Archiv für September, 2011

Gestern habe ich gezeigt, wie mein Hund das Wochenende verbracht hat. Er hat gebadet, gebadet und noch einmal gebadet. Immer wieder ging es rein in den Rhein. Ich habe am Sonntag bei langen Spaziergängen am Rhein und auf dem Kreuzberg die Sonne in Bonn genossen. Sie gab mir noch ein klein wenig die Illusion von  Sommer. Bei genauem Hinsehen machte sich  der heran rückende Herbst jedoch bereits bemerkbar. Hier nun nach den tierischen Eindrücken gestern, meine sommerherbstlichen Schnappschüsse.

unter den Rheinbrücken findet man wilde Blumen, Graffiti und leider häufig auch viel Müll

die letzten Heuballen

unwegsame Stelle am Rheinufer

bunte Herbstfrüchte

am Boden sieht es nach Herbst aus

Blick vom Kreuzberg über Bonn in Richtung Köln – ganz klein im Hintergrund der Kölner Dom

Eindrücke vom herbstlich werdenden Kreuzberg

Blick auf den Rhein mit Posttower

die Nordbrücke

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R(h)ein ins Wasser

Veröffentlicht: 29. September 2011 in Hund, Natur
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Den letzten Sonntag hat mein Labbi nach den Strapazen am Samstag in der Hundeschule mit einem Wellnesstag am Rheinufer verbracht. Es war warm, die Sonne schien und nur das recht dunkle grün der Wiesen und die beginnende Laubfärbung deuteten auf den näher kommenden Herbst hin. Hier nun in Bildern: Badespaß pur

 

 

Nach dem trocken laufen auf der Wiese, fiel Hundi zu Hause hundemüde in die Hundekiste. Seine im Traum rudernden Pfoten deuteten darauf hin, dass er im Traum noch immer im Rhein schwamm. Schöne Träume!

 

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Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag.

 

 

Staying alive

Veröffentlicht: 28. September 2011 in Hund, Leonies Leben 2011
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Ich bin weder ein Fan von Michael Jackson, noch fahre ich einen Mercedes. Dennoch mußte ich schmunzeln, als ein Freund mir vor einigen Tagen dieses kleine Werbefilmchen zukommen ließ. Ich hoffe mal, dass die Bremsen des gezeigten Fahrzeuges wirklich so gut sind und wünsche allen Lesern einen schönen Tag. Und wenn Ihr in den Wald gehen solltet, hütet Euch  vor sportlichen M. Fahrern und tanzenden Tieren :-).

 

In meiner Kindheit hatten wir zu Hause viele kleine Hefte liegen, in denen meine Schwester und ich Rabattmarken einkleben durften oder besser gesagt: mussten. In der Zeit war es üblich, dass alle möglichen Geschäfte in unserer Kleinstadt diese Hefte ausgaben und auch gleich beim Bezahlen die kleinen Rabattmarken mit aushändigten. Zu Hause sammelte meine Mutter von ungefähr fünf Geschäften diese Rabattmarken in einer Glasschüssel. Wenn die Schüssel voll war, wurden wir Kinder angehalten, nun die Marken zu sortieren und in die entsprechenden Hefte zu kleben. Die vollen Hefte wurden dann beim nächsten Einkauf eingelöst. Wenn ich mit richtig erinnere, gab es eine Mark oder fünfzig Pfennig pro Heft, die gut geschrieben wurden.

Ich hatte das Ritual  aus der Kindheit des Einklebens der Marken längst vergessen. Doch am letzten Wochenende wurde ich bei meinem Lebensmitteleinkauf in einem Supermarkt wieder daran erinnert. Ich stand ausnahmsweise einmal in der richtigen Warteschlange vor der Kasse 🙂 und näherte mich fast mit rasantem Tempo der Kassiererin. Da hörte ich, wie die Kassiererin zu der zweiten Kundin vor mir sagte: „Möchten Sie Märkchen?“ Die Frau wußte anscheinend nicht, was die Kassiererin meinte und erkundigte sich ausführlich nach den Märkchen. Ihr wurde erklärt, dass es pro fünf Euro Einkauf ein Märkchen gäbe und dass sie die Märkchen in ein Heft einkleben könne. Wenn das Heft voll sei, könne sie damit zurzeit verbilligt Handtücher erwerben. Letztens habe es Messer gegeben und ein anderes Mal Kochtöpfe.

Während ich noch darüber nachdachte, wie clever doch heute den Kunden zusätzliches Geld aus der Tasche gezogen wird, indem keine Gutschriften für die Märkchen gemacht werden, sondern nur angeblich verbilligte Teile zusätzlich verkauft werden, konnte sich die Kundin nicht entschließen. Im Ergebnis stand ich also doch wieder mal in der falschen Schlange bis die Kundin sich endlich zu einem klaren Nein zu den Märkchen entschieden hatte. Die Kundin vor mir erklärte gleich von sich aus der Kassiererin, dass sie Märkchen wünsche. Sie drehte sich zu mir um und fragte, ob ich auch Märkchen wolle. Ehrlich gesagt hatte ich darüber noch nicht nachgedacht und meinte nur, dass ich die bislang noch nicht sammele.

Nun war ich fast an der Reihe und sah mich schon in greifbarer Nähe, diesen Ort endlich zu verlassen. Da fing die Kundin vor mir doch tatsächlich mit der Kassiererin eine Diskussion über das Thema an, ob diese ihr nicht die Rabattmarken der Kundin vor ihr, die diese nicht gewollt habe, aushändigen könne. Das konnte die Kassiererin anscheinend alleine nicht entscheiden und fing umfangreiche Diskussionen mit zwei anderen Kassiererinnen an. Nun war ich wenigstens nicht mehr allein in der falschen Warteschlange, denn auch die anderen Reihen stockten nun, da die Kassiererinnen das Problem so schnell nicht lösen konnten. Da kam mir die Idee und ich bot „unserer“ Kassiererin an, dass sie doch meine Marken, die ich ja vielleicht endlich gleich bekommen würde, der Dame aushändigen könne. Das schien für sie eine gute Lösung und an den anderen Kassen wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Die Dame vor mir drehte sich zu mir um. Vielleicht hatte ich erwartet, dass sie sich nun bedanken würde. Und was kam? Sie sagte doch tatsächlich:“Wegen Ihrer Marken hätte ich sie ja sowieso noch gefragt. Ich wollte doch auch noch die Marken der Dame vor mir.“.

Ich war sprachlos und überlegte kurz, ob ich ganz spontan mit dem Sammeln von Rabattmärkchen anfangen sollte. Da ich jedoch den Ausgang im Visier hatte und keinerlei weitere Verzögerungen durch irgendwelche Rabattmärkchen mehr in Kauf nehmen wollte, bezahlte ich und überließ die weitere Diskussion über meine Rabattmärkchen der Kundin und der Kassiererin.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und rate dringend dazu, sich Rabattmärkchen aushändigen zu lassen – was immer man denn damit macht :-).

Am Wochenende habe ich meine freie Zeit genutzt und war viel unterwegs, um die letzten Sonnentage auf langen Spaziergängen zu genießen. Ganz langsam setzt die Herbstlaubfärbung ein und mir graut ein wenig vor den dunkler werdenden Tagen und der kommenden Kälte. Am Sonntag nehme ich mir immer ein wenig Zeit, um über die kommende Woche und die anstehenden Dinge nachzudenken. Dabei kommen zumeist viele gute Vorsätze heraus, die ich mich bemühe oder zumindest bemühen möchte, umzusetzen.

Meine heutigen Sonntagsvorsätze:

1. Jeden Tag ein wenig Spanisch lernen. Das fällt mir zurzeit ziemlich schwer, da ich seit der letzten Woche keinen Spanischlehrer mehr habe. Ich arbeite mich nun allein durch mein dickes Spanischbuch und verschiedene Internetkurse. Von der BBC habe ich einen sehr unterhaltsamen interaktiven Sprachkurs (mi vida loca) gefunden, der allerdings für absolute Anfänger ist und den ich bereits durchgearbeitet habe. Vielleicht hat ja noch jemand einen Tip für mich, wie und wo ich weiter Spanisch lernen kann.

2. Die Diät für meinen Hund noch konsequenter umsetzen, denn obwohl ich nun bereits seit einer Woche sehr genau auf die Futtermenge achte und auch mit ihm sehr viel laufe, ist noch kein Erfolg zu sehen. Die Hundetrainerin hat mich nochmals ermahnt, doch bitte wegen der Knochen (nicht der Futterknochen, sondern der Hundeknochen) auf strenge Umsetzung der Diät zu achten. Ich arbeite daran, habe jedoch ehrlich gesagt  bereits selber Mühe, endlich einmal zwei bis drei Kilo abzunehmen, wie ich mir das für dieses Jahr vorgenommen habe. Neuer Vorsatz: Hund und ich nehmen beide ab. Ob ihn das tröstet?. Mich jedenfalls nicht.

3. Die Zeit finden, einige Seiten an meinem geplanten und bereits angefangenem Buch zu schreiben. Freue mich sehr, endlich angefangen zu haben und im Moment sprudeln die Ideen beim Laufen. Ich hoffe sehr, dass das noch ein wenig anhält.

4. Endlich einmal Fenster putzen, denn langsam habe ich den Durchblick verloren :-).

5. Weiter daran arbeiten, dass mein Hund bei Hundebegegnungen an der Leine, nicht immer den wilden Max raushängen läßt.

6. Den Leuten, die immer unseren Kater durch Futter weglocken und über Nacht bei sich im Haus lassen, endlich einmal meine Meinung sagen. Mittlerweile habe ich heraus gefunden, dass unser Kater in einer Nachbarstraße von Leuten gefüttert und damit auch angelockt wird. Nun erklärt sich auch, wieso er über längere Zeiträume verschwunden war, worüber ich hier viel geschrieben habe.

7. Ansonsten lieb und brav mit Freude meine Arbeit verrichten, Geduld und Gelassenheit mit meinen drei Männern walten lassen und vor allen Dingen, jede Minute genießen.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und eine gute Woche.

Mehr als die Vergangenheit
interessiert mich die Zukunft,
denn in ihr gedenke ich zu leben.

Albert Einstein

Umso mehr ich an Jahresringen zulege, desto länger wird zwangsläufig auch die Vergangenheit, die hinter mir liegt. Die Zeit rennt und ich staune immer wieder, wie schnell die Jahre mit zunehmenden Alter vergehen. Manchmal möchte ich einfach die Handbremse ziehen und die Zeit ein wenig langsamer ablaufen lassen. Leider habe ich den Bremsgriff noch nicht gefunden:-).

Die Zukunft, die vor mir liegt, wird höchst wahrscheinlich parallel zur Vergangenheit entsprechend kürzer. Wie kurz oder lang weiß ich zum Glück nicht. Und die wirkliche Gegenwart existiert nur in Bruchteilen von Sekunden. Sie ist die Nahtstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft.

Häufig denke ich in letzter Zeit über schöne Zeiten, die längst vergangen sind und nicht mehr wiederkommen werden, nach. Schöne und weniger schöne Zeiten ziehen an mir vorbei. Ab und zu erfaßt mich auch ein wenig Wehmut. Denn vieles vergeht und wird niemals wiederkommen. Es existieren teilweise Fotos, die jedoch die Vergangenheit nicht wieder zur Gegenwart zurück bringen können. Vieles an passierten Dingen läßt sich auch nicht rückgängig machen.

Dann fällt mir ein, was ich alles noch gerne machen möchte, welche Träume ich habe und dass es so viele Dinge gibt, die vielleicht noch für mich bestimmt sind. Mein Gemüt wird heiterer. Und ich versuche jede Minute des Tages intensiv zu genießen. Ganz selten – wirklich nur ganz selten, wenn ich intensiv an einer Sache arbeite und wirklich ganz und vollkommen dabei bin – dann habe ich das Gefühl, dass die Zeit nur für mich ein wenig stehen bleibt.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und viiieeellll Zeit.

Angst in der Dunkelheit

Veröffentlicht: 24. September 2011 in Hund, Leonies Leben 2011, Sport
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Nun ist es wieder soweit. Die dunkle Jahreszeit hat für mich begonnen. Ab und zu trete ich jetzt bei meinen frühen Läufen mit dem Hund bereits bei  Dunkelheit aus dem Haus und komme mir vor, als wenn ich in der finsteren kalten Nacht stehe. Das matte Licht der Straßenlaternen und ab und zu das Scheinwerferlicht eines vorbei fahrenden Autos geben mir ein bisschen Sicht auf den recht dunklen Fußweg, den ich in aller Frühe mit meinem Hund entlang trabe.

Nach einiger Zeit biege ich rechts in einen Feldweg ein und es wird richtig dunkel. Im Winter erleuchtet hier ab und zu der Schnee den frühen Morgen. Aber so weit ist es ja zum Glück noch nicht. Auch der Mond hat sich in diesen Tagen hinter die Wolken verzogen, so dass ich auf meine kleine Stablampe, die ich immer bei solchen Läufen mit mir führe, angewiesen bin. Ich leuchte den Weg so gut es geht vor mir aus, um nicht über Stöcke zu stolpern oder in Sandkuhlen, die reichlich auf dem Weg vorhanden sind, hinein zu treten. Die Natur  läßt sich um diese Zeit noch nicht so wirklich genießen, da alles in der Dunkelheit versinkt. Zum Glück kenne ich die Gegend sehr gut und bin bislang noch nicht auf große Irrwege geraten.

Als ich mit meinen Läufen in der Dunkelheit vor drei Jahren anfing, hatte ich erst ziemlich Angst. Ich weiß nicht genau wovor, denn rational war diese Angst mit nichts zu begründen. Wer sollte schon um 6 Uhr morgens in der Einsamkeit bei Kälte und Dunkelheit hinter einem Busch sitzen und auf mich lauern? Nur als Mensch, der lange Zeiten seines Lebens in der Stadt verbracht hat, fiel es mir zunächst sehr schwer, mich auf die Dunkelheit und das nicht alles sehen und unter Kontrolle haben zu können, einzulassen. Jetzt habe ich mich an die Dunkelheit gewöhnt und mein Hund an meiner Seite ist für mich eine wichtige psychische Unterstützung (falls doch der große Unbekannte aus dem Hintergrund angreifen sollte :-)). Ob mein Hund mich im Ernstfall (welcher Ernstfall?) tatsächlich beschützen würde, vermag ich nicht wirklich zu sagen. Vielleicht freut er sich über einen Fremden, der auf uns zu stürzen würde, und würde es als tolles neues Spiel ansehen. Allerdings haben Hunde auch einen sehr guten Instinkt und ich vermute, dass er Gefahr wittern würde. Das sage ich mir jedenfalls immer, wenn mich auf den schmalen dunklen Waldwegen doch einmal ein etwas mulmiges Gefühl überkommt.

Diese Vermutung hat sich durch ein Ereignis, das mir im letzten Winter passiert ist, ein wenig bestärkt. Als ich eines Tages mit dem Hund durch einen dunklen und mit hohen Büschen bepflanzten Feldweg lief,  fing mein Hund plötzlich an zu bellen und zu knurren und zerrte an der Leine. Er stürzte auf einen Busch zu und ich vermutete bereits große Gefahr dahinter. Tatsächlich raschelte etwas im Gebüsch und als ich fast den Busch erreichte, schrie dahinter eine fremdländisch klingende sehr verängstigte Frauenstimmen: „Bitte nichts tun – muss nur Pipi“. Seltsam, dass morgens eine Frau einsam auf dem Feld in einem Gebüsch saß und ihr Geschäft verrichtete. Ich lief weiter und dachte darüber nach, was wohl der Grund dieser Frau war. Es gibt so viele Varianten und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings hatte mir der Vorfall auch gezeigt, dass der Hund die fremde Frau bemerkt und angeschlagen hatte. Er klang nicht gerade freundlich und ich bilde mir seitdem ein, dass er mich in brenzligen Situationen beschützen würde.

Wenn ich in der Mitte meiner Laufstrecke auf der Höhe entlang laufe, habe ich bei klarem Wetter einen tollen Blick in das Rheintal. Zwar ist es um mich herum noch dunkel, aber in der Senke liegt die Stadt mit ihren vielen Lichtern. Wie aneinander gereihte Perlen ziehen sich die Autolichter auf den Hauptein- und ausfahrtstraßen dahin. Bevor ich wieder den letzten Berg hinunter laufe, kann ich zumeist Köln mit seinen vielen Lichtern und dem erleuchteten Himmel über der großen Stadt bewundern. Im Osten wird es manchmal bereits hell und ich fange an zu spurten. Dabei freue ich mich – wie immer morgens – , auf eine warme Dusche und einen dampfenden Pott voll Kaffee.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und einen guten Start in denselben.

Diese Woche hatte ich wieder zwei ziemlich unangenehme Termine beim Zahnarzt. Darüber konnten mich auch nicht die interessanten Abwechslungen, die mich im Wartezimmer ablenken hätten können, wie zum Beispiel andere Leidensgenossen oder Artikel der Regenbogenpresse, hinweg trösten. So trat ich dann am Dienstag in der Mittagspause tapfer in der Zahnarztpraxis an und blätterte nervös in den Zeitungen. Dieses Mal entdeckte ich auch keinen Zettel, auf dem Wortfetzen eines Gedichtes standen, wie bei meinem letzten Besuch. Als der Zahnarzt dann endlich mit mir fertig war, sah ich im Gesicht aus, wie ein aufgeblasener Luftballon und konnte nur noch unverständliche Laute von mir geben.

Den ersten Menschen, denen ich begegnete, war anzusehen, dass sie zwischen Mitleid und grinsen hin und her schwankten. Ich muß mein Gesicht wohl sehr verzogen haben. Da aber alles betäubt war, hatte ich noch nicht einmal großen Einfluß auf mein Aussehen. Ich schaute auch lieber nicht in den Spiegel. Mir reichte bereits das, was ich fühlte oder besser erst nicht fühlte und dann in Schmerz ausartete. Aber genug des Jammerns. Das Leben ging weiter und ich versuchte so gut es ging, mein Tagespensum zu erfüllen.

Abends stand nun wieder einmal eine Elternversammlung in der Schule an, die lange angekündigt war und zu der möglichst alle Eltern erscheinen sollten. Ich machte mich mit Zahnschmerzen auf den Weg. Die Betäubung war mittlerweile verflogen, nicht aber das dicke Gesicht. Und richtig viel reden konnte ich auch noch nicht. So verdrückte ich mich in eine Ecke als stille Zuhörerin und lauschte den Worten der Stufenkoordinatorin und der Elternsprecherin. Ich staune immer wieder darüber, dass es Menschen gibt, die anscheinend ein unendliches Mitteilungsbedürfnis haben. Und während die meisten Eltern kurze Statements auf die Fragen ablassen oder auch vielleicht gar nichts sagen (wie ich an diesem Tag), können andere Romane erzählen. Sie genießen es anscheinend in dieser Elternrunde im Mittelpunkt zu stehen und ihre gesamten Meinungen zu allen gefragten und nicht gefragten Themen allen anderen Anwesenden kund zu tun.

An jenem Tag war eine Dame aufgestanden und redete nun bereits über 5 Minuten. Am liebsten hätte ich ihr mal meine Meinung zum Thema Selbstdarstellung und Thema verfehlt gesagt, aber ich verzog nur schmerzverzogen mit einem Grummeln im Rachen meinen aufgeblähten Mund. Meine Nachbarin schaute mich mitleidig an. Und als ob sie meine Gedanken erraten hätte, sagte sie der Dame ihre Meinung, die auch die meine war. Na, manchmal gibt es doch tolle Zufälle. Die Dame ließ sich jedoch nicht irritieren und wollte unbedingt noch etwas zum beliebten Thema „Taschengeld auf Klassenfahrten“ los werden. Sie plädierte dafür, dass wir alle den Kindern für die anstehende Fahrt nach Hamburg ordentlich Taschengeld mitgeben sollten. Denn da könnten die Mädchen sicher gut shoppen gehen. „Shoppen“, dachte ich, „ich glaube es hakt“. Ich sah einigen Eltern an, dass sie bereits die Kosten für die Fahrt recht hoch fanden und sich nun noch weitaus höheren Forderungen gegenüber sahen. Keiner traute sich jedoch zu widersprechen, da jeder anscheinend meinte, dass er dann als mittelloser Wicht dastehen werde.

Ich grummelte und brummelte. Und wie durch ein Wunder stand meine Nachbarin auf und sagte: „Shoppen?. Hallo? Geht es noch? Wenn jemand shoppen will, dann soll er das hier in Bonn oder Köln erledigen. Dafür ist doch wohl nicht eine Klassenfahrt nach Hamburg geeignet.“ Ich merkte, wie auf einigen Gesichtern ein freudige Strahlen erschien. Auch ich nickte meiner Nachbarin dankbar zu. Nun war die Dauerrednerin erst einmal ruhig, ließ sich aber als Rednerin für das nächste Thema, zu dem sie einige Anmerkungen machen wollte, gleich wieder vormerken. Nach zwei Stunden war ich froh, dass die Veranstaltung für dieses Halbjahr überstanden war. Zu Hause wagte ich einen Blick in den Spiegel und siehe da, die Schwellung war weg.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag (und möglichst ohne Schmerzen).

Vor einigen Tagen ging ich mit meinem Hund im Wald spazieren. In der Nähe ist ein Altenheim und ich begegne auf meinen Spaziergängen häufig alten Menschen, die dort wohnen. Oft sind sie in Begleitung und manchmal schieben sie auch einen Rollator über den holprigen Waldboden. Als ich nun vor einigen Tagen wieder in dieser Gegend mit meinem Hund spazieren ging, sprach mich ein älterer Herr auf meinen Hund an. Er erzählte, dass er da drüben im Altenheim wohne, dass er früher auch einen Hund gehabt habe und dass er meinen Labrador sehr schön fände. Ich verlangsamte meinen Schritt und ging ein wenig neben ihm her, denn ich merkte, dass er jemanden für eine Unterhaltung suchte und gerne eine paar Worte plaudern wollte. Wir redeten über seinen Hund, der nun schon lange tot war und er bedauerte keine Tiere im Altenheim halten zu können.

Auf einmal sah er mich mit leuchtenden Augen an und sagte: „Am letzten Sonntag. Da war alles anders. Da hatte ich tierischen Besuch. Soll ich Ihnen das mal erzählen, was da bei uns los war“? Ich nickte und der alte Herr begann zu erzählen:

„Als ich am letzten Sonntag morgen meinen Rollladen hoch zog sah ich mich doch tatsächlich von Angesicht zu Angesicht einer Hirschkuh gegenüber. Zunächst dachte ich, dass ich bei der samstäglichen Seniorenfeier ein wenig zu tief ins Glas geschaut hätte. Dennoch – da stand tatsächlich eine Hirschkuh vor meinem Fenster und glotzte mich mit großen dunklen Kulleraugen an. Ich wich zunächst rückwärts vom Fenster zurück und zwickte mich in die Wange. Die Hirschkuh blieb regungslos und starrte mich weiter an.“

Er erzählte mir weiter, dass er die Augen geschlossen habe, leise bis zehn gezählt habe und ganz fest an eine Kräuterlikörwerbung mit einem Hirsch gedacht habe.  Er habe ganz vorsichtig die Augen geöffnet und da die Hirschkuh glücklicherweise nicht zu sprechen angefangen habe, sei er zum Fenster gegangen und habe hinaus geschaut. Zu seiner Verwunderung hätte doch fast ein ganzes Rudel von Rehen und Hirschen den Vorgarten des Altenheimes bevölkert. Die Tiere hatten anscheinend die am Boden liegenden verfaulten Äpfel genossen und schienen nun keine Lust zu verspüren, diesen gastlichen Ort zu verlassen und in die heimischen Wälder zurück zu kehren.

Wie er später erfahren habe, seien die Tiere durch die Aufnahme des fauligen Obstes alkoholisiert gewesen. Während einige Tiere anscheinend noch nicht genug in den Apfel gebissen hatten, hätte sogar ein großes Tier den Rollator seines Nachbarn quer über die Wiese geschoben. Erst die eintreffende Polizei und die Stadtförster hätten die Tiere wieder dazu bewegen können, in den Wald zurück zu kehren.

Ich staunte, was so alles im Altenheim los sein konnte. Der alte Herr meinte, dass ihm das gefallen hätte. Seinetwegen hätten die Tiere ruhig da bleiben können. „Da war doch endlich mal richtig was los bei uns „, meinte er noch bevor sich unsere Wege trennten.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und nur „liebe“ und keine angetrunkenen Tiere.


Gestern ging es in einer lockeren Runde mit Freunden auf einmal um das liebe Geld, um Geldsorgen und um Dinge, die man gerne haben möchte und um Dinge, auf die man liebend gerne verzichten könnte. Wir bissen uns ein wenig an dem Wort Verzicht fest und fragten uns, auf was wir gerne verzichten möchten, auf was wir verzichten könnten und auf was wir gar nicht verzichten mögen. Das Gespräch wirkte bei mir noch recht lange nach, so dass ich zu Hause meine Gedanken zum Thema „Was ist für mich eigentlich unverzichtbar?“ aufgeschrieben habe.

In einem Buch habe ich vor langer Zeit einmal gelesen, dass der Mensch wahrscheinlich auf sehr viel, wenn nicht sogar auf fast alles verzichten kann. Vielleicht brauchen wir tatsächlich nur die Luft zum Atmen. Tatsächlich?

Wenn ich richtig über die Frage nachdenke, gibt es doch einige Dinge und noch viel mehr  Menschen, auf deren Nähe und Freundschaft ich nicht verzichten möchte. Zuerst fallen mir da ganz spontan mein Mann und meine Söhne, aber auch meine allerliebsten Lieblingsfreundinnen ein. Seit unser Hund vor drei Jahren zur Familie kam, gehört auch er – genau wie Kater – dazu.

Dann gibt es noch die vielen lieben und vertrauten Gewohnheiten, die ich nicht missen möchte. Dazu gehört mein morgendlicher Lauf mit meinem Hund, der mich durch Felder und Wälder in den erwachenden Tag führt.  Auch auf meine lieb gewonnenen Hobbies, wie das Schreiben und das Fotografieren möchte ich nur ungern verzichten. Ein Leben ohne Reisen –  Menschen und fremde Orte auf der Welt kennen zu lernen – für mich nur gaaaanz schwer vorstellbar.

Auch meine kleinen Gewohnheiten, wie die morgendliche Tasse Kaffee oder ab und zu ein gutes Glas Wein mit Freunden, würde ich nur äußerst ungern dem Verzicht Preis geben. Wenn ich weiter nachdenken würden, könnte ich diese Liste sicher noch ergänzen.

Und was ist mit den vielen ungelebten Träumen? UNVERZICHTBAR

Wie geht es Euch mit dem Verzicht? Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag.