Archiv für 14. August 2011

Sprung
Hund in Bewegung oder Schlammmodel auf dem Absprung

Am letzten Wochenende hatte ich mir etwas ganz besonderes vorgenommen. Ich habe zusammen mit meinem Hund einen Fotoworkshop besucht. Das Thema lautete „Hund in Bewegung“. Das Thema Bewegung mußte ich meinem Hund nicht näher bringen. Hundi war bereits in Bewegung als ich nur zur Leine griff. Als er dann noch merkte, dass es ins Auto ging, dachte er wahrscheinlich, dass wir zu unserer samstäglichen Hundetrainingsgruppe in den Wald fahren würden und er drückte seine Vorfreude durch ungestüme Bocksprünge aus.

Im Wagen fing er jedoch an zu jammern und zu jaulen als er bemerkte, dass es nicht in Richtung Wald, sondern in Richtung Autobahn ging. Als wir dann nach kurzer Fahrt anhielten und er sich beruhigt hatte, sprang er mit Elan aus dem Wagen und war sofort bereit, neue Welten zu erobern. Es war schließlich Labradorwetter. Kalt, naß und regnerisch – was gibt es schöneres für einen Labbi. Er galoppierte immer vorne weg durch die Pfützen bis wir zu dem Gelände kamen, auf dem der Workshop stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt sah er bereits leicht schlammig aus, was sich wahrscheinlich gut auf den anstehenden Fotos machen würde.

Nach und nach kamen alle Teilnehmer mit ihren Hunden, wobei die Fotografie erst einmal im Hintergrund stand, denn schließlich mussten sich die Hunde kennen lernen und rannten alle freudig erregt über die Wiese und den Platz und bereiteten sich intensiv mit Schlammmasken auf ihr baldiges Modeldasein vor.  Wir bauten derweil einen Pavillon auf, damit wir mit unseren Kameras ein wenig vor dem immer stärker werdenden Regen geschützt waren. Als die Fotografin, die den Workshop leitete, anfing zu erzählen, machten unsere Hunde einen Riesenlärm und liefen laut bellend über den Platz. Nicht nur, dass ich so wenig verstehen konnte, es machte geradezu den Eindruck, dass die Tiere nicht begriffen hatten, dass es hier um ihre Portraits ging :-). Wir riefen sie ab und ließen sie neben uns sitzen, damit sie zuhören könnten, wie wir sie gleich ablichten würden. Es ging doch schließlich um ihre Modelkarriere und dafür ist strenge Disziplin von Nöten, die es nun gegen alle Widerstände durchzusetzen galt.

Nach ein wenig Theorie, die nur halb zu mir vordrang, da ich mich wie alle anderen Hundebesitzer auch, mit der Ruhigstellung des Hundes beschäftigen mußte, ging es mit der Praxis los. Nun durften unsere Hunde mitspielen und sich lieb hinsetzen, damit wir mit einer Portraitaufnahme anfangen konnten. Mein Labrador blieb auf einem erhöhten Standort erst dann sitzen, als zwei Personen vor seinen Augen mit Leckerlis rumwedelten und eine dritte Person im Minutentakt ihm Leckerlis in den Rachen warf. Zwischen diesen Schluckakten mußte ich die Portraitaufnahme machen, die mir sogar nach 60 mal klicken einigermaßen zu meiner Zufriedenheit gelang.

Der zweite und schwerere Teil „Hund in Bewegung“ war für meinen Hund, der draußen immer in Bewegung ist, leicht. Für mich, die die Aufnahme in Augenhöhe machen sollte und zu diesem Zweck mit der Kamera im Matsch und Schlamm herum kriechen mußte, ungleich schwerer. Ich habe häufig abgedrückt und hoffentlich ein wenig gelernt. Ob es was bringen wird, weiß ich noch nicht. Wir werden sehen!

Am Abend ging ich jedenfalls mit Matsch beschmierter Hose, jedoch glücklich und zufrieden nach Hause. Mein Hund war von seinem Modeldasein so erschöpft, dass er gleich im Wagen wie betäubt in seinen Schönheitsschlaf fiel. Zuhause mußte ich ihn regelrecht schütteln, damit er überhaupt noch aus dem Wagen sprang und in sein Körbchen wankte, wo er sofort weiter schnarchte.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag ohne große Schlammschlachten.