Ein Stück von mir bleibt hier

Veröffentlicht: 12. November 2011 in Leonies Leben 2011, Reisen 2011
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Was ist das?

Heute will ich Euch nicht lange mit einem Rätsel langweilen. Ich löse schnell auf und schreibe weiter.

Es sind alte Schuhe von mir, die ich vor meiner Reise endgültig in der Tonne entsorgt habe. Sie waren an allen Nähten aufgerissen und ziemlich ausgelatscht, aber ich habe sie gerne im Haus und um das Haus herum als „Hausschuhe“ benutzt. Vor Jahren habe ich sie  im Angebot in Köln erstanden und war – auch wenn ich nicht unbedingt auf Markenschuhe stehe – von den bunten Teilen angetan. Nun habe ich mich mit mindestens einem weinenden Augen von ihnen getrennt. In dem Moment, als ich sie in die Tonne tat, fiel mir etwas sehr Merkwürdiges auf. Ich habe ganz selten in meinem Leben Schuhe in die Tonne getan. Ich überlegte, woran das wohl liegen könnte.

Ab und zu habe ich kaum getragene Schuhe (vielleicht Fehlkäufe) wieder weiter verkauft oder in die Kleidersammlung gegeben. Aber das konnte doch nicht alles sein. Ich überlegte weiter. Und dann fiel es mir ein. Ich habe tatsächlich die Angewohnheit im Urlaub ein Paar Schuhe zurück zu lassen. Fast an allen Orten in der Welt, an denen ich war, habe ich Schuhe zurück gelassen. Tatsächlich! Ab und zu habe ich sie mal vergessen oder stehen gelassen. Das ist mir jedoch nur selten passiert. Zumeist habe ich sie ganz bewusst dort zurück gelassen. Irgendwie fand ich es schön, an Orten, die mir gefielen, etwas von mir zurück zu lassen. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich noch ein bisschen dort bleiben könnte. Ein Stück von mir blieb dort und das waren zumeist ein Paar Schuhe.

Ihr müsst Euch das nicht so vorstellen, als wenn ich die teuersten und neuesten Schuhe in der Welt verstreut hätte. Nein, so war es nicht. In Thailand blieben einfach ein Paar alte Badelatschen zurück. In den USA blieben meine in vielen Urlauben ausgetretenen Wanderschuhe zurück. In Italien ein Paar alte Sandalen und in Norwegen die Halbschuhe. Mir war bis zu dem Tag, als ich letzte Woche die Schuhe in unserer Haustonne in Bonn versenkte, nicht bewusst, dass ich überall auf der Welt Schuhe zurück gelassen hatte. Ich hatte es jedes Mal nur als Einzelakt begriffen. Ein Stück von mir sollte in dem Moment in der Welt bleiben.

Nun liegen die Schuhe in der Tonne in Bonn und ich bin auf Teneriffa. Ein Stück von mir blieb zurück.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag.

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Kommentare
  1. fudelchen sagt:

    UND ICH FRAGE MICH JETZT; OB DAS EINE TIEFERE BEDEUTUNG HAT …..grübel.

    Liebe Grüße zu dir ♥ Marianne

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  2. Diva sagt:

    Die Schuhe sind in Berlin in der Tonne! Bleibst du nun für immer auf der Insel? 🙂
    Wenn nicht, mußt du wohl ein paar andere zurück lassen!
    Sowas hab ich noch nie gehört. Nehmen die meisten doch eher von ihren Urlaubsorten etwas mit nach Hause!
    Die Schuhe sind finde ich sehr schön!

    Ich wünsch dir eine schöne Zeit
    L.G. Anja

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  3. sucherin sagt:

    Ja, ich bin auch traurig, dass sie jetzt in Bonn in der Tonne liegen. Wenn ich zurück komme, muss ich mir wohl ein paar neue Hausschuhe besorgen. Ob ich welche hier lasse – wir werden sehn. Dir ein sehr schönes Wochenende und viele liebe Grüße

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  4. Himmelhoch sagt:

    Ganz so ausgeprägt kenne ich es bei mir nicht – vielleicht einfach deswegen, weil ich nicht so viel reise. – Als ich noch in den sogenannten „ärmeren“ Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder in den mittelasiatischen Sowjetrepubliken reisend unterwegs war, habe ich ganz bewusst relativ gute Schuhe, die ich aber irgendwie nicht mochte, im Hotelzimmer stehen lassen, weil ich wusste, dass es Abnehmerinnen gibt, die sich freuen.
    Ansonsten habe ich vor ca. 30 Jahren mal gewagt, völlig kaputte Turnschuhe meines Sohnes zu entsorgen, was er mir sehr verübelt hat. Nachträglich begriff ich seinen Kummer: Das waren Markenschuhe, die wir nicht im Laden kaufen konnte – er bekam sie über den Fechtverein. – Vielleicht hatte er Recht, diese Schuhe waren für ihn etwas Besonderes.
    Lieben Gruß zu dir nach jww (janz weit weg) von Clara

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    • sucherin sagt:

      Du hast mich daran erinnert, dass ab und zu ein Grund auch darin bestand, Schuhe dort zu lassen, weil ich wusste, dass es Abnehmer gab. Das fand ich immer besonders schön. Den Ärger, den man sich bei der „Entsorgung“ von Sachen der Kinder einhandeln kann, kenne ich nur zu gut. Liebe Grüße zurück nach jww

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  5. der_emil sagt:

    Zuerst habe ich mich – vor dem Lesen der Kommentare – auch gefragt, ob das eine tiefere Bedeutung hat, dieses „Schuhe zurücklassen“. So im Sinne von Ausgetretene Wege verlassen … Neues in Angriff nehmen.

    Vielleicht doch? Obwohl Du ja häufig (?) auch etwas von Dir zur weiteren Nutzung dagelassen hast, also präsent bleibst, (identifizierbare) Spuren hinterlassen hast?

    Zumindest hast Du eine sehr interessante Beobachtung gemacht (oh mein Gott, ich klinge wie meine Therapeutin).

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  6. Elvira sagt:

    So etwas machte ich auch schon! Aber das hat einen sehr einfachen Grund! Wenn der Koffer auf der Rückreise nicht mehr genug Platz hat, muss etwas zurückbleiben 😉

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  7. Katja sagt:

    Ich musste direkt an eine Figur aus der Region denken, aus der ich ursprünglich stamme – den Lauterbacher Strolch und das zugehörige Strumpflied:
    In Lauterbach hab‘ ich mein‘ Strumpf verlor’n,
    und ohne Strumpf geh‘ ich net heim.
    So geh‘ ich halt wieder nach Lauterbach hin,
    und hol‘ mir mein‘ Strumpf an mein Bein.

    Vielleicht sind deine Schuhe ja auch eine Art symbolisches Pfand an den Stellen der Welt, wo es dir gut gefallen hat (und weitergesponnen die in Bonn zurückgelassenen Turnschuhe das Pfand, dass du in 4 Wochen wieder zurückkehren wirst). 🙂

    Herzliche Grüße und ein schönes erstes Wochenende auf der Insel!

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  8. kreadiv sagt:

    „Irgendwie fand ich es schön, an Orten, die mir gefielen, etwas von mir zurück zu lassen. Dadurch hatte ich das Gefühl, dass ich noch ein bisschen dort bleiben könnte. Ein Stück von mir blieb dort und das waren zumeist ein Paar Schuhe.“

    Mal ein ganz anderer Schuhtick… 😀

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