Rabattmarken und Märkchen

Veröffentlicht: 27. September 2011 in Leonies Leben 2011
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In meiner Kindheit hatten wir zu Hause viele kleine Hefte liegen, in denen meine Schwester und ich Rabattmarken einkleben durften oder besser gesagt: mussten. In der Zeit war es üblich, dass alle möglichen Geschäfte in unserer Kleinstadt diese Hefte ausgaben und auch gleich beim Bezahlen die kleinen Rabattmarken mit aushändigten. Zu Hause sammelte meine Mutter von ungefähr fünf Geschäften diese Rabattmarken in einer Glasschüssel. Wenn die Schüssel voll war, wurden wir Kinder angehalten, nun die Marken zu sortieren und in die entsprechenden Hefte zu kleben. Die vollen Hefte wurden dann beim nächsten Einkauf eingelöst. Wenn ich mit richtig erinnere, gab es eine Mark oder fünfzig Pfennig pro Heft, die gut geschrieben wurden.

Ich hatte das Ritual  aus der Kindheit des Einklebens der Marken längst vergessen. Doch am letzten Wochenende wurde ich bei meinem Lebensmitteleinkauf in einem Supermarkt wieder daran erinnert. Ich stand ausnahmsweise einmal in der richtigen Warteschlange vor der Kasse 🙂 und näherte mich fast mit rasantem Tempo der Kassiererin. Da hörte ich, wie die Kassiererin zu der zweiten Kundin vor mir sagte: „Möchten Sie Märkchen?“ Die Frau wußte anscheinend nicht, was die Kassiererin meinte und erkundigte sich ausführlich nach den Märkchen. Ihr wurde erklärt, dass es pro fünf Euro Einkauf ein Märkchen gäbe und dass sie die Märkchen in ein Heft einkleben könne. Wenn das Heft voll sei, könne sie damit zurzeit verbilligt Handtücher erwerben. Letztens habe es Messer gegeben und ein anderes Mal Kochtöpfe.

Während ich noch darüber nachdachte, wie clever doch heute den Kunden zusätzliches Geld aus der Tasche gezogen wird, indem keine Gutschriften für die Märkchen gemacht werden, sondern nur angeblich verbilligte Teile zusätzlich verkauft werden, konnte sich die Kundin nicht entschließen. Im Ergebnis stand ich also doch wieder mal in der falschen Schlange bis die Kundin sich endlich zu einem klaren Nein zu den Märkchen entschieden hatte. Die Kundin vor mir erklärte gleich von sich aus der Kassiererin, dass sie Märkchen wünsche. Sie drehte sich zu mir um und fragte, ob ich auch Märkchen wolle. Ehrlich gesagt hatte ich darüber noch nicht nachgedacht und meinte nur, dass ich die bislang noch nicht sammele.

Nun war ich fast an der Reihe und sah mich schon in greifbarer Nähe, diesen Ort endlich zu verlassen. Da fing die Kundin vor mir doch tatsächlich mit der Kassiererin eine Diskussion über das Thema an, ob diese ihr nicht die Rabattmarken der Kundin vor ihr, die diese nicht gewollt habe, aushändigen könne. Das konnte die Kassiererin anscheinend alleine nicht entscheiden und fing umfangreiche Diskussionen mit zwei anderen Kassiererinnen an. Nun war ich wenigstens nicht mehr allein in der falschen Warteschlange, denn auch die anderen Reihen stockten nun, da die Kassiererinnen das Problem so schnell nicht lösen konnten. Da kam mir die Idee und ich bot „unserer“ Kassiererin an, dass sie doch meine Marken, die ich ja vielleicht endlich gleich bekommen würde, der Dame aushändigen könne. Das schien für sie eine gute Lösung und an den anderen Kassen wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Die Dame vor mir drehte sich zu mir um. Vielleicht hatte ich erwartet, dass sie sich nun bedanken würde. Und was kam? Sie sagte doch tatsächlich:“Wegen Ihrer Marken hätte ich sie ja sowieso noch gefragt. Ich wollte doch auch noch die Marken der Dame vor mir.“.

Ich war sprachlos und überlegte kurz, ob ich ganz spontan mit dem Sammeln von Rabattmärkchen anfangen sollte. Da ich jedoch den Ausgang im Visier hatte und keinerlei weitere Verzögerungen durch irgendwelche Rabattmärkchen mehr in Kauf nehmen wollte, bezahlte ich und überließ die weitere Diskussion über meine Rabattmärkchen der Kundin und der Kassiererin.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag und rate dringend dazu, sich Rabattmärkchen aushändigen zu lassen – was immer man denn damit macht :-).

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Kommentare
  1. Himmelhoch sagt:

    Fast schenkelklopfend sitze ich hier – wir hatten auch Marken, aber nur eine Sorte, nämlich Konsummarken, und die wurden auch immer beleckt und geklebt – den Gegenwert weiß ich nicht. – Und als ich vor einiger Zeit bei Kaisers diese Herzchen sah, dachte ich, ich bin im Wald. – Die Dummheit der Menschen und ihre Kaufgier gehen doch nie zu Ende.
    Gute Nacht!

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  2. der_emil sagt:

    Konsummarken … Und ganz früher gabs an der Schule sogar Sparmarken … Und die vielen Beitragsmarken …

    Danke für die kleine Erinnerungshilfe.

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  3. Diva sagt:

    Boah! Solche Leute liebe ich ja!
    L.G. Anja

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  4. Vallartina sagt:

    Bei uns hier gibt’s keine Marken (wahrscheinlich würden sie bei der Luftfeuchtigkeit zu Klumpp werden), aber in jedem Supermarkt die elektronischen Karten: auf bestimmte Artikel gibt es Nachlass, dieser wird auf die Karte gutgeschrieben. Gleiches System in den grossen Department-Stores für Kleidung, Haushaltszeugs usw. Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin einer bunten Kollektion von „tarjetas“, die ich jedoch meist zuhause vergessen habe, wenn ich einkaufe. Somit überreicht mir die strahlende Verkäuferin wieder eine neue tarjeta im Super, im Klamottenladen etc….

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  5. Gabi sagt:

    Ich kenne sie auch, diese „Märkchen“. Die gibts bei uns z.B. beim BILLA (gehört zu REWE). Wie Du schon erwähnt hast, damit bekommt man bestimmte Sachen angeblich billiger zu kaufen. Das ist alles nur Augenauswischerei. Man braucht ja nur mal zu schauen und zu vergleichen, so wie ich das mal getan hatte. Die selben Sachen bekommt man anderswo, ohne irgendwelche Märkchen, zum selben Preis oder sogar günstiger. Aber solange sich die Leute alles einreden lassen….

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