Andere Länder andere Straßen – verhältnisse

Veröffentlicht: 2. Dezember 2011 in Leonies Leben 2011, Reisen 2011
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Ich hatte Euch ja bereits von den ziemlich steilen Straßen hier in Icod im Norden von Teneriffa berichtet. An die „Abschussrampen“ und die vielen Serpentinen und Kurven habe ich mich mittlerweile bereits gewöhnt.

Dennoch gibt es immer wieder Dinge im spanischen Straßenverkehr, die ich hier erst nach und nach lernen musste, da ich sie so noch nicht kannte.

Links wird hier häufig abgebogen, indem man zunächst rechts heraus fährt und dann die Straße kreuzt. Das hatte ich als erstes recht schnell begriffen. Auch die vielen Kreisverkehre tragen zum flüssigen Verkehrsablauf bei.

Obwohl überall ziemlich niedrige Höchstgeschwindigkeiten angesetzt sind, habe ich das Gefühl, dass sich von den spanischen Autofahrern relativ wenige daran auch nur im Ansatz orientieren. Schnelles sportliches Fahren scheint hier bei vielen Spaniern ein absolutes Muss zu sein. Selbst wenn ich meine, dass ich nun schon 20 km/h über dem Limit fahre, gibt es immer einen, der auch noch in einer unübersichtlichen Kurven an mir vorbeirast.

Auch die Hupe kommt gerne und bei jeder Gelegenheit zum Einsatz. Bei unübersichtlichen Bergstraßen, in denen die Hupe zur Warnung eingesetzt wird, kann ich das noch am ehesten verstehen. In der Stadt, wenn ein Wagen etwas langsam fährt und auf einmal alle Wagen  hinter ihm anfangen zu hupen, finde ich das sehr gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite habe ich jedoch auch festgestellt, dass häufig mit netten Handbewegungen Vorfahrt eingeräumt wird. Also doch nicht immer Schnelligkeit um jeden Preis?

An Baustellen wird häufig auf Ampeln verzichtet und dafür auf menschliche Arbeitskraft zurück gegriffen. Mehrmals habe ich es jetzt erlebt, dass auf Kreuzungen, an Baustellen oder Gefahrenstellen ein Mensch mit einer Kelle steht, der den Verkehr entweder stoppt oder vorbei gewinkt. Auch war ich überrascht, dass hier überall an den Straßen gelb angezogene Personen im Einsatz sind, die die Straßenränder von Müll befreien. Wenn die Straßen ohnehin bereits schmal und kurvenreich sind, gilt es auf diese gelben Kolonnen gut aufzupassen.

Auch laufen hier sehr viele Hunde frei herum. Einige scheinen ohne Herrchen zu sein. Die Jäger sollen hier ihr Jagdhunde, wenn sie sie nicht mehr gebrauchen können, entweder töten oder einfach davon jagen. Ab und zu findet sich jemand, der diese herum streunenden Hunde in die Tierheime bringt, was diese leider auch nicht auf Dauer rettet. Mir ist es in den wenigen Wochen hier nun bestimmt fünf Mal passiert, dass mitten auf dem freien Feld oder auf Gebirgsstraßen auf einmal Hunde auf die Fahrbahn sprangen oder diese kreuzten. Nicht nur, dass ich mich erschreckte und schnell ausweichen musste. Mir tun diese Hunde auch so leid, dass ich sie am liebsten alle einsammeln würde.

Dann gibt es noch die Polizei. Ich merke, dass die Polizei hier überall präsent ist. Es wird häufig kontrolliert und anscheinend auch gleich vor Ort abkassiert. Bis jetzt habe ich Glück gehabt und hatte noch keine nähere Begegnung mit der Staatsmacht. Ich habe jedoch von vielen Leuten gehört, dass sie wegen geringer Geschwindigkeitsüberschreitung von zum Beispiel 10 km/h gleich 300 € zahlen sollten. Ohne Sicherheitsgurt fahren kostet anscheinend nach Lust und Laune der Beamten  mindestens 400 €. Widersetzt sich jemand, wird angeblich sofort die doppelte Summe gefordert. Wird sofort bezahlt, gibt es ab und zu Rabatt. Das Bußgeldsystem muss einem Touristen daher zwangsläufig spanisch vorkommen. Einmal hätten hier auf der Insel Polizisten einen zahlungsunwilligen Touristen einfach in eine Schlucht geschmissen. Nach all diesen Geschichten versuche ich mich so gut wie möglich an die Verkehrsregeln zu halten. Hoffen wir mal, dass ich keine Bekanntschaft mit der Polizei machen muss. Und in einer Schlucht möchte ich weder mit dem Wagen landen noch von der Polizei hinab geworfen werden.

Auch das Tanken läuft etwas anders ab als zu Hause. Hier steht ein Tankwart an den Zapfsäulen und tankt den Kunden die Wagen voll. Interessant fand ich, dass an den großen Tankstellen ein Mann zugleich acht Zapfsäulen versorgt und ständig hin und her springt. Letzte Woche ist es mir passiert, dass ich dem Mann den Schlüssel reichte, er den Tank aufschloss und den Zapfhahn in das Tankloch tat. Dann sprang er zu anderen Wagen. Ich saß im Wagen und wartete. Irgendwann kam mir es so vor, dass nun sehr viel Zeit vergangen sein musste und der Tank doch längst voll sein müsse. Ich schaute auf die Zapfsäule. Der Zähler lief noch und zeigte bereits 60 Liter an. „Das kann nicht sein“, dachte ich mir, denn so leer war der Tank nicht. Ich stieg aus und stand mit beiden Füssen mitten in Benzin. Der ganze Wagen stand in Benzin. Ich rief den Tankwart herbei. Der stapfte durch das Benzin und winkte lachend ab. Er holte eine Gießkanne und goss mit dem Wasser den Wagen ein wenig ab. Dann verlangte er einen Betrag, den er sich wohl irgendwie ausgedacht hatte. So spannend kann tanken sein.

Ich wünschen Euch allen einen schönen Tag.


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Kommentare
  1. fudelchen sagt:

    Andere Länder, andere Sitten und Hupen können die Spanier super, aber die Türken noch besser und erst mal die türkischen Autos…au weia 😀

    GLG Marianne ♥

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  2. Himmelhoch sagt:

    Habe ich doch glattweg wieder einen süßen Verschreiber entdeckt: Da muss einer einen ganzen „Keller“ halten, um den Verkehr zu regeln *grins*

    „Links wird hier häufig abgebogen, indem man zunächst rechts heraus fährt und dann die Straße kreuzt. Das hatte ich als erstes recht schnell begriffen.“ – Bei so etwas hatte ich 1988 meinen einzigen Verkehrsunfall. Vor mir fuhr ein Traktor mit Hänger, der rechts blinkte und rechts fuhr. Also überholte ich links – und flugs hatte ich ihn in meiner rechten Seite. – Aber seine Arbeitsstelle bezahlte alles.

    Ich weiß nicht, ich mag lieber Zapfsäulen, die sich abstellen, wenn der Tank voll ist. – Das Bezahlsystem für Verkehrs“sünden“ haben die sich von DDR-Polizisten auf Transitautobahnen abgeguckt.
    Lieben Gruß von Romanschreiberin Clara
    Ich bin wirklich gerade dabei, aus der Berlingeschichte ein Fotobuch zu machen.

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  3. M. sagt:

    Halt! Ich komme sofort zum Tanken vorbei! Und bei mir kann er sich auch was ausdenken, allerdings nur zu meinen Gunsten. Das ist Erlebnistanken pur und ich finds einfach saugeil. Jawohl.

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  4. Gabi sagt:

    Schon interessant, was man in anderen Ländern so erlebt.
    Das mit den Hunden kenne ich leider auch und ich finde es wirklich sehr traurig und es macht mich zugleich auch sehr wütend.
    Dass die Polizisten so krasse Methoden anwenden, wusste ich nicht. Wir hatten Gott sei Dank nie die Gelegenheit, dies kennen zu lernen.
    Tanken mit einem herumspringenden Tankwart kenne ich doch auch noch aus meiner Jugendzeit. Mittlerweile gibts ja keine Tankwarte mehr.
    Wünsche Dir noch weiterhin viel Spaß.
    lg Gabi

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  5. Anna-Lena sagt:

    Das Autofahren auf Teneriffa habe ich auch als sehr „wüst“ in Erinnerung, zumindest, was den Norden betrifft und ich habe es nicht gerne gemacht.
    Auf Lanzarote hingegen fand ich es sehr angenehm, da scheint es noch etwas „gesitteter“ zuzugehen 🙂
    Aber Frau wächst mit ihren Aufgaben.

    Viel Spaß noch und eine unvergessliche Zeit.

    Anna-Lena

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  6. sucherin sagt:

    Vielen Dank – ich glaube die Zeit wird wirklich unvergesslich und das nicht nur wegen den Autofahrten. Liebe Grüsse zurück

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