Archiv für 6. August 2011

Gestern habe ich über meinen Labrador geschrieben und von seinem ersten  – und bislang zum Glück auch einzigen  – Ausflug ins Tierheim berichtet. Allerdings gab es letzte Woche eine Situation, bei der es fast schon wieder soweit war. Dieses Mal war  die Ursache aber nicht mein Labrador, der Türklinken zu öffnen gelernt hatte, sondern ich selber habe das kleine „Chaos“ verursacht, das ihn fast ins Tierheim gebracht hätte.

Ich war abends mit meinem Hund am Rhein spazieren gegangen. Das mache ich ab und zu bei besonders schönen Wetter oder um dem Hund eine besondere Freude zu machen. Ein Labrador liebt Wasser und so braucht er von Zeit zu Zeit ein ausgiebiges Bad. In unserer Wohngegend gibt es leider kein Gewässer und so fahre ich von Zeit zu Zeit, um den Labrador zu „wässern“, an den Rhein. An jenem späten Nachmittag hatte er eine schöne Zeit und war lange geschwommen, hatte nach Bällen getaucht und hatte sich anschließend mit anderen Hunden auf der riesigen Hundeauslaufwiese ausgetobt. Ich verfrachtete nach dem ausgiebigen Toben den „fertigen“ Hund hinten in den Laderaum meines Wagens, wo er sich auch gleich hinlegte und schlief.

Auf der Rückfahrt fiel mir ein, dass ich ja noch schnell  bei meiner Freundin vorbei schauen und etwas abholen könnte, was dort bereits seit längerer Zeit zur Abholung bereit lag. Diese wohnt auf meinem Weg nach Hause und so setzte ich meinen Gedanken spontan in die Tat um. Ich parkte den Wagen auf dem Seitenstreifen vor ihrem Haus, öffnete die Rückfenster einen Spalt weit, damit der Hund Luft bekäme und klingelte an der Eingangstür des großen Wohnblocks. Auf Schatten für das Auto und den Hund musste ich nicht achten, da im Juli in Bonn ohnehin die Sonne irgendwie verschwunden war. Meine Freundin war da und fragte, ob ich nicht noch einen Moment Zeit und Lust auf einen Kaffee hätte. Wir setzten uns auf die überdachte Dachloggia, wo wir es auch bei diesen gemäßigten Temperaturen noch ganz gut aushalten konnten. Ich hörte neben dem Straßenlärm, der von unten zum siebten Stock hoch drang, ständig einen irgendwie aufdringlichen Piepton.

Erst hörte ich ihn nur im Unterbewußtsein. Dann wurde er mir ganz langsam bewußt und auch meine Freundin, mit der ich im Gespräch vertieft war, schien ihn zu bemerken. Sie sagte dann als erste. „Hörst Du das auch –  diesen merkwürdigen Piepton?“. Schrill drang er an mein Ohr. Irgendwie wie eine Einbruchsicherung. Von irgendwo her kannte ich das Geräusch. Und dann kam es in mir blitzartig hoch geschossen, woher ich das Geräusch kannte. Das Auto, die Diebstahlsicherung  –  Schreck – ich hatte vergessen den Bewegungsmelder auszumachen. Das war mein Auto! Wie von der Tarantel gestochen sprang ich auf, lief aus der Wohnung und drückte auf den Fahrstuhlknopf.

Zur Erklärung: Der Wagen hat eine Diebstahlsicherung, die Bewegungen im Auto mit diesem Signal anzeigt. Da der Hund im Wagen war, war dieses Signal bei seiner ersten Bewegung  angegangen. Ich hätte das vermeiden können, wenn ich die Sicherung mit einem kleinen Knopfdruck vor dem Aussteigen ausgeschaltet hätte. Doch das hatte ich leider vergessen.

Der Fahrstuhl kam und kam nicht. Ich geriet fast in Panik und raste zum Treppenhaus und sprintete die Treppen herunter. Endlich an der Haustür angekommen, drückte ich aufs Knöpfchen des Fahrzeugschlüssels und das ätzende Geräusch hörte schlagartig auf. Aber was war das? Ein Polizeiwagen parkte hinter meinem Wagen und drei Beamte schlichen um das Fahrzeug herum. Schnell meldete ich mich bei diesen als verantwortliche Ruhestörerin. Zunächst warfen sie mir im barschen Ton Tierquälerei vor, da ich einfach das Tier so allein im Kofferraum habe sitzen lassen und außerdem sei ja wohl durch dieses Geräusch klar, dass in den Wagen eingebrochen worden sei, Schließlich seien ja auch die Rückfenster geöffnet. Sie wollten gerade den Wagen aufbrechen und hatten bereits die Feuerwehr alarmiert, die den Hund ins Tierheim bringen sollte.

Ich bemühte mich ganz ruhig zu bleiben und die Situation aufzuklären. Ich zeigte ihnen das „Störerknöpfchen“, entschuldigte mich und konnte ihnen auch einen freudig mit dem Schwanz wedelnden Hund präsentieren, der nicht nach Mißhandlung aussah. Zum Glück kann dieser aber auch nicht sprechen. Denn ansonst hätte er den Beamten wahrscheinlich gesagt, dass er bei seinem ersten Aufenthalt im Tierheim gutes Futter genossen hatte und dass er es durchaus in Erwägung ziehen könnte, dort noch einmal zum fressen vorbei zu schauen.

Für mich ging die Geschichte daher gut aus und ich hoffe sehr, dass ich zukünftig immer an das kleine Knöpfchen denken werde.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und dass im Bedarfsfall die Polizei immer so schnell vor Ort ist, wie an jenem Tag in Bonn.

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