Pfingstspaziergang 1

Veröffentlicht: 13. Juni 2011 in Leonies Leben 2011, Natur
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Ich erinnere mich daran, dass meine Großeltern und Eltern zu Pfingsten oft auf Plattdeutsch das alte Lied „Die Pfingsttour“gesungen haben. Die Melodie habe ich noch im Ohr. Den Text leider nur teilweise. Irgendwie kam mir gerade dieses Lied. vielleicht weil Pfingsten ist – wieder in den Sinn. Es ließ mich nicht los und ich recherchierte ein wenig im Internet. So habe ich erfahren, dass das Stück von Heinrich Köllisch aus Hamburg, der dort von 1857-1901lebte, ist. Hier nun der gesamte alte plattdeutsche Text, der mich sehr an ach sooooo alte Zeiten erinnert:

De Pingsttour
vun Heinrich Köllisch

To Pingsten, ach wie scheun, – wenn de Natur so greun,
un all’ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!
besünners vör de Göörn, – de heurt man räsoneern:
Weur Pingstn doch erst bloß- denn goht wie los!
Kümmt nu Pingstobend ran, – denn geiht’n Leben an,
de Mudder seept de Görn – vun achtern un vun vörn,
sünds wuschen nu un kämmt, – denn kreegt se`n reinet Hemd,
un denn geiht mit Gejuch – rin in de Puch!
De Vadder nu ton anner’n Morg’n – deit sick mit Proviant versorg’n:
Eier, Käs, Wust un Schinken, – ook verschiedenerlee to drinken.
Dormit keen Minsch de Tied verslopt, – treckt he noch den Wecker op,
un anner’n Morgen gegen soß, – dor schippert los de Troß.

De Vadder geiht voran, – een witte Maibüx an,
sien Jung kummt in de Mitt, – natürlich ook in Witt,
dorbi hebbts op den Kopp – een fien’n Strohhoot op,
all’ns sauber un mit Schick, – grood wie gelickt.
Un nu kummt achterher – mit’t allerlüttste Göör,
in groot’n Kinnerwog’n – de Mudder angeschob’n.
De Dochter mookt den Sluß, – stolt, voller Hochgenuß,
in Arm mit ehren Freier, – een Piependreiher.
Een jeder, wehrnd se nu marscheert, op eeg’ne Fuust sick amüseert:
De Vadder vör, de kippt sick een, – de Jung dor achter grapst Sireen,
de Mudder mutt so in‘ Gedräng’n – den Lüttsten öfter dreug mol legg’n,
dat Liebespoor kummt achterher, de snackt von em un ehr.

So geiht’t bitt Quellndol, – dor leggt man sick nu dohl
in’t scheune weeke Moos, – nu geiht dat Futtern los.
Een jeder matt un meud – langt no de Bodderbreud,
se fallt doröber her – grood as so’n Bär.
Dormit dat beter rutscht, – ward ut de Buddels lutscht,
de Vadder un de Söhn, – de hollt sick an den Kööm,
un ook de Piependreiher – is op den Buddel Freier,
de Dochter un de Froo – mookt’t ebenso.
Bi lütt’n ward de Krom fidel, – man heurt jem sing’n ut vuller Kehl:
Vun Edelweiß, de Wacht am Rhein, de Fischerin un Komm‘ Se rein!
De anner Siet de blarrt jedoch: Lebt denn meine Male noch?
Im Grunewald ist Holzauktion! Un denn noch Revolutschon.

Op eenmol, wie gemeen, – ehr eener sick versehn,
dor kummt vun boben dohl – een Regen kollosol!
De ganze Minschenschwarm – de kummt nu in Marm,
de Froonslüd kriescht un jucht, – de Mannslüd flucht.
De Vadder springt nu op, – glitscht ut unfallt dorop
grood op den Kinnerwogen, – de kippt un fallt in Groben.
He mit sien witte Büx – recht in so’n deebe Pfütz,
mitsamt dat lüttje Göör, – wat een Malheur!
Een jeder socht nu Schutz to finn‘, de Minschen rennt dorch dick un dünn,
de Mäkens un de Froons vorop mit all‘ de Röck‘ hoch boben Kopp.
De Anblick is sehr int’ressant! Worum, dat liggt klor op de Hand:
Bi sowat kriggt man, wie ick meen, verscheedenerlee to sehn.

Na endlich, no den Suus, – dor geiht dat nu to Huus,
de Vadder un sien Söhn – sünd nüdlich antosehn,
de scheune witte Büx – süht ut wie Stebelwix,
de Strohheud sünd so slapp – wie oles Papp.
De Brögam un de Brut, – de seht erst lecker ut!
De harr’n, wat sull’n se mooken, – sick beid‘ in’t Hei verkropen.
Dat allerlüttste Göör – weur dorchnatt dör un dör,
de Mudder weur so natt – as wie so’n Katt.
De een schuwt achtern annern her grood wie de Geus, se könt nich mehr!
Un dorbi alle Ogenblick verswind mol eener achtern Knick.
Grood wie gerädert un half dood kummt se denn endlich an de Bood.
So ward in Hamborg Pingst’n fiert un sick fein amüsiert.

Kennt einer die Melodie? Ich war jedenfalls gestern so animiert, dass ich mit meinem Hund auch eine Pfingsttour in den Wald unternommen habe. Die Bilder davon gibt es morgen.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen zweiten Pfingsttag.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Muß zugeben, als Wienerin tu ich mir ein bisserl schwer mit dem Text. 🙂

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  2. sucherin sagt:

    Das kann ich verstehen – würde mir bei dem Wiener Dialekt (den es doch sicher gibt) sicher auch so gehen.

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    • kuddels sagt:

      all dat erinnert mi an min Kinnertied,as wi Pingsen fiert hem und wi ok Siren (Sirenen kommt von Syringus, Flieder)plückt hem, de meist pludderig dolhang`n den,bet wi bithus weern.
      So, ick schnack dat nordfreesche Platt.Overs dat ähnelt sik doch alls een beeten.
      Fritz Reuter sä mol wat vun een Eekboom(so ist auch das Gedicht betitelt von ihm) , womit he de plattdütsche Spraak meent, de sin Teegen(die plattdeutsche Sprache) över dat ganze norddütsche Land reckt..Fiete Kay ut Bredstedt hett dat vertont.

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  3. Synapse sagt:

    Pfingsten über habe ich die Ostsee unsicher gemacht und sooooo viel frische Meerluft getankt…
    Aber das weißt du ja. Leider kenne ich dein Lied in Platt nicht. Ich bin eher so die erzgebirgische Fraktion…

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