Auf der Straße der Erinnerungen

Veröffentlicht: 19. Juli 2011 in Leonies Leben 2011, Reisen 2011
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Als ich letzten Freitag von Bonn nach München fuhr, hatte ich wunderschönes Fahrtwetter, weitestgehend keinen Stau und konnte während der ca. 550 Kilometer langen Fahrt meinen Gedanken nach hängen. Als erste größere Stadt erreichte ich Frankfurt. In Frankfurt hat meine Schwester mit ihrer Familie eine Weile gelebt und ich habe sie häufig dort besucht und einiges von der Stadt sehen können. Frankfurt ist in meiner Erinnerung eine sehr große Stadt, die viele unterschiedliche Viertel hat. Ich erinnere mich an hübsche alte Gassen, an den Zoo, den Palmengarten, an das gigantisch aussehende Bankenviertel und schöne Spazierwege am Main. Frankfurt ist einfach vielfältig. Frankfurt bedeutet aber für mich noch etwas ganz besonderes: nämlich abfliegen. Die großen Langstreckenflüge, die ich unternommen habe, hatten fast alle hier ihren Anfang. Frankfurt ist daher so etwas für mich, wie das Tor zur Welt. Mit leuchtenden Augen fuhr ich am Flughafen vorbei und schaute den minütlich starten und landenden Flugzeugen zu, die über der Autobahn dahin schwebten. Auch an meine neue Freundin und Seelenverwandte, die hier in der Nähe von Frankfurt lebt, dachte ich und sendete ihr in Gedanken einen lieben Gruß.

Dann fuhr ich weiter Richtung Würzburg. Hier in der Nähe haben meine Schwiegereltern gelebt, die leider vor einigen Jahren verstorben sind. Meine Schwiegermutter, mit der ich mich immer sehr gut verstanden habe, vermisse ich noch jetzt. Da wir in Rostock weit weg von ihr wohnten, konnte ich nicht häufig im Frankenland sein. Wenn wir aber Ferien hatten, waren wir zweimal im Jahr für eine Woche im Taubertal zu Gast. Hier konnte ich einige Tag zwischen Arbeit und Familienalltag Luft holen und sogar ab und zu richtig ausschlafen. Ich fühlte mich geborgen und ein kleines Stück weit getragen. Doch der Tod schlug ziemlich schnell und überraschend zu und heute gehören all die schönen Erinnerungen an diese kurzen glücklichen Momente längst der Vergangenheit an.

Auf Würzburg kann man von der Autobahn herunter blicken. Ich sah die Residenz in der Sonne dort über der Stadt liegen. An diese Stadt habe ich sogar noch ältere Erinnerungen. Eine Klassenfahrt führte uns in den 70ger Jahren in die Rhön, von wo aus unsere Klasse einen Ausflug nach Würzburg unternahm. Dabei schauten wir uns die Stadt mit der Residenz an. Die wenigen Fotos, die ich noch von der Reise habe, sind heute bereits vergilbt. Wie lange ist das her.

Weiter ging es nach einer kurzen Rast Richtung Nürnberg. Die Stadt Nürnberg kann man von der Autobahn aus nicht sehen. In meiner Jugendzeit war ich hier einige Male zu Besuch. Meine allerbeste Kindheitsfreundin aus der Nachbarschaft zog hierher, da ihr Vater beruflich nach Nürnberg ging. Da sie wirklich meine allerbeste Freundin war, besuchten wir uns weiterhin. Sie kam in den Schulferien eine Woche zu uns und ich durfte nach Nürnberg. So lernte ich die wunderschöne Altstadt mit der Burg und dem Dürerhaus kennen. Der Kontakt zu meiner Freundin hielt noch bis zur Studienzeit, riß aber irgendwann aus mir nicht mehr bekannten Gründen ab. Gerne würde ich heute meine Freundin wieder treffen. Im Internet ist sie leider nicht auffindbar. Alles läßt sich eben doch nicht ergoogeln und so werde ich weiter suchen. Während ich an Nürnberg vorbei fahre, stelle ich mir vor, dass wir uns eines Tages – vielleicht durch Zufall – wiedersehen werden.

Ab Nürnberg ging es gerade Südrichtung auf München zu. Ich fuhr durch die Holledau und bewunderte die riesigen Hopfenanbaugebiete. Hier hatte sich zum Glück – jedenfalls auf den flüchtigen Blick – nichts verändert. Der Verkehr wurde dichter und dichter. München scheint immer noch den Verkehr und die Menschen aus allen Richtungen anzuziehen. Ich sah die großen Geschäftshäuser, fuhr am äußeren Ring vorbei, um dann über die Ausfahrt Schwabing und den mittleren Ring mein Ziel im Olympiapark anzusteuern. Unter dem riesigen BMW Gebäude war ich fast angekommen und die Vergangenheit blieb hinter mir auf der Strecke. Nun war ich mitten in der quirligen Bayernmetropole – im hier und jetzt.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und gute Erinnerungen.

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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Sehr schön, wie Du Deine Erinnerungen hier beschreibst. Da sieht man wieder, wieviel man doch in seinem Leben erlebt hat und dass einem doch auch sehr viel davon im Gedächtnis bleibt. Oft einfache Dinge, die man damals gar nicht so außergewöhnlich wahr genommen hat, werden im Rückblick zu etwas besonderem. Überhaupt wenn es sich um Dinge und Gegebenheiten handelt, die heute leider nicht mehr so sind, was natürlich auch sehr schmerzlich sein kann.

    Mir erging es voriges Jahr so, als wir 4 Jahre nach dem Tod meiner Mutter, wieder mal einen kurzen Abstecher in das Städtchen machten, wo sie gelebt hatte. Wunderschöne Erinnerungen kamen hoch, aber auch Schmerz und Traurigkeit, weil ich all das, was einmal war, vermisse.

    Lg Gabi

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  2. sucherin sagt:

    Danke für Deinen lieben Beitrag.

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