Alte Zeitung, Wind und Segelschiffe

Veröffentlicht: 23. August 2011 in Leonies Leben 2011, Reisen 2011
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für alle Freunde von Segelschiffen und heute insbesondere für Christa

Vor zwei Wochen hatte ich einen Termin in der Stadt. Es war sehr windig und da mir die Blätter um den Kopf flogen, dachte ich an den Herbst und den Wind, der mir früher an der Ostseeküste um die Ohren geblasen hatte. Während ich so in Gedanken vor mich hin lief, wehte mir auf einmal mitten auf dem Münsterplatz in Bonn eine Zeitung vor die Füße. Das ist an sich sicher nichts außergewöhnliches und bei dem Wind, der an dem Tag wehte,  schon gar nicht. Normalerweise hätte ich die Zeitung auch ignoriert, wäre drum herum oder darüber weg geschritten. Aber durch Zufall fiel mein Blick mitten auf die Zeitung. Es war  anscheinend noch eine komplette Zeitung. Die Zeitung kam mir aus irgendeinem Grund bekannt vor. Und tatsächlich mitten in Bonn flog eine Ostseezeitung durch die Gegend. Wo die wohl herkam?

In der Zeit, in der ich in Rostock lebte, hatte ich die Ostseezeitung abonniert und bezog daraus meine tägliche Informationen. In den 90ger Jahren war das Internet bei uns auf der Arbeit und auch zu Hause erst am kommen und die Zeitung spielte für die Informationsbeschaffung doch noch eine weitaus größere Rolle für mich als heute. Jeden morgen um 5.30 Uhr holte ich sie aus dem Briefkasten und verschlang noch kurz vor der Arbeit die Schlagzeilen und die Nachrichten aus der Region. Mit unserem Umzug nach Bonn habe ich die Ostseezeitung abbestellt und den Bonner Generalanzeiger abonniert, so dass ich eine Ostseezeitung lange nicht gesehen hatte.

Ich konnte einfach nicht anders, hob sie auf und setzte mich unter das Beethoven Denkmal, um in die Zeitung hinein zu schauen. Im lokalen Innenteil stand ein Artikel über die Hansesail, das Großseglertreffer, das wieder am zweiten Augustwochenende in Rostock stattfinden wird. Da wurden alte Erinnerungen in mir wach, denn wie oft hatte ich die großen Schiffe, die Riesen der Meere, zu diesem Anlass in Rostock bestaunt. Und da fiel mir doch mitten auf dem Münsterplatz in Bonn das Gedicht von Hans Joachim Ringelnatz zu den Segelschiffen ein:

Segelschiffe

Sie haben das mächtige Meer unterm Bauch
Und über sich Wolken und Sterne.
Sie lassen sich fahren vom himmlischen Hauch
mit Herrenblick in die Ferne.

Sie schaukeln kokett in des Schicksals Hand
Wie trunkene Schmetterlinge.
Aber sie tragen von Land zu Land
Fürsorglich wertvolle Dinge.

Wie das im Wind liegt und sich wiegt,
Tauwebüberspannt durch die Wogen,
Da ist eine Kunst, die friedlich siegt,
Und ihr Fleiß ist nicht verlogen.

Es rauscht wie Freiheit. Es riecht wie Welt. –
Natur gewordene Planken
Sind Segelschiffe. – Ihr Anblick erhellt
Und weitet unsre Gedanken.

Die Erinnerung erhellte und weitete auch meine Gedanken – für diesen Augenblick. Ich danke dem Menschen, der die Zeitung in Bonn für mich hat liegen lassen und

wünsche allen Lesern einen schönen Tag und weite Gedanken.

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