas unleidlich.

Von unserem Haus laufe ich zunächst eine ganze Zeit ein wenig bergan, bin aber schnell mitten in den Feldern und Wiesen. Hier sind viele Pferdeweiden und ich kann mir jeden Tag die Pferde im Vorbeilaufen anschauen. Ich sehe überhaupt viele Tiere auf meinem täglichen Weg. Nicht nur andere Hunde, die uns begegnen und Katzen, die geduckt im Feld auf Beute warten. Auch einen Fuchs, viele Rehe und ab und zu sogar ein paar Wildschweine sind mir schon begegnet. Auch sehr viele Vögel, die ich gar nicht alle aufzählen kann, begleiten unseren morgendlichen Weg. Besonders imposant sind für mich die großen Raubvögel, die auf den Gattern und Bäumen am Wegesrand sitzen und sich dann in die Luft schwingen, um ihre Kreise zu drehen. Zurzeit gibt es wieder viele Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen. Die Kaninchen sitzen zumeist ganz ruhig geduckt auf den Wiesen und hoffen wahrscheinlich, dass wir sie nicht bemerken und schnell weiter ziehen. Ich freue mich, wenn der Hund sie nicht bemerkt und nicht anfängt zu knurren. In solchen Fällen, die auch ab und zu vorkommen, flitzen sie weg und ich habe Mühe meinen Hund am hinter her laufen zu hindern.

Es gibt auch Menschen, denen ich fast täglich immer wieder begegne. Mit einigen Menschen, die ich nicht namentlich kenne, grüße ich mich oder wechsel sogar im vorbei gehen ein paar Sätze. Andere sehe ich nur jeden Tag, wie zum Beispiel einen Mann, der immer morgens gegen 6.30 Uhr den Pferden Heu zu den Ställen bringt. Im Winter sehe ich dann nur seine Stirnlampe und höre ihn zwischen den Pferden hantieren. Durch die tägliche Wiederholung kenne ich viele Menschen, Häuser, Autos nur vom sehen und nehme dadurch auch sehr intensiv Veränderungen wahr. Ab und zu wird ein Haus abgerissen, ein Baum vom Sturm gefällt oder es entsteht ein neuer Straßenabschnitt. All das wird von mir und meinem Bewußt- oder auch nur Unterbewußtsein registriert und ich finde die Veränderung (immer passiert etwas und sei es auch nur etwas ganz kleines) spannend.

Auf einer anderen Ebene in meinem Gehirn plane ich dabei auch häufig den Tag, Dinge die ich erledigen möchte, Geschenke, die ich kaufen möchte. Es gibt ja immer etwas zu „bedenken“. Das läuft eher bewusst ab unter dem Motto: so jetzt überlege ich mal, wie ich hierfür eine Lösung finde oder „wie hieß Weg noch mal auf Spanisch?“. Daneben gibt es aber  zum Glück auch noch eine andere anscheinend arbeitende Stelle im Gehirn, die ohne Aufforderung beim Laufen kreative Gedanken erzeugt. Ganz plötzlich wird mir ohne ausdrückliche Aufforderung an mein Großhirn etwas klar oder ein vergessenes Wort fällt mir ein. Manchmal fliegen mir beim Laufen ganze spanische Sätze zu und ab und zu habe ich sogar eine Idee dazu, was ich schreiben könnte.

Wenn ich zum Schluß unserer Runde den Berg wieder hinunter laufe, fühle ich mich meistens wach und frisch und gedanklich gut auf den Tag eingestellt. Die Welt ist in Ordnung und nach füttern des Hundes und einer Dusche kann der Tag weiter gehen.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und viele gute Gedanken.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Das was Du da beschreibst, bei Deinem täglichen Lauf, klingt wirklich wunderschön.
    Für mich ist das leider gar nichts. Erstens hab ich es nie geschafft, mit dem Laufen anzufangen. Das heißt, angefangen hab ich es schon ein paar mal, aber es ist einfach nichts für mich. Ich kann stundenlang gehen, wenn ich will, aber laufen… nein, leider.
    Und noch dazu bin ich morgens zu gar nichts zu gebrauchen. Schon gar nicht zu irgendwelchen körperlichen Aktivitäten. Dafür ist für mich der ganze Vormittag tabu. Leider. Nur, wenn es unbedingt sein muss, aber das ist dann für mich ein mittlerer Horror und ich fühl mich dann meist den ganzen Tagn nicht mehr sehr gut.

    Ich bewundere Dich und alle, die am Morgen schon so viel Energie haben. Das hätte ich auch gern, aber leider ist es nicht so.

    Aber das mit den Gedanken, die Dir beim Laufen regelrecht „zufliegen“, kenne ich z.B. vom Gassi gehen. Was mir da oft alles einfällt. 😉

    Gott sei Dank ist meine Kira eine Langschläferin so wie ich. 😉 Da ich ja eine Nachteule bin, geh ich abends noch sehr spät mit ihr raus, dafür schläft sie dann eben auch bis Mittag. 😉

    lg Gabi

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    • sucherin sagt:

      Merkwürdiger Weise bin ich häufig auch ein Nachtmensch und bleibe gerne sehr lange auf. Allerdings merke ich doch immer mehr, dass ich irgendwann auch meinen Schlaf brauche. Ja, das Alter :-).

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  2. der_emil sagt:

    Ohhhh – da wär mein innerer Schweinehund zu überwinden 😉

    Ich bin Nachtmensch, so früh kann ich wirklich nichts tun …

    Aber ein schöner Einblick, den Du da geliefert hast.

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  3. sucherin sagt:

    Ab und zu bin ich auch Nachtmensch – kommt einfach auf die Nacht und was sich daraus machen läßt an.
    Kannst Du zufällig bei der Linkgeschichte (siehe Eintrag gestern) helfen, denn Du verwendest bei Dir doch häufig kurze Links?
    Viele Grüße nach Halle

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  4. Gabi sagt:

    Bin ja richtig froh, dass es mehr so Nachteulen gibt wie mich. 😉

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  5. der_emil sagt:

    Ach ja: Obwohl ich meist bis 9 oder 10 Uhr im Betttliege, bin ich kein ausgesprochener Langschläfer. Nein, sechs bis acht Stunden Schlaf reichen auch bei mir.

    Dumm ist nur, daß ich vor zwei oder drei nur in Ausnahmefällen schlafen kann. Selbst nach körperlicher und geistiger Verausgabung, selbst nach durchgemachten 24 Stunden werde ich erst gegen zwei Uhr müde und muß daher dem Einschlafen durch Autogenes Training nachhelfen.

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  6. […] Für mich ist es ohnehin immer spannend, wenn ich meine morgendliche Laufrunde mit Hund nicht zu Hause, sondern in einer anderen Gegend drehe. Es  gibt immer etwas neues zu sehen und für den Hund neue Gerüche und andere „Hundezeitungen“. So haben wir denn im Urlaub oder bei einem Aufenthalt außerhalb beide eine interessante Abwechslung zu der gut bekannten Bonner Morgenrunde. […]

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  7. […] habe bereits über mein morgendliches Joggen mit dem Hund geschrieben. Dieses Ritual brauche ich, um den Tag in Ruhe angehen zu lassen, mich […]

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  8. […] einige Male habe ich darüber erzählt, dass ich meinen frühen Morgen täglich mit einem Morgenlauf starte. Zumeist laufe ich in unserer Gegend über Feldwege, durch den Wald und auch durch […]

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