Archiv für 23. Oktober 2011

Es ist wieder soweit. Abgemähte Stoppelfelder laden zum Drachen steigen  lassen ein. Bei meinen letzten Hundespaziergängen habe ich einige begeisterte Kinder und auch einige jung gebliebene ältere Semester gesehen, die sich fröhlich mit ihren Drachen beschäftigten. Leider hatte ich in diesen Momenten immer keine Kamera dabei. Wenn ich steigende Drachen sehe, denke ich sofort an meine Kindheit. In Norddeutschland  bastelten wir die ersten kleinen Drachen bereits im Kindergarten. Dass diese nicht so ganz flugtauglich waren, hinderte uns nicht, es dennoch mit ersten Flugversuchen zu probieren. So erinnere ich mich daran, dass ich einmal einen Drachen vom Dach eines Gartenschuppens im direkten Gleitflug in die Regentonne  stürzen ließ. Leider konnte der Drachen nicht nur nicht fliegen, sondern zu meiner Überraschung auch nicht schwimmen.

Im Grundschulalter hatten wir dann unsere Fertigkeiten im Drachenbau ein wenig verbessert und ab und zu kamen bei unseren Bastelversuchen auch fliegende Drachen heraus. Nur noch ganz ganz selten war  elterliche oder großelterliche Unterstützung notwendig. Sobald die Felder abgemäht waren, ließen wir die selbstgebauten Drachen steigen. Und wenn sie dann wider erwarten doch nicht fliegen konnten, wurde weiter gebastelt. Welcher Drachen steigt am höchsten? Welcher Drachen ist der größte, schönste oder bunteste? Drachen waren in unserer Kinderwelt unheimlich wichtig. Wir liebten sie gerade zu.

Häufig verwickelten sich die Schnüre ineinander und ab und zu blieb auch mal ein Drachen in einer Leitung hängen. Herbstzeit und Drachen waren untrennbar miteinander verbunden.

Lasko und der Drachen

Als meine eigenen Kinder klein waren, hatten wir das große Glück an der Ostsee zu wohnen, wo es immer herrlichen Wind im Herbst gab. Für die ersten kleinen Kinderdrachen war es fast zu viel Wind. So ist uns auch schon mal ab und zu ein Drachen im Wind an dem langen Warnemünder Strand zerfetzt. Dann wurden unsere Jungs größer und begannen Lenkdrachen fliegen zu lassen. Die waren nicht mehr selbst gebaut, sondern aus besten Kunststoffen und biegsamen Stangen zusammengesteckt.

Nun dauerte es nicht lange, bis meine Kinder mir zeigten, wie ich den Drachen zu steuern hatte. Ich habe es jeden Herbst in Rostock und auch noch  im letzten Jahr im Dänemarkurlaub probiert. Zur Sicherheit der am Strand wandelnden Bevölkerung habe ich nach einigen fast erfolgreichen Flugübungen jedoch beschlossen, mich aufs zuschauen zu beschränken. Meine Männer entwickelten derweil ungeahnte Fähigkeiten, indem sie aus unseren Lenkdrachen die größten Loopings und Flugschleifen herausholten. Wenn ein Drachen dann doch einmal (zwangsläufig) herunter kam, war Hund als erster da und sicherte ihn vor allen Angriffen (welcher Art auch immer).

Drachen

Diesen Drachen habe ich vor einigen Jahren auf einem Spaziergang südlich von Bonn gesehen. Seitdem habe ich keinen Drachen mehr vor die Linse bekommen, denn meine Jungs haben im jetzigen Lebensabschnitt das Drachen steigen lassen vergessen.  Falls sie jemals Väter werden sollten, fällt es ihnen vielleicht wieder ein. Solange ruhen die Lenkdrachen nun auf unseren Kellerregalen und träumen vielleicht davon, eines Tages sich wieder in die Lüfte zu erheben……wo auch immer.

Ich werde jedenfalls aufpassen, ob es mir noch gelingt, einen Drachen 2011 abzulichten. Habt Ihr eigentlich aktuelle Drachenbilder? Ich würde mich sehr darüber freuen.

Ich wünsche einen guten Tag und gute Winde.

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