Frust und Hundewetter

Veröffentlicht: 31. Juli 2011 in Hund, Leonies Leben 2011
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Am Morgen regnete es Bindfäden und ich fuhr mitten im Hochsommer bei eisiger Kälte, grau am Himmel hängenden Regenwolken und eiskaltem Wind mit dem Fahrrad durch die Felder. Mein Labbi folgte mir mehr oder minder, wobei das „minder“ mit fortschreitender Zeit Überhand nahm. Da es ja schließlich überall so viel zu schnüffeln gab, blieb er immer häufiger zurück und folgte nur noch im großen Abstand. Geduldig blieb ich alle paar hundert Meter stehen und rief ihn wieder heran. Von weiten sah ich, dass ihn mein rufen wenig tangierte und er sich sehr gründlich überlegte, ob es sich wohl lohnen könnte, dem Rückruf folgen zu leisten. Langsam setzte er sich zumeist mit einiger Verzögerung in Bewegung und folgte. Ich stieg aufs Fahrrad und hing weiter meinen zu dem Wetter passenden trübsinnigen Gedanken nach, die sich auf die Ereignisse am Tag zuvor bezogen.

An jenem Tag davor war Hundeschule mit unserer Hundegruppe im Wald gewesen. Ich gehe dort immer sehr gerne hin, da ich auf den Waldspaziergängen mit netten Menschen zusammen bin und jedes Mal etwas Neues dazu lerne. Ob mein Hund das auch so sieht, wage ich zu bezweifeln. Auf jeden Fall geht er auch gerne dort hin, wobei bei ihm eine etwas andere Motivationslage zugrunde liegt. Er freut sich bereits, wenn er merkt, dass es Richtung Wald geht und ich kann ihn zum Schluß kaum noch an der Leine halten. Wir treffen uns mit den anderen Hundebesitzern, der Trainerin und den anderen Vierbeinern zumeist auf einer großen Wiese, die mitten im Wald liegt. Die Hunde können kurz zusammen spielen und wir besprechen in der Zeit, was in der letzten Woche war, was anliegt, wo es Probleme gab und was wir an dem Tag machen werden.

An jenem Tag übten wir zunächst in Kolonne per Fuß mit Hund durch den Wald zu gehen, während ständig Ablenkungen in Form von Joggern und Fahrradfahrern auftauchten. Diese erste Übung des Tages meisterten mein Hund und ich mit Bravour und in mir keimte bereits ein Fünkchen Hoffnung auf, dass meine gesammelten Hundeerziehungsbemühungen doch noch Früchte tragen könnten. Ein Lob der Trainerin bestärkte mich. Das war es dann aber auch für den Tag. Mein kleiner Labrador hatte beschlossen, dass er mit dieser ersten Übung für heute mehr als genug für seine Erziehung getan hatte und dass er den weiteren Nachmittag einfach nur Spaß haben wollte.

Es folgten Dummy Übungen. Dafür geht mein Labbi, wenn man ihn denn fragen könnte, in diese Runde. Er ist ein Ball und Dummy Junky und würde für diese Geräte sogar morden. Es gab auch keine Probleme beim Suchen und Aufspüren des Dummys. Das kann er fast besser als alle anderen Hunde in der Gruppe zusammen. Der Haken an der Sache ist, dass er nicht im Traum daran denkt, den erbeuteten Dummy brav zu apportieren. Er scheint innerlich zu jubilieren: Beute, Beute und hüpft munter mit einem Labbigrinsen auf der Schnauze durch den Wald. Nicht genug damit, dass er seinen Dummy nicht apportiert, er vergrößert seine Freude noch dadurch, dass er auch die Dummys der anderen Hunde einsammelt. Soviel und noch ein bisschen mehr, wie eine Labbischnauze tragen kann. Da kommt allgemeine Freude bei allen Betroffenen auf und in mir begann es langsam aber sicher zu kochen.

Ich kenne mittlerweile so viele Tricks, um Beutedummys zurück zu erobern, dass ich damit ein eigenes Buch füllen könnte. Ablenkung, tauschen und und und … Gestern klappte natürlich nichts. Woran lag es und wer war schuld? In dubio pro Labbi und ich hatte die gesamte Asche auf mein Haupt zu kippen. Letztlich gelang es der Trainerin und mir ihm die schönen Dummys mit Leckerchen (was auch sonst?) zu entlocken. Der Schweiß stand mir auf der Stirn und ich war froh, dass die Suchspiele für den Tag beendet waren.

Aber es sollte noch schöner werden, denn schließlich war mein Labrador ja nicht nur zum Spaß in den Wald gekommen. Auf einem engem Pfad sollten wir mit Hund an der Leine an fremden Hunden vorbei gehen. Mein friedlicher kleiner Hund röhrte beim Anblick der fremden Hunde wie ein Hirsch, blies zum Kampf  und stürzte sich mit Löwengebrüll in Richtung Feind. Ich blockierte ihn, stellte bzw. schmiß mich dazwischen und verpaßte ihm letztlich einen ordentlichen Stoß mit dem Bein. Das ließ ihn alles kalt. Nicht aber die Trainerin, die mich ordentlich anschnauzte. Während Sie mir vorschlug, es doch einmal mit einem Geschirr bei meinem lieben Vierbeiner zu probieren, schwebten in meinem Kopf bereits Gedanken an ein Kettenhalsband mit Würger. Das würde ich natürlich nicht umsetzen, aber ich ärgerte mich sehr über den „Stahlbetonkopf“ oder eigentlich noch mehr über mich selbst, dass ich es an dem Tag mit der Hundeerziehung nicht so wirklich in den Griff bekam.

Ziemlich zerknirscht schritt ich durch den Wald nach Hause. Nicht so mein kleiner vierbeiniger Freund. Er hatte ein Schlammloch entdeckt in das er mit allen Vieren voran hinein sprang, dass es nur so spritzte. Betroffen davon waren leider nicht nur die anderen Hunde, sondern auch deren Halter, die mich langsam etwas entnervt beäugten. Am liebsten hätte ich wie im Film Marley gerufen: Wem gehört bloß dieser Hund? Mein Labbi scheint eine Reinkarnation von Marley zu sein. Warum hat mir das die Verkäuferin denn nicht mitgeteilt?

Ich fuhr mit meinem Rad über regennasse Feldwege und der Schlamm spritzte an meinen Hosenbeinen hoch. Dabei dachte ich an den Tag zuvor, an dem ich meinen Labbi zu Hause nach der Hundeschule erst einmal mit dem Gartenschlauch abgespritzt hatte und unter der Schlammkugel wieder ein zur Einrichtung passender Labrador Buche zu Tage kam. Ich mußte an den Film Marley denken und mußte endlich wieder ein wenig grinsen. Gut, dass es einige Marleys unter den Hunden gibt – sonst wäre die Welt doch eigentlich auch zu langweilig.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und weder Frust noch Hundewetter.



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Kommentare
  1. Gabi sagt:

    Ich finde das eine schöne Idee, so einen Hundekurs in so ungezwungener Umgebung zu machen. Wie alt ist denn Dein Hund?

    lg Gabi

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  2. sucherin sagt:

    Er ist gerade drei geworden, benimmt sich aber manchmal wie ein gaaaanz junger Wilder :-).

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