Viele Jahre sind vergangen seit ich das letzte Mal auf Fuerteventura war. Ein klassischer Familienurlaub in einer Anlage mit allem Komfort und vielen Angeboten für Kinder. Im Restaurant herrschte ein entsprechender Lärmpegel, an dem auch meine beiden damals vier und sechsjährigen ausgiebig beteiligt waren. Für eine Familie ohne Kinder wahrscheinlich der blanke Horrorurlaub. Neben den Kinderattraktionen und den schönen Sandstränden flog der Rest der Insel in einigen Tagesausflügen schnell an uns vorbei. Wir sahen die großen Sanddünen im Nordosten der Insel, die wunderschönen weißen Sandstrände im Süden und schafften es sogar, einen Blick auf das Wrack der American Star vor der steilen Westküste zu werfen.

Wrack der American Star


Als ich dann nach Jahren wiederkam, fiel mir auf den ersten Blick auf, dass sich an der Ostküste viel an Bautätigkeit getan hatte. Neue Hotelanlagen, neue Strandanlagen, Wohnsiedlungen und sogar große Einkaufszentren waren entstanden.

                                                        Neubauten in Caletta de Fuste

Dieses Mal war ich nicht mit Familie, sondern allein gereist. Ganz allein war ich allerdings nicht, da mich mein Labrador begleitete. Hotelanlagen und auch viele Privatunterkünfte schieden daher von vornherein als Unterkunft aus, da Hunde nicht überall erwünscht sind. Nachdem ich im Vorfeld der Reise ein bisschen recherchiert hatte, hatte ich eine Unterkunft auf der Mitte der Westseite der Insel „hinter den Bergen“ in Aguas Verdes gefunden. Handy- und Navigationsempfang gab es laut Aussage der Vermieter in diesem Tal noch nicht. Ein absoluter Ort der Ruhe? Ich war gespannt.

Mit meinem Mietwagen und Hund fuhr ich vom Flughafen bei Porto Rosario immer Richtung Westen und fand das gut und neu angelegte Straßensystem der Insel mit den vielen Kreisverkehren, die ein zügiges Fortkommen ermöglichten, äußerst komfortabel. Doch dann ging es ins leichte Gebirge hinauf und die anscheinend weniger befahrenen Straßen wurden enger und holpriger. Auch Seitenbegrenzungen gab es nicht.

                                                         Ausblick über die Westgebirgskette zum Atlantik

Die Ausblicke waren dafür umso faszinierender. Gleich bei meiner ersten Fahrt genoss ich den Blick auf das endlos wirkende Zentralland hinter mir und die immer neuen Ausblicke in Richtung Atlantik vor mir. Bei meinem dreiwöchigen Aufenthalt sollte ich hier noch einige Male über die Pässe fahren und jedes Mal wieder über die ständig wechselnden Farben von Boden, Gebirge, Himmel und Meer staunen. Verkehr gab es auf der sieben Kilometer langen Strecke zum Atlantik kaum. Ab und zu kam mir ein Fahrzeug entgegen, dessen Fahrer ich spätestens nach den dritten Tag meines Aufenthaltes „identifizieren“ konnte. Ich merkte sehr schnell, dass in diesem Teil der Insel anscheinend wirklich jeder jeden kannte und Nachbarn wirklich noch Nachbarn waren, denn die Bevölkerungsdichte ist hier auch heute noch recht  überschaubar.

                                                         Ziegenfarm

Kaum hatte ich die letzte Erhöhung geschafft und eine sehr große Ziegenfarm passiert, schlängelte sich der Weg hinunter an der alten Ferienanlage Aguas Verdes entlang zum Atlantik. Die Straße geht bei der Anlage in eine Piste über, die in einigen Bogen an die kleine Bucht am Atlantik führt. Häuser gibt es nur wenige auf den Weg an die Küste. Teilweise im Mehrfachpack zusammengelegen, wie die Casas Blancas, eine Ansiedlung von Häusern, die hauptsächlich von „Auswanderern“ und als Ferienhaus genutzt werden. Andere Häuser liegen vereinzelt direkt am Ende der kleinen Bucht oder auf den Steilklippen oder mit bester Aussicht ganz oben auf den Hügeln. Obwohl auch einige Spanier hier wohnen, wird das Tal anscheinend in erster Linie von Ruhe suchenden Auswanderern und Ferienhausbesitzern aus dem Ausland bewohnt.

                                                       Häuser an der Steilküste

Für mich war erst einmal in Aguas Verdes das Ziel erreicht. Die Anlage Aguas Verdes machte auf mich sofort den Eindruck, dass sie wohl in den 80gern Jahren einmal wunderschön weiß, mit Pools und Minigolf da gestanden hat. Nun bedurfte diese Anlage aber dringend der Sanierung und versprühte leider nur noch einen gewissen maroden Charme, der eine bessere Vergangenheit vermuten ließ. Dann aber stellte ich in den nächsten Wochen fest, dass es sich in dieser Anlage doch recht gut leben lässt, wenn man bereit ist, über die recht angeschlagenen Außenanlagen und die Risse im Mauerwerk hinweg zu sehen.

in den Mauern von Aguas Verdes

Grün ist die Anlage immer noch und man hat von den Terrassen und Balkonen teilweise wunderschöne Ausblicke auf den Atlantik und die endlos wirkende Steilküste. Es ist ruhig und nur ruhig. Wer also Ruhe und Entspannung sucht und auf jegliche Ablenkungen von außen gern einmal eine Zeit verzichten kann, ist hier richtig. Die Apartments selber sind einfach und solide eingerichtet, aber es fehlt an nichts. Teilweise sind sogar Waschmaschinen vorhanden. Aufpassen muss man nur, dass man sich in der Inselmitte in Antigua oder noch besser in Caleta de Fuste im Einkaufszentrum gut mit Wasser und Lebensmitteln eindeckt, denn im Tal selber und im Umkreis von sieben Kilometern gibt es nichts zu kaufen. Es gibt weder ein Restaurant, noch eine Taverne oder einen kleinen Laden. Daher ist es unbedingt geraten, gleich auf dem Weg vom Flughafen an die Erstversorgung zu denken. Wenn aber der Kühlschrank einmal gut gefüllt ist, lässt es sich in der Anlage mit Blick ins Grüne und auf den Atlantik und die faszinierenden Sonnenuntergänge sehr gut leben. Auch mein Hund war willkommen und auch nicht der erste Hund in der Anlage.

Sonnenuntergang – jeden Tag wieder gern gesehen

Die Umgebung eignet sich für lange Spaziergänge, Wanderungen und Entdeckungstouren. Sicher kann man hier und da das kaum vorhandene Grün vermissen. Entschädigt wird man aber  immer wieder durch das Farbenspiel von Licht, Wolken und Meer, das sich auch auf den kargen Steilhängen wiederspiegelt. Auch für den Hund eine ideale Umgebung zum Laufen ohne Ende. Mit Labrador, der das Wasser liebt, endeten unsere Spaziergänge natürlich immer wieder am Wasser und für meinen Hund in den Wellen des Atlantiks. Ich selber war wegen der äußerst starken Brandung mit dem Schwimmen im Tal ein wenig vorsichtiger und habe lieber auf die Ebbe gewartet und dann in den „Felsbadewannen“, in denen das Wasser zurückgeblieben war, gebadet. An der Steilküste versteckt in den unzähligen Nischen, die der Atlantik in die Felsen gegraben hat, finden sich bei genauer Suche so  einige Sonnenanbeter, die hier ungestört baden und liegen können.

                                                       Stürmische Brandung

Da es nur sehr wenige Menschen in der Gegend gibt, kommt man auch recht schnell ins Gespräch und erfährt viel über die Menschen, die Gegend und die Geschichte des Tals. So habe ich mich trotz meines „Singleurlaubes“ von der Familie nie wirklich einsam gefühlt und würde jederzeit wieder zurückkehren in den wilden Westen der Insel.

Blick aus dem Apartment auf den Atlantik – wo ist die Möwe?

Während ich im Saarland umherziehe wünsche ich allen Lesern einen schönen Tag und ab und zu Orte der Ruhe.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Sehr schön Deine Berichte.

    Alle Achtung, dass Du es Dir zugetraut hast, dort mit Hund hinzufliegen. Ich würde mich das nicht trauen, da ich die Spanier oder die Südländer generell nicht für sehr hundeliebend halte. Ist vielleicht ein Vorurteil, aber ich hab leider in diesen Ländern viel Tierleid gesehen.
    Außerdem hätte ich Angst, dass die Reise zu viel Strapaz für unseren Hund wäre.

    Aber Du hast ja eine wunderbare Gegend gefunden. Da kann ich mir schon vorstellen, dass es ziemlich problemlos gelaufen ist. Und diese Landschaft würde mir auch sehr gefallen. Habe viele Bilder von Bekannten gesehen, die dort waren. Ich kenne von den Kanaren nur La Gomera und Teneriffa und schon diese beiden Inseln haben uns begeistert.

    Aber da wir ja nun Kira haben, sind solche Flugreisen momentan gestrichen. 😉

    Dein Problem mit den Fotos, die immer verschwunden sind, dürfte sich ja wohl jetzt erledigt haben. Hast Du den Grund dafür herausgefunden?

    lg Gabi

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  2. sucherin sagt:

    Ja, mein Hund ist ohnehin sehr forsch, so dass er erwartungsgemäß auch beim Fliegen keine Angst hatte. Ich hatte Angst und habe die ganze Zeit oben zitternd gesessen und gedacht, dass der Hund sicher Angst hat. Aber er kam mit dem Sperrgepäck angerollt und war ganz normal wie immer und freute sich einfach, als ich ihn wieder aus der Box gelassen habe. Nun habe ich das schon zweimal gemacht und möchte es im nächsten Winter mit Teneriffa wiederholen. Wie ist Teneriffa? Ich kenne nur Fuerte, Gomera und Lanzarothe.

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    • Gabi sagt:

      Natürlich kennt jeder seinen Hund und weiß, was man ihm zutrauen kann. Und Deinem dürfte das ja wirklich nichts ausmachen. Ich glaub eigentlich auch, dass unsere Kira das recht locker nehmen würde, weil sie eigentlich auch kein ängstlicher Hund ist und sie kaum etwas aufregt. Aber wie Du ja selber schreibst, mir würde es da auch gar nicht gut gehen und ich hätte ständig Angst. 😉

      Auf Teneriffa waren wir zwei mal. Uns hat es wirklich gut gefallen. Viele Möglichkeiten zu wandern. Wir haben zwar mitten in den Touristenhochburgen gewohnt, weil es da recht günstig war, aber das war relativ egal, weil wir ja sowieso ein Mietauto hatten und jeden Tag irgendwohin gefahren sind. Überhaupt die Vulkanlandschaft „oben“ auf der Hochfläche beim Teide hatte es uns angetan.
      Wenn Du willst, kannst Du Dir hier http://www.fotocommunity.de/pc/pc/pcat/416842 ein paar Fotos anschauen. Sind aber nur eine kleine Auswahl.

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  3. sucherin sagt:

    Das sind ja wieder unheimlich schöne Fotos. Ich kann die gar nicht alle auf einmal ansehen und werde mir daher den Link merken. Gerade Teneriffa werde ich mir bei Gelegenheit ganz genau ansehen. vielen Dank für den schönen Link.

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    • Gabi sagt:

      Ich habe in der Fotocommunity auch einen Deutschen, der schon lange auf Teneriffa lebt. Und er hat auch einen Hund. Und wenn es Dich dann mal interessiert, kann ich Dir ja den link zu seiner Hompage schicken. Vielleicht hat er ein paar Tips für Dich.

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  4. sucherin sagt:

    Das wäre sehr nett und würde mich freuen, da ich vor habe, im kommenden Herbst nach Teneriffa zu fliegen und noch eine Unterkunft mit Hund suche. Vielleicht kann Dein Bekannter da ja einen Tip geben.

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  5. Gabi sagt:

    Hallo,
    habe nun bei Wolfgang angefragt und er hat absolut nichts dagegen, wenn Du Dich wegen Teneriffa bei ihm meldest.
    Hier seine Webseite: http://www.kieckbusch.de/
    Da findest Du oben einen großen Button mit e-mail.

    Sorry, dass es so lange gedauert hat mit dieser Infomation, aber durch meine schmerzhafte Schulter war ich in letzter Zeit etwas behindert. 😉

    Ich hoffe, er kann Dir weiterhelfen.

    lg Gabi

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    • sucherin sagt:

      Liebe Gabi,

      vielen Dank für den interessanten Link. Ich werde mich dort sicher melden und nachfragen. Du hast mir sehr geholfen und für Deine Schulter wünsche ich Dir weiterhin gute Besserung.

      liebe Grüße

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  6. Diva sagt:

    Sehr interessant und schön! Wir sind letztes Jahr mit unseren Hunden nach Norwegen geflogen.
    Kannst du hier lesen:http://bordeauxdogge.wordpress.com/2010/08/27/ein-bisschen-lesestoff/
    Unsere Hunde durften mit an Bord, es war für die Hunde der erste Flug, sie haben es super mitgemacht, allerdings würde ich sie nie wieder mit an Bord nehmen. Das ist einfach vie zu eng für einen Hund, besonders für Diva. Ich denke das sie in einer Box besser aufgehoben wären.
    Ich hab da mal eine Frage an dich.
    Was passiert mit der Box am Zielort?
    Kann man sie am Flughafen lagern?
    Da wir kein Auto fahren, währe es für uns unmöglic zwei Hundeboxen in der Urlaubszeit mit zu transportieren.
    L.G. Anja

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  7. sucherin sagt:

    Zunächst beantworte ich Deine Frage und dann habe ich auch noch eine Frage an Dich:
    Am Zielort (ich kann bisher nur von Fuerte sprechen) wird die Box mit dem Sperrgepäck ausgeliefert. Ich habe sie gleich hinten in den Mietwagen gestellt und während des gesamten Urlaubs als Transportbox benutzt, da man mir erzählt hat, dass in Spanien große Hunde nur in Boxen im Wagen transportiert werden dürfen. Daher hat sich die Frage der Lagerung am Flughafen nicht gestellt. Aber ich denke, dass das sicher möglich sein müßte. (vielleicht gegen ein kleines Entgelt bei irgendeiner Wagenvermietung? fragen lohnt sich auf jeden Fall)
    Nun noch meine Frage: Wie habt Ihr das gemacht, zwei so große Hunde mit an Bord zu nehmen? Normalerweise müssen doch Hunde über 5 Kg in den Frachtraum?
    Liebe Grüße und einen guten Wochenanfang

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