Archiv für 11. August 2011

In der letzten Zeit häufen sich bei mir irgendwelche Werbeanrufe. Den Grund dafür weiß ich nicht. Vielleicht war ich unvorsichtig genug, meine Telefonnummer an einer Stelle anzugeben, an der ich diese besser verschwiegen hätte. So werde ich nun häufig angerufen und  zum Beispiel gefragt, ob ich nicht eine Weinprobe vom Weingut Rittermann haben möchte. Alles exclusiv nur für mich und meine Familie. Das verstehe sich doch von selbst. Ich habe selten oder genau genommen nie Lust auf solche Weinproben und auch ein noch so hochtrabender Name des Weingutes kann mich dazu nicht bewegen. Zumeist erkläre ich dann, dass unser Weinkeller gut gefüllt oder gerade überschwemmt sei. Irgendetwas fällt mir zum Glück zumeist ein, um diese Anrufe schnell zum Ende zu bringen.

Doch neulich in der Mittagspause klang die Stimme am anderen Ende der Leitung fast verzweifelt. Eine Dame hatte angerufen und sich damit vorgestellt, dass sie irgendeine Marktforschungsanalyse für irgendein Marktforschungsinstitut erstellen müsse und ob ich nicht acht Minuten für sie Zeit hätte. Die hatte ich nicht und wollte sie auch nicht haben. Daher wollte ich die gute Dame schon wie gewohnt mit einer erfundenen Begründung abweisen. Doch plötzlich meinte ich in ihrer Stimme die pure Verzweiflung zu erkennen und dachte, dass sie wahrscheinlich pro erfolgreichen Anruf bezahlt würde und heute vielleicht nur Negativerlebnisse gehabt hätte. Irgendwie hatte ich auf einmal Mitleid. So willigte ich dieses einzige Mal ausnahmsweise (und leider) ein, ihr Auskunft über mein Konsumverhalten zu geben.

Sie fragte nach meinem Alter und ging danach unmittelbar auf zwei Produktlinien ein. Und zwar ging es um Fluglinien und um Seife. Ja – tatsächlich Fluglinien und Seife!

Zunächst fragte sie, welche Fluglinien ich kennen würde. Ich sagte, dass mir gerade keine einfallen würden, obwohl das nicht so ganz stimmte. Daraufhin las sie mir ca. dreißig Fluglinien vor: Lufthansa, Air France, Air Berlin usw. und ich sollte jeweils sagen, ob ich diese kennen würde. Ich kannte alle und bejahte. Sie fragte mich nach den Werbesprüchen der Fluglinien. Ich wußte keinen, da mich die Werbesprüche der Fluglinien nicht wirklich interessieren. Daraufhin las sie mir einen Werbespruch vor: „It is no better way to fly“ oder so ähnlich. Den hatte ich schon mal gehört, aber ob der nun zu Lufthansa oder Quatar Air gehörte, konnte ich der Dame leider nicht beantworten.

Ein wenig genervt fragte sie mich, wann und wo ich denn überhaupt Werbung schauen würde. Ich sagte ihr, dass ich das so gut es ginge vermiede. Allerdings sei ich auch sicher nicht ganz werbungsfrei, denn mein Unterbewußtsein würde sicher noch eine ganze Menge Werbung aufschnappen und irgendwo abspeichern.

Irgendwie schien sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden und stellte mir noch sehr viele Fragen zu Lufthansa, die ich nur aus dem Bauch heraus beantworten konnte, da es länger als zehn Jahre her ist, dass ich mit derselben geflogen bin. Nur die Frage nach meiner Lieblings Airline konnte ich auf Anhieb beantworten. Natürlich Thai Air, da ich damit Thailand verbinde. Auch diese Antwort schien sie leider nicht zu befriedigen und sie bohrte weiter nach der sichersten, der buntesten und der komfortabelsten Airline. Sollte das Lufthansa sein? Ich blieb standhaft bei Singapur und Thai Air. „Übrigens Emirates und Quatar finde ich auch gut“, teilte ich ihr noch ungefragt mit, „die fliegen nämlich auch nach Thailand“.

Die Stimme am anderen Ende der Leitung stöhnte. Das hörte sich an, als wenn ich nun endgültig durch die Prüfung gefallen wäre. Aber es gab ja noch eine Nachprüfung, nämlich die zur Seife.

Welche Seifensorten kennen sie? Ich hatte keine Lust ihr die Antwort zu sagen und sagte einfach: „Keine. Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich keine Werbung schaue.“ „Gut“, sagte die Dame am anderen Ende der Leitung, „dann werde ich Ihnen auch hier die Namen vorlesen“. Sie las mir 10 Namen von Seife vor und ich bejahte brav, dass ich alle kennen würde. Dann fragte sie, welche wir davon zu Hause hätte. Ich sagte ihr wahrheitsgemäß „keine“. Sie beschrieb mir nun Werbespots, in denen Seife vor kommt. „Ein Mann kommt aus der Dusche………“. Ich wiederholte, dass ich keine Werbung schaue und mich auch an keinen Mann, der aus der Dusche kommt (außer an meinen eigenen) erinnern könne.

Die Stimme am anderen Ende der Leitung seufzte tief und hatte mich oder das Interview? nun endgültig aufgegeben. Artig fragte sie zum Schluß, ob ich denn noch eine Frage zu dieser Befragung hätte. Ich fragte sie, warum Frauen in meinem Alter nach Fluglinien und Seife gefragt würden und wonach dann Männer zwischen 30 und 40 gefragt würden. Könnten das vielleicht Taucherausrüstungen und Tomaten sein? Die Frage konnte sie mir leider auch nicht beantworten und so waren wir für diesen Tag wenigstens ein „bisschen“ quitt.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und vielleicht auch einen kurzweiligen Anruf?

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