Quietscheente oder Beute – Neues aus der Hundeschule

Veröffentlicht: 6. September 2011 in Hund, Leonies Leben 2011, Natur
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Ronja und Chicco

Auch am letzten Samstag ging es nachmittags wieder in den Wald zu meiner Hundegruppe. Spaß für die Hunde – Training für die Menschen!?! Das sollte auch heute wieder so werden. Bereits Mittags bereitete ich mich mental auf den Nachmittag vor und nahm mir ganz fest vor, heute präsent, schnell und überlegen zu sein und möglichst die geforderten Dinge auch bei meinem starrköpfigen Labrador gut durchzusetzen.

Zunächst stand ich jedoch erst einmal bei Hitze allein auf der Waldlichtung. Da keiner meiner Mitstreiter in Sicht war, spielte ich ein wenig Ball mit meinem Hund, um ihm bereits im Vorfeld der anstehenden Übungen ein wenig zu ermüden. Nach und nach trafen dann doch die anderen Teilnehmer ein und es gab nach der Sommerpause ein freudiges menschliches und tierisches Begrüßungsritual. Die Menschen fragten sich gegenseitig artig, wie denn der Urlaub gewesen sei, während die Hunde sich erst einmal durch wildes Spiel, Imponierscharren und Markierungen in die richtige Wiedersehenstimmung brachten.

Als wir uns zu Beginn der Stunde versammelten und jeder seinen Hund abrufen und neben sich legen sollte, stellte ich fest, dass mein Hund fehlte. Er lag ungefähr fünfzig Meter von uns entfernt und kaute an einem Gegenstand herum. Er sah so aus, als wenn er sagen wollte: Fangt schon mal ohne mich an, denn ich habe wichtigere Dinge zu tun. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zu ihm hinzugehen. Ich stellte fest, dass er ein Quietschespielzeug, das ein anderer Hundebesitzer verloren hatte, vor sich hatte und nicht im Traum daran dachte, es wieder zurück zu geben. Das Worte BEUTE stand ihm im Gesicht geschrieben. Es war ihm selbstverständlich auch egal, dass sein Kumpel Berni, der sein Quietscheentchen vermisste und nun neben seinem Frauchen still liegen mußte, wahrscheinlich Hundetränen vergoss.

Da war sie wieder – die kritische Stelle, an der bislang  meine sämtlichen Erziehungsbemühungen versagt hatten. Wenn mein Hund in seinen Augen gute Beute gemacht hatte, war ich nicht fähig, ihm diese abzunehmen. WAS SOLL ICH TUN? Ich sollte kein Spiel daraus machen, ihm nicht nachlaufen, aber auch das Tauschangebot mit der mitgebrachten Fleischwurst lehnte er gnadenlos ab. Ich schlich ohne Hund zurück zur Gruppe. Die Trainerin fragte gerade, ob wir zurzeit irgendwelche Probleme mit unseren Hunden hätten. Ich nickte beschämt und deutete mit dem Kopf in Richtung der Stelle, wo der Hund lag und freudig erregt in unsere Richtung starrte. Kommt denn mal endlich jemand vorbei und spielt mit mir? schien er zu denken.

Die Trainerin seufzte und schickte mir einen bitterbösen Blick zu. Ich merkte, dass ihr alle anderen Probleme lieber waren, als meinem  Hund Beute abzujagen. So durften denn meine Nachbarn zuerst von ihren Problemen berichten. Sie erklärten, dass ihr diesjähriger Frankreichurlaub ein voller Erfolg war. Nur den Hund hätten sie lieber zu Hause lassen sollen, da er jeden, aber auch wirklich jeden französischen Hund angekläfft hätte und sie in den Städten ein Spießrutenlaufen veranstalten mußten, um potentiellen Hunden auszuweichen. Ich dachte bei mir, dass es also zum Glück auch noch Probleme gibt, mit denen ich nicht gesegnet bin.

Während ein weiterer Herr von seinem Hund, der immer noch Radfahrer und Jogger stellte, berichtete, schaute ich halb abgelenkt in die Ferne, wo mein Hund sich lautstark mit der Quietscheente vergnügte. Die Trainerin dozierte gerade wieder darüber, wie man Hund mit Leckerchen an sich binden und von anderen Hunden ablenken könne. Darauf meinte ich, dass ich das aus meiner Erfahrung nicht so vollkommen bestätigen könne, denn wenn mein Hund sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hätte, dann ließe er sich selbst mit zwei Fleischwürsten, die vor seiner Nase jongliert würden, nicht ablenken. Um meine Ansicht zu bestärken,  seufzte ich und warf einen entmutigten Blick auf die Waldlichtung, auf der mein Hund immer noch bequem ruhte. Das Quietschen wurde bereits leiser und ich sah mich genötigt, der Eigentümerin anzubieten, ihr ein neues Spielzeug für Berni zu kaufen.

Nun war die Trainerin unter Zugzwang und mußte beweisen, dass ich unrecht hatte und man mit Leckerli auch meinem Hund einfach seine Beute abjagen könne. Sie ließ sich von mir mitgebrachte Fleischwurst geben und ging zur Lichtung, wo sie um meinen Hund herum schlich. Der freute sich, dass er endlich wieder Aufmerksamkeit bekam und jemand mit ihm und seiner Beute spielen wollte. Die Fleischwurst schnappte er so geschickt, ohne dabei natürlich sein Beutespielzeug aus den Augen zu verlieren. Die Trainerin ging langsam in den Vierfüßlerstand und wir anderen verrengten uns fast die Hälse, um ja nichts zu verpassen.

Dabei hatten alle Hundebesitzer anscheinend ihre eigenen Hunden ein wenig aus den Augen verloren und der Hund,  der gerne Jogger jagte, hatte die Situation blitzschnell ausgenutzt und sprang kläffend hinter einem vorbei sprintenden Jogger her. Durch das Gekläffe kam Leben in die Truppe. Alle Hunde sprangen auf und versuchten Karli (so heißt der Joggerkiller) zu folgen. Auch mein Hund ließ das Quietscheente sein, schnappte sich schnell noch die restliche Fleischwurst und lief mit den anderen hinter Karli her.

Jeder von uns beeilte sich, schnell seinen Hund wieder heran zu holen. Auch meiner kam ohne Beute auf den ersten Ruf gelaufen. Na also geht doch, ermutigte ich mich innerlich selber. Nur Karli kam erst später, den fluchenden Jogger vor sich her treibend, zurück. Der Jogger schrie das Herrchen von karli an: „Gehen Sie mir ihrem Köter endlich einmal in eine Hundeschule“. Ich überreichte meiner Mitstreiterin das leicht lädierte Quietscheentchen. Die meinte nur, dass sie das in diesem Zustand auch nicht mehr gebrauchen könne und schmiß das arme Quietscheentchen ohne Quietsche und ohne Beine einfach in den Wald. Die Trainerin meinte zu mir: „Na, hast Du jetzt gesehen, wie schnell er die Beute hergegeben hat?“ Wieder hatte ich dazu gelernt.

Die restliche Stunde verlief ohne besonderen Vorfälle, denn es war heiß und mein kleiner Labrador hatte bereits genug gefressen und gespielt.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und falls jemand ein Quietscheentchen ohne Beine finden sollte, …..

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Kommentare
  1. Himmelhoch sagt:

    Was habe ich geschmunzelt.
    Der eine Hund lebt die alte „Erbfeindschaft“ zwischen den Franzosen und den Deutschen weiter.
    Der andere (deiner) sagt: „Was ich hab, das hab ich, alles meins!“
    Das ist ja eine Hunderainerin, wie sie im Buche steht *grins grins grins* und den Joggerausspruch mit dem Köter und der Hundeschule konnte ich grinsend nachvollziehen.
    Dein Hund wird noch fett, wenn du ihm Gehorsam beibringen willst.
    Ein wenig davon ist allerdings wichtig.
    Lustigen Gruß aus Berlin von Clara

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  2. Huppi sagt:

    Ja, da lacht das Labbibesitzerherz. Die Geschichte ist mal wieder sehr „rassetypisch“. Ich konnte es mir bildlich genau vorstellen.

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    • sucherin sagt:

      Obwohl man das Verhalten als Labbibesitzer alles kennt oder kennen sollte, bin ich jedesmal doch wieder verblüfft und ab und zu auch nicht so wirklich glücklich damit. Heute ist wieder Samstag und eine neue Herausforderung beginnt :-).

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