Vollmond, Meat Loaf and ten points for Germany

Veröffentlicht: 12. Januar 2012 in Leonies Leben 2012, Reisen 2012, Tiere
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Montagnacht war eine Nacht mit Vollmond und ich war draußen. Da ich am Montag einen gut gefüllten Tag hatte, beschloss ich abends mir etwas zu gönnen und zum Spanier um die Ecke zu gehen. Vormittags war ich beim Spanischkurs für Ausländer. Dann war Wäsche waschen und Wohnungsputz angesagt. Auch so etwas gibt es im Paradies :-). Und am Nachmittag habe ich tatsächlich (nur einfach so) Wohnungen besichtigt. Nachdem ich danach noch viel geschrieben hatte, hatte ich abends keine Lust etwas zu kochen und gönnte mir ein Essen beim Spanier. Es gab Tintenfisch mit kanarischen Kartoffeln für 5.50 Euro. Da konnte ich nicht nein sagen. Da das Restaurant sehr voll war und ich auch spät gekommen war, zog sich mein Essen unerwartet in die Länge, so dass es ungefähr 22.00 Uhr war, als Hund und ich zufrieden das Lokal verließen.

Normalerweise verbringe ich meine Abende hier ruhig zu Hause. Ich mache meine Tai Chi Übungen oder schaue zur Übung und zwecks Information spanisches Fernsehen. Zumeist sitze ich jedoch bei geöffnetem Fenster, blicke ab und zu auf den Atlantik und schreibe, während Hund zufrieden auf seiner Decke schnarcht. Am Montag war jedoch alles anders.
Ich kam an einer britischen Sportsbar vorbei, in der ein Fußballspiel lief. Bis zu der Bar hatte ich mich von einer Person zur nächsten durchgeschlagen. Mein Hund, der von den Engländern hier nur doggy und von den Spaniern einfach perro genannt wird, ist mittlerweile bekannt, wie der sogenannte bunte Hund. Jeder will ihn streicheln und mit ihm oder mir(?) ein paar Worte wechseln. Vor der Sportbar standen viele Leute und auch  die Personen, die eigentlich die Leute zum Eintreten in die Restaurants animieren sollen, schauten gespannt auf die Bildschirme. Ihre Kundschaft hatten sie offensichtlich vergessen, da Arsenal gegen Leeds Fußball spielte. Irgendwie schienen sich alle zu freuen, dass Arsenal kurz darauf gewann. Ich fragte mich, ob die Engländer hier wohl alle aus Arsenal (wo bitte ist das :-)) kommen? Gibt es niemanden aus Leeds?


Die Bildschirme gingen aus und ein Meat Loaf Doubel, das dem Original gewichtsmäßig in nichts nachstand, trat auf. Seine Musikstücke  erinnerten mich an meine Jugendzeit und so blieb ich trotz der fortgeschrittenen Zeit stehen. Die Britten, die sich intern im Pub streng nach England, Wales und Schottland sortiert gesetzt hatten, winkten mich näher. So setzte ich mich auf eine kleine Mauer vor dem offenen Auftrittsraum. Auch Hund machte Platz und lag vor der Mauer. Die Britten schienen sich so über Meat Loaf oder den Sieg von Arsenal zu freuen, dass sie in Kusslaune gerieten und doggy alias perro abknutschten. Richtig gehört. Nicht Hund knutschte sie ab, sondern sie knutschten hoch und runter den Hund ab. Jeder, der aus der Bar heraus kam oder in diese hinein ging oder sonst wie in unsere Nähe kam, weil er/sie zum Beispiel draußen rauchen wollte, knutschte und hing Hund am Hals. Einige vermissten nach eigenem Bekunden ihre in Britannien zurück gelassenen Haustiere und knutschten dafür doggy alias perro doppelt ab. Und auch junge Schwedinnen und Norwegerinnen ließen es sich nicht nehmen, doggy alias perro kniend zu umarmen. Mein Mann und meine Söhne wären neidisch auf Hundi geworden, wenn sie das gesehen hätten.


Mittlerweile fragte Meat Loaf jeden, woher er denn käme. Die meisten Zuhörer nannten englische Städte. Dann gab es noch ein paar Dänen, Schweden und Norweger, die jedoch allesamt nicht mehr so richtig sprechen konnten, da sie ein wenig stark dem Alkohol zugesprochen hatten. Meat Loaf nannte mich Germany, brachte mir persönlich ein Sitzkissen, streichelte doggy alias perro, der langsam genug von den vielen Streicheleinheiten hatte. Er rollte sich zusammen und fing wie ansonsten zu dieser Stunde, an zu schnarchen. Außerdem ging ihm anscheinend die laute Musik von Meat Loaf ein wenig auf die Nerven. Jedenfalls bedeckte er seine Ohren mit den Pfoten.
Meat Loaf widmete Germany ein Lied und verteilte inzwischen Länderpunkt. Ich als Germany erhielt 10, was wohl seine persönliche Höchstzahl war. Das hoffe ich jedenfalls. Wofür? Das erschloss sich mit nicht – wahrscheinlich für den Hund. Ihr seht, ich repräsentiere Deutschland im Ausland nicht schlecht :-).
Wie sieht es eigentlich zu Hause mit unserem offiziellen Repräsentanten (z.B. Bundespräsident) aus? Würden die auch 10 Länderpunkt erhalten? Da muss ich noch mal Meat Loaf fragen.


Meat Loaf beendete seinen Auftritt und reichte mir beim Herausgehen noch seine Visitenkarte und meinte, dass ich ihm auch auf Facebook folgen könne. Leider habe ich die Karte auf dem Nachhauseweg verloren. Nun kann ich ihm nicht auf Facebook folgen. Darüber war allerdings nicht einmal doggy alias perro wirklich traurig. Der meinte nach der Nacht auch norwegisch und schwedisch zu verstehen. Dabei hatte er gar nicht mitbekommen, dass die im Rausch heraus gebrachten Worte gar kein verständliches Nordländisch mehr waren.
Vielleicht hatten nicht nur die Britten zu viel getrunken, auch bei mir schlug der Weißwein langsam an. Da hier die Straßenreinigung wirklich gut funktioniert, war die Karte 5 Stunden später, als ich in der Straße meinen morgendlichen Jogginglauf absolvierte, bereits weg. Dies nächtliche Erlebnis, das mich erst um 2 Uhr in mein Bett brachte, wird einmalig bleiben. Ich sitze abends lieber wieder am Schreibtisch und höre den Wellen des Atlantiks zu.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag und vorsichtig sein, wenn Ihr an einem britischen Sport Pub vorbeikommt :-).

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Kommentare
  1. Himmelhoch sagt:

    Hallo – ich kann mich gut in deinen Hund hinein versetzen. Mir wäre es auch zu viel, wenn jeder glaubt, mir über den Kopf oder das Fell streichen zu müssen – möglichst noch gegen den Strich. Mir würde das – egal wie – im Laufe der Zeit auf jeden Fall gegen den Strich gehen.
    Mit liebem Gruß von Clara
    PS: Ich hatte Anna-Dienst, deswegen bin ich schon auf.

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  2. der_emil sagt:

    Oh, die Pubs. Und dann noch bei Fußball …

    Nun, ein wichtiges Element britannischer Kultur kennst Du jetzt aus eigener Erfahrung (wobei, so scheint mir, auch einige irische Einflüsse – das Singen – dabeiwaren).

    Viel Spaß noch auf der Insel.

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  3. Elvira sagt:

    Mein Lieblingswort in diesem Post ist „DRAUßEN“ – draußen sitzen, Mond gucken und Musik hören. Scöööööööööööön!
    Liebe Grüße,
    Elvira

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  4. fudelchen sagt:

    Tolle Mondfotos!!

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  5. M. sagt:

    Meat Love und deine Fotos erinnern mich an einen Mann und das Lied von diesem Sänger. Ich war seine Blindbat und er sang für mich einmal „Blind is a Bat“. Wenn ich daran denke, wird mir das Herzel schon bissel schwer…

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  6. Gabi sagt:

    Auch wenn Du Deine Abende gerne alleine verbringst, ist es sicher auch nicht so schlecht, mal einen Abend in Gesellschaft zu verbringen. Immerhin lernt man ja auch dadurch andere „Sitten und Gebräuche“ kennen. 🙂
    Dein Hund wird aber wohl eher froh sein, abends gemütlich auf seiner Decke verbringen zu dürfen. 🙂
    lg Gabi

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  7. sucherin sagt:

    Stimmt alles, insbesondere der Hund liegt lieber auf der Decke als Meat Loaf zu Füßen 🙂 Liebe Grüße zurück

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  8. Vallartina sagt:

    Man muss schon hin und wieder unter die Leute, war doch sichtlich eine amüsante Abwechslung. Und wenn ich mich recht erinnere, geht man in Spanien ohnehin erst geben 22 Uhr ausser Haus auf ‚copas‘ mit netten Leuten!
    Mach’s gut!

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    • sucherin sagt:

      Stimmt, eine amüsante Abwechslung stellte der Abend für mich und Hund bestimmt dar. Dennoch merke ich im Alter 🙂 langsam immer mehr, dass ich die späten Zeiten nicht mehr so gut wegstecken kann, wie früher. Liebe Grüße

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