Lebenshilfe im Wartezimmer

Veröffentlicht: 5. Juli 2011 in Leonies Leben 2011, wishcraft
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Gestern saß ich gegen Abend eine ganze Zeit im Wartezimmer der Zahnarztpraxis und mit den Terminen derselben schien einiges durcheinander geraten zu sein. Vielleicht waren Notfälle dazwischen gekommen. Jedenfalls war absehbar, dass es noch bestimmt eine weitere Stunde dauern würde bis ich endlich an der Reihe sein würde. Dummerweise hatte ich damit nicht gerechnet, denn ansonsten hätte ich meine spanischen Vokabeln mitgebracht und hätte die Zeit  zum Spanisch lernen genutzt. So schaute ich mich – genau wie die meisten anderen Patienten –  im Raum leicht gelangweilt und genervt um, musterte die anderen Wartenden, die spärliche Deko, die aus einigen verstaubten Plastikblumen bestand, und warf einen Blick aus dem Fenster auf das graue Wetter.

Da ich nicht einfach nur so abwartend sitzen wollte, fing ich an, in dem Zeitschriftenstapel in der Ecke herum zu stöbern. Die meisten Zeitschriften waren bereits über ein halbes Jahr alt und gehörten größtenteils zur Regenbogenpresse. Darauf hatte ich überhaupt keine Lust, denn bereits die Titelblätter verhießen nichts Gutes. “ Demnächst das große Hochzeitsereignis in Großbritannien“. War die Hochzeit nicht bereits lange vorbei? Egal, diese ganze bunte Presse brauche ich ohnehin nicht als Lektüre. Also grub ich im Stapel weiter und tiefer. Schließlich stieß ich auf ein Fachmagazin, das sich wohl unter anderen auch mit psychologischen Fragen und Denkspielen beschäftigte. Diese Zeitschrift sah für mich schon interessanter aus. Ich nahm sie in die Hand und fing an zu blättern.

Einige Artikel überflog ich und einige überblätterte ich auch ganz. Dann zog mich eine Seite besonders in den Bann. Dort wurde das Thema behandelt „Wie schaffe ich es mein persönliches ideales Leben zu führen?“. Ja, wie schaffe ich das? Voller Erwartung verschlang in den Artikel. Er erinnerte mich irgendwie an das Buch Wishcraft von Barbara Sher, das mir sehr gefallen hat und das ich verschlungen habe. Dem Artikel nun entnahm ich, dass der Weg zum idealen persönlichen Leben mit einer Wunschvorstellung im Kopf anfängt. Um diese Wunschvorstellung zu verbildlichen darf man grenzenlos fantasieren. Alles ist möglich. Es gibt keine örtlichen oder monitären Grenzen. Im zweiten Schritt schaut man sich die Realität an und prüft dann die Abweichung zwischen Vorstellung und Realität. Diese abweichenden Elemente werden dann unterteilt in absolut notwendig, wünschenswert oder eigentlich überflüssig. Konkret soll es dann damit losgehen, dass die absolut notwendigen Elemente möglichst schnell in das eigene Leben geholt werden. Das las sich spannend und interessant und ich ging gleich daran, mich in Gedanken aus dem öden Raum heraus zu katapultieren. Im Kopf begann meine Fantasiereise.

Teil 1 der Übung machte mir großen Spaß, denn ich beamte mich in meiner Vorstellung in ein Haus an einem Südseestrand umgeben von Sonne, Meer und weißen Stränden, an denen ich mit Pferd und Hund an Palmenhainen vorbei dahin galoppierte.

Teil 2 der Übung war schnell getan: meine Realität sieht etwas (viel) anders aus und außer dem Umstand, dass ich in einem Haus wohne und einen Hund habe, gab es wenig Übereinstimmung.

Teil 3 der Übung wurde schwieriger, denn wie sollte ich bloß festlegen, was an meiner Traumvorstellung unverzichtbar ist. Die Südsee (?), das Pferd (?), das Meer (?) und was ist wünschenswert (die Palme vielleicht?) und was muß nicht wirklich sein?

Völlig versunken in meinen Überlegungen hatte ich überhört, dass mich die Sprechstundenhilfe aufgerufen hatte. Wie schnell war die Zeit vergangen. Widerwillig legte ich die Zeitung weg. War ich doch gerade in Gedanken bereits von der Südsee zu einer Reitsafari in Afrika aufgebrochen. Nun musste ich mich der Realität, wahrscheinlich einem Loch im Zahn, stellen.

Am Abend musste ich noch viel an den Artikel zum idealen persönlichen Leben denken. Was ist unverzichtbar? Die meisten materiellen Punkte meiner Vorstellung sind für mich verzichtbar, aber auf leben und arbeiten in einem warmen Land möchte ich in meiner Vorstellung überhaupt nicht verzichten. Das muß ich also in mein Leben holen. Dann sollte ich schleunigst an die  Umsetzung gehen. Wie war das gleich noch einmal? – Pause – Ich muß unbedingt bald wieder zum Zahnarzt gehen :-).

Fortsetzung folgt.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und viele „unverzichtbare“ Wünsche.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Ziemlich interessant das Ganze. Und man müsste sich eigentlich erst mal im Klaren sein, was denn das ideale persönliche Leben wäre. Oft sind es ja nicht nur materielle Dinge, die man sich wünscht.

    lg Gabi

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  2. sucherin sagt:

    Ich denke, dass Du da sehr recht hast. Das wirklich wichtige im Leben hat zumeist sehr wenig mit den materiellen Dingen zu tun. Unabhängig davon ist es sicherlich gut, wenn man weiß, welche verborgenen Wünsche und Träume in uns stecken, denn die sind wahrscheinlich nicht zufällig da, sondern warten darauf, von uns erkannt und ein Stück weit in unser Leben geholt zu werden.

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