Archiv für 15. November 2011

Ich möchte hier auf Teneriffa auch gerne etwas von der schönen Landschaft sehen und auch die kulturellen Besonderheiten der Umgebung entdecken. Daher habe ich vor dem Urlaub ein wenig über Baudenkmäler, Kirchen, Bauwerke, Museen und andere Orte, die es zu besichtigen gibt, gelesen. Hier und da ist auch ein sehr interessantes Museum zu sehen oder einfach ein wunderschöner alter Dorfplatz. In dem Ort Icod de los Vinos gehört der Drachenbaum zu den ausgewiesenen Attraktionen. Weiterhin sollte man laut Reiseführer unbedingt auch die Höhle Cava los Vientes  gesehen haben. An dem Drachenbaum kommt keiner vorbei, der durch den Ortskern schlendert.

Für die Höhle, die laut Homepage als unterirdischer Komplex der Cueva del Viento-Sobrado die größte Vulkanröhre der Europäischen Union sein soll, braucht ein Besucher schon ein wenig mehr Zeit. Diese Vulkanröhre ist nur zu bestimmten Zeiten geöffnet. Ich möchte unbedingt versuchen, während meiner Zeit hier, einmal dort hinein zu kommen. Allerdings ist der Eingang zur Röhre weit oben in den Bergen und das bedeutet, dass es einen sehr steilen langen Anfahrtsweg durch schmale und verwinkelte Straßen gibt.

In den vielen kleinen steilen Gässchen hier am Berg, ist nicht nur das Autofahren, sondern auch das Spazieren gehen ziemlich gewöhnungsbedürftig. Vom Laufen will ich hier am Berg erst gar nicht sprechen. Zwar trete ich aus alter Gewohnheit jeden Morgen im Joggingoutfit mit Hund für die Tür. Ich fange an ein paar Meter zu joggen und werde unmittelbar durch den regen Verkehr auf den Straßen gestoppt. Fußgänger und erst recht Jogger haben in dieser Gegend schlechte Karten. Fußwege gibt es nicht, sondern nur ganz kleine enge schmale Gassen, die sich in einem für mich immer noch nicht zu durchblickenden Gewirr am Hang hochziehen. Da ich mit dem Hund raus muss, sieht man mich zumeist eng an eine Mauer oder Hauswand gedrückt, während sich unmittelbar vor mir auf der zwei Meter breiten Straße der Verkehr und Gegenverkehr hupend begegnen. Jedes Mal, wenn ich einen Gassigang lebend überstanden habe, bin ich glücklich und tröste mich über das ausgefallene Jogging mit einem Cafe con leche. Zum Joggen komme ich daher zurzeit gar nicht mehr und meine Kondition…….oh je.

Die ortsansässigen Spanier kennen anscheinend keine Spaziergänge oder fahren lieber Auto. Denn ich habe hier oben außer mir noch nie einen Spaziergänger gesehen. Es sei denn, es gießt jemand seine Geranien vor dem Haus oder ist auf dem Weg zu seiner Garage. Alle scheinen mit dem Wagen unterwegs zu sein und selbst auf Gassen, die für meine Wahrnehmung fast 80 Grad Steigung haben. Wo wir in Deutschland acht Serpentinen bauen, wird hier anscheinend gerade den Berg hoch zementiert. Die Straßen von San Francisco sind gegen Icods Straßen  sanfte Hügel.

Die Straßen hier gehen wirklich teilweise so steil und so verwinkelt den Berg hinauf, dass ich nur noch staune, dass es so etwas gibt. So steile Abfahrtrampen habe ich noch nie und nirgendwo im Leben gesehen oder vielleicht doch – in der Achterbahn. Alles läßt sich mit dem Wagen nur im ersten Gang fahren. Hier lerne ich Auto fahren noch einmal neu. Nur ab und zu stehe ich so schräg, dass ich Angst haben muss, dass auch der erste Gang nicht mehr ausreicht. Was soll ich eigentlich dann machen? Rückwärts diese steilen verwinkelten Gassen wieder zurück rollen? Daran mag ich gar nicht denken.

Dann gibt es noch den Strand, aber zu dem komme ich von oben auch nur durch die verkehrsreichen verwinkelten Gassen hinunter. Entweder könnte ich die sechs Kilometer runter und hoch an der Häuserwand entlang laufen oder selber das Auto nehmen. Ich tendiere immer mehr zum Zweiten, was sehr atypisch für mich ist. In Bonn fahre ich zumeist Fahrrad. Das wäre bei diesen Steigungen und dem Verkehr vollkommen unmöglich. Selbst mein Mann mit seinem Rennrad würde hier wohl passen.

Strand ist hier immer Norden ohnehin wenig zu finden. Doch wenn man ein wenig sucht, gibt es tatsächlich auch kleine Strandabschnitte, die malerisch zwischen den vielen Felsen und den Steilküsten zu finden sind. Es sind sehr kleinen Strände mit schwarzem Sand, die ich ab und zu aufsuche, um meinen Labrador eine Freude zu machen und ihn ins Wasser zu lassen. Da Hunde in Spanien zumeist nicht an den Strand dürfen, muss ich dafür eine Zeit abpassen, in der wenige oder besser noch gar keine Menschen am Strand sind. Da bieten sich entweder Regentage oder der frühe Morgen an. Aber was tut der Labradorbesitzer nicht alles, um seinen Vierbeiner zufrieden zu stellen. Wenn der Labrador dann erst einmal gewässert ist, entschädigt mich sein dankbarer Hundeblick jedoch für alles.

Für mich heißt es daher im Moment, täglich neue Wege durch das Straßengewirr in den Wald und an den Strand zu suchen.

Euch wünsche ich einen guten Tag auf hoffentlich sicheren Wegen.

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