Archiv für 17. Oktober 2011

Da ich sehr gerne ein bisschen besser schreiben lernen möchte, hatte ich mich vor einiger Zeit entschlossen, bei der Volkshochschule einen Kurs für Kreatives Schreiben zu belegen. Ohne genau zu wissen, was dort wohl auf mich zukommen könnte, machte ich mich an einem Samstagnachmittag mutig Richtung unbekanntes Neuland auf den Weg. Mein letzter Volkshochschulbesuch war bereits über zwanzig Jahre her und ich kann mich gar nicht mehr erinnern, ob ich seinerzeit dort das Schreibmaschinen schreiben oder Französisch gelernt hatte.

Der Raum, den ich nach einigem Suchen betrat, war kühl und karg und regte auf den ersten Blick nicht gerade die Fantasie an. Auch die Dozentin, die vorne ein wenig desinteressiert blickend, am Schreibtisch saß, stimmte mich nicht gerade hoffnungsvoll. Ich wählte einen Platz auf einem unbequemen Holzstuhl (es gab auch nur unbequeme Holzstühlchen) und schaute mir die nach und nach eintrudelnden Kursteilnehmer an, die mit Ausnahme eines Mannes alle weiblich waren.

Als alle ihre Plätze eingenommen hatten und artig ihr Kreuzchen hinter ihrem Namen auf einer herum gehenden Liste gemacht hatten, stellte sich die Kursleiterin kurz vor, und forderte dann die gespannt in die Runde schauenden 19 Kursteilnehmer auf, uns kurz vorzustellen und zu erzählen, was wir bereits geschrieben hätten und warum wir da seien. Gleich fingen einige Teilnehmer eifrig an zu erzählen, dass Sie schon drei Romane veröffentlicht hätten, als Journalisten tätig gewesen seien oder auch nur von der Muse geküsste und allseits begabte Schreiber seien. Mir wurde innerlich nun doch ein wenig Angst und Bange. „Bin ich hier als Anfängerin überhaupt richtig?“, fragte ich mich innerlich sorgenvoll. Dabei registrierte ich, wie auch meine Nachbarin immer bleicher wurde. Sie flüsterte mir angstvoll zu:“Bisher habe ich eigentlich nur meine Einkaufszettel zu Hause geschrieben“. Ich flüsterte zurück, dass das doch in Ordnung sei, denn schließlich sei das hier ein Kurs um schreiben zu lernen und kein Autorenwettbewerb. Das schien sie nur mittelmäßig zu beruhigen.

Dann fing der Kurs mit etwas Theorie an und nach der Pause kehrten noch 15 Teilnehmer auf ihre Plätze zurück. Auch der Stuhl neben mir blieb leer. Meine Nachbarin hatte sich bereits still und leise verabschiedet. Am nächsten Samstag traf ich dann, als ich erwartungsvoll den kühlen kargen Raum betrat, auf sieben Kursteilnehmer und wunderte mich, wo die ganzen Autoren geblieben waren. Wir machten Schreibübungen, die mich richtig fesselten und die Zeit verging wie im Flug.

Dann teilte uns die Dozentin mit, dass wir jetzt eine Kurzgeschichte schreiben würden, die wir im lokalen Radio am Ende des Kurses vorlesen dürften, sofern sie den festgelegten Rahmenbedingungen entsprechen würde. Ich fand das recht spannend und nahm mir vor, es zumindest mit einer solchen Geschichte zu probieren. Am nächsten Samstag hatte sich der Kreis der Teilnehmer (nach dieser Ankündigung?) auf vier (mit mir) verkleinert. So kam ein sehr individueller Unterricht zustande. Nun warte ich auf den nächsten Samstag und hoffe inständig, dass ich dann nicht allein mit der Dozentin dort sitze.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag.

Advertisements