Archiv für 12. August 2011

Eigentlich war es ein Tag wie jeder andere. Dennoch lag irgendwie Dynamit in der Luft. Es fing bereits damit an, dass der Hund um 5.30 Uhr aus einem nicht nachvollziehbaren Grund anschlug und laut bellend durch das Haus lief. Das ist für ihn sehr untypisch, denn zu Hause benimmt er sich ansonsten eher sehr ruhig und frisst oder schläft. Morgens um diese Zeit schnarcht er zumeist noch vor sich hin und träumt wahrscheinlich von der nächsten Mahlzeit. Alle im Haus wurden wach und vielfältige Flüche und Schlußbefehle drangen aus den verschiedenen Zimmern an mein Ohr. Ich quälte mich aus dem Bett, stieß meinen Kopf am Schrank und als ich endlich unten im Haus ankam, lag der Hund ruhig in seinem Körbchen.

Nun war ich wach und machte mich zum laufen fertig. Draußen zogen dicke dunkle Wolken auf und es sah wieder nach Regen und Gewitter aus. Werden wir in diesem Sommer wohl auch noch mal die Sonne sehen? Ich merkte, dass auch ich irgendwie innerlich geladen war. Es war ein Tag wie jeder andere und dennoch war irgendetwas anders. Irgendetwas Unangenehmes lag in der Luft. Lag es am Wetter? Lag es daran, dass einer meiner Söhne gestern wieder „Unsinn“ gemacht hatte, über den ich mich sehr geärgert hatte? Lag es an den fallenden Aktienkursen oder an einer aufziehenden globalen Katastrophe? In mir herrschte jedenfalls Weltuntergangsstimmung und dann tauchte sie auf einmal beim laufen mitten auf dem Feldweg auf. Plötzlich und unerwartet überfiel mich die große Frage nach dem Sinn.

An einigen Tagen überkommt es mich manchmal und ich überlege, ob es Sinn macht, jeden Morgen die gleiche Runde mit dem Hund zu drehen. Spanisch zu lernen und nur ganz geringe Fortschritte zu machen. Auch alles andere erschien mir heute irgendwie ohne Sinn. Schwerfällig trabte ich weiter. Auch der Hund schien irgendwie missmutig drauf zu sein und blieb ständig stehen, um zu schnüffeln und dann knurrend zu scharren. Kurz gesagt wir waren beide einfach schlecht gelaunt. Ein Grund war nicht ersichtlich und so quälten wir uns einfach weiter voran.

Irgendwie ein Tag wie jeder andere ohne besondere Vorkommnisse. Dennoch hatte ich heute nicht den Nerv mich an kleinen Dingen zu erfreuen und vermutete hinter jeder nächsten Straßenecke das Schlimmste. Was war das eigentlich? Aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund war ich heute wohl nur unzufrieden mit mir selbst und meinem Leben und konnte nur hoffen, dass dieser Zustand schnell vorüber gehen würde.

Auf meinem Rückweg begegnete ich einem alten Mann. Ihn hatte ich bereits öfter getroffen. Er zog immer eine Karre hinter sich her, in der er anscheinend Dinge transportierte, um diese nicht tragen zu müssen. Ich bin nie dahinter gekommen, ob er damit Lebensmittel einkaufen ging oder irgendwelche anderen Sachen transportierte, da das Gut in der Karre immer mit einer Plane abgedeckt war. Ich lief grüßend an ihm vorbei. Er grüßte zurück und rief mir nach: “ Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund einen schönen Tag. Schön, dass wir uns begegnet sind. Ich freue mich immer Sie zu treffen“.

Als diese Worte bei mir angekommen waren, war ich bereits den Berg weiter hinunter gesprintet und eine ganze Ecke von dem Mann entfernt. Irgendetwas hatten die Worte in mir ausgelöst. Auf einmal sah die Welt wieder etwas freundlicher aus und auch Hundi schien sich beruhigt zu haben und wedelte gut gelaunt mit seinem Schwanz. Er wußte, dass es gleich seine Mahlzeit geben würde.

Ein Tag wie jeder andere und doch einmalig.

Ich wünsche allen Lesern einen wirklich schönen Tag.

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