Mann ohne Hund

Veröffentlicht: 6. Juli 2011 in Hund, Leonies Leben 2011, Natur
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Gestern fuhr ich auf dem Rad durch den Wald und mein Hund folgte mir. Das heißt: er sollte mir folgen. Irgendwie schien er mich gestern jedoch konsequent zu ignorieren. Das Abrufen klappte bislang immer recht gut, aber seit kurzer Zeit scheint mein Hund in der „dritten Pubertät“ zu sein. Schnüffeln und sein eigenes Ding machen ist anscheinend wichtiger für ihn als dem Abruf zu folgen. Ich probierte deshalb in den letzten Tagen alle Kniffe und Tricks, die ich so in den unterschiedlichen Hundeschulen und Hundetrainings gelernt habe. Dennoch scheint in der momentanen Phase wenig zu gehen.

Ich brauche keinen Hund, der absolut dressiert wirkt und ich weiß auch, dass ein Hund keine Maschine ist, die immer auf Knopfdruck funktioniert. Dennoch ist eine zuverlässige Bindung zwischen Mensch und Hund wichtig, da nur dadurch auch die Freiheit für den Hund größer ist und der Wohlfühleffekt für Mensch und Hund zunimmt. Denn nur, wenn ich mich wirklich darauf verlassen kann, dass mein Hund auf Rückrufsignal auch kommt, kann ich ihn ableinen, ihm Freiraum gewähren ohne dass ich Angst haben muss, dass er andere Fußgänger verängstigt oder sich selber in Gefahr bringt.

Daran habe ich lange trainiert und wenn dann auf einmal alles nicht mehr richtig klappt, neige ich dazu, mich in Selbstvorwürfen zu zerfleischen. Bin ich zu dumm einen Hund zu erziehen? Was habe ich nun wieder falsch gemacht? Was soll ich denn noch alles probieren? Als Hundi mich gestern zum zweiten Mal konsequent ignorierte, nahm ich ihn wortlos an die Leine und bemühte mich keinerlei Wut zu zeigen. Ich fuhr mit dem angeleinten Hund weiter und grummelte insgeheim in mich hinein. Irgendwie war ich mit mir, der Welt und diesem Hund im Unreinen. Ich ertappte mich sogar dabei, wie ich wütend dachte: Dieser blöde Hund. Dieser blöde Hund kann nur so gut sein, wie Du ihn erzogen hast. Also: ich bin blöd. Grummel, grummel, grummel … und das an einem so schönem Morgen.

Ungefähr 100 Meter vor mir tauchte ein junger Mann auf. Er war groß und mochte zwischen 20 und 30 Jahren alt sein. Für mich war in dem Moment wichtig, dass ich erkannt hatte, dass er eine Hundeleine über der Schulter hängen hatte. Sein Hund schien irgendwo voraus oder seitlich im Wald frei zu laufen. Da bei Begegnungen von Hunden mit und ohne Leine Vorsicht geboten ist, hielt ich Ausschau, von welcher Seite der fremde Hund nun wohl kommen würde. Mein Hund trabte friedlich am Rad weiter. Er hatte wohl noch nichts gewittert. Nun war ich fast auf gleicher Höhe mit dem Mann und setzte zum überholen an. Er sagte: „Hallo“. Und auch ich grüßte „Hallo“ und fragte im Vorbeifahren, wo denn sein Hund sei. Er schaute mich mit großen traurigen Augen, die ich bei einem jungen Mann gar nicht erwartet hatte, an und sagte nur: „Luna ist letzte Woche gestorben“. Ich murmelte etwas, wie „oh, dass tut mir aber leid“ und war auch schon an ihm vorbei. Wie traurig der junge Mann war, konnte ich sehen und dachte sofort daran, wie traurig auch ich wäre, wenn ich meinen „Rüpel“ nicht mehr hätte.

Der junge Mann tat mir so leid und zugleich hatte er mich in diesem kurzen Augenblick aus meiner Grummelei befreit. Ich war nicht mehr genervt über meine vergeblichen Erziehungsversuche, sondern freute mich, dass der Hund da war und wir gemeinsam Richtung zu Hause steuerten, wo Hundefutter auf den Hund und Frühstück auf mich warteten.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag, gute Nerven und ein gutes Frühstück.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Ja, Hunde sind (Gott sei Dank) keine Maschinen. Trotzdem bin ich oft verwundert, wieso Kommandos, die lange super geklappt haben, auf einmal nicht mehr frunktionieren. Oder warum ich es nicht schaffe, dass Kira bei „Steh“ sofort stehen bleibt. Sie bleibt zwar stehen, aber nicht ohne vorher nochmal 2, 3 oder 4 Schritte zu machen. Und manchmal dreht sie sich dann auch noch um, um auf ein Belohnungsleckerli zu warten. Aber auch wenn man sich ärgert, Du hast schon richtig erkannt, nicht der Hund ist dumm, sondern ich oder wir machen da irgendwas falsch. Ich hab auch schon oft an meiner Fähigkeit diesbezüglich gezweifelt.

    Die Geschichte mit dem Mann ist traurig. Es sieht fast so aus, als ob er wohl zur Erinnerung seine „Gassirunden“ geht, weil er ja die Leine mithatte. Es tut wirklich fürchterlich weh, wenn man sein geliebtes Tier verliert.

    Ich hoffe für uns beide, dass wir unsere Racker noch lange bei uns haben werden.

    lg Gabi

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  2. sucherin sagt:

    Oh ja, das hoffe ich auch sehr. viele liebe Grüße

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