Wanderung durch die Masca Schlucht – Teil 3 – gestrandet und aufgelesen

Veröffentlicht: 20. Januar 2012 in Reisen 2012, Tiere
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In den beiden letzten Teilen über meine Wanderung durch die Masca Schlucht habe ich Euch von meinem Weg durch die Schlucht vom Dorf Masca Richtung Meer erzählt. Am Ende der Wanderung landete ich an einer steinigen Bucht und hatte den Atlantik vor mir. Hinter mir lagen die hohen Felsen, über die nun gegen Mittag langsam die Sonne kam. Und keine Menschenseele war zu sehen. Auch ein Boot, das mich hätte nach Puerto Santiago zurückbringen können, konnte ich nicht erspähen. Es gab nur Möwen und das Rauschen der Wellen.

Doch da tauchte hinter einem Gebüsch wieder die Frau mit einem grellen grünen T- Shirt auf. Die hatte ich vorher bereits gesehen, bevor sie verschwunden war. Vielleicht hatte sie hinten in den Büschen ein kleines Nickerchen gemacht. Sie sagte mir, dass ich viel zu früh hier unten sei und das Schiff erst in einer Stunde kommen würde. Baden könne ich auch nicht, da überall Feuerquallen seien. Von den Feuerquallen hatte ich bereits in Puerto Santiago gehört. Dort sind die Strände aus diesem Grund bereits Tage lang abgesperrt.

So setzte ich mich mit dem Hund auf eine Art kleine gemauerte felsige Insel im Meer, die über einen schmalen Steg zu erreichen war und an der das Boot anlegen sollte. Ich trank Wasser und teilte mit Hund das mitgebrachte Essen. Dann hatte ich viel Zeit einfach nur die Natur zu genießen und nachzudenken.

Es war kein weiterer Wanderer in Sicht und das Schiff kam nicht in einer, sondern erst nach zwei weiteren Stunden. Der Grund für die Verspätung war die Walbeobachtung. Wie ich später erfuhr, waren die Wale an dem Tag sehr weit draußen, so dass das Schiff, das Personen vor der Mascaschlucht aufnimmt, spät dran war. Fahrpläne scheint man nach meiner Erfahrung hier auf der Insel ohnehin nur als Richtlinien zu betrachten.  Also saßen Hund und ich auf einer kleinen Insel im Meer und schauten ins Wasser, um Feuerquallen anzusehen, die sich dort reichlich tummelten.

Dann bekam ich doch noch Gesellschaft. Ein junges spanisches Paar, das hier wohl irgendwo zwischen den Felsen übernachtet hatte, tauchte plötzlich auf der kleinen Insel auf. Sie zogen sich nackt aus und sonnten sich neben mir. Ein wenig unterhielten wir uns auch – jedenfalls soweit es meine Spanischausdrücke zuließen. Beide standen auf und machten Bewegungen, als wenn sie gleich von oben ins Wasser springen wollten. Ich erzählte ihnen schnell von den Quallen. Sie bedankten sich artig für den Hinweis und sprangen beide gleichzeitig in einem hohen Bogen wie die Delphine von oben von der Insel ins Meer.

Ich war ein wenig erschrocken und hatte einen Moment nicht auf meinen nun wieder angeleinten Hund geachtet. Es gab einen dritten Platsch und Hund schwamm mit den beiden freudig im Atlantik herum. Die beiden lachten und schwammen wie Tümmler. Alle hatten sichtlich Spaß (mit den Feuerquallen?). Hund konnte jedoch nicht mehr aus dem Wasser heraus, was er erst recht spät merkte. Er rutschte unten an der Insel an den steilen Felsen ab. Da schnappte sich der Mann meinen grossen zappelnden Hund, nahm ihn auf den Arm und stieg eine ca. zwei bis drei Meter hohe aus dem Wasser führende Eisenleiter hoch.

Hund und ich waren glücklich über das Wiedersehen. Bilder habe ich vor Schreck nicht gemacht. Ich bedankte mich für die Rettung und Hund zog es nun vor, bis zur Ankunft des Schiffes auf weitere Bäder zu verzichten und ein wenig zu schlafen. Als das verspätete Schiff kam, kletterten Hund und ich wie Gerettete an Bord und ließen uns für 10 Euronen zurück nach Los Gigantes bringen. Nun waren wir beide doch ein wenig erschöpft. Mir hat die Wanderung jedoch so gut gefallen, dass ich ernsthaft am Überlegen bin, das gleiche nächsten Sonntag noch einmal zu machen. Dann werde ich die Schlucht hoch und runter gehen. Nun kenne ich ja den Weg.

Sollte jemand von Euch jemals nach Masca kommen, kann ich diese Wanderung nur empfehlen ( sofern ihr sichere „Wegfinder“ seid). Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag.

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Kommentare
  1. Himmelhoch sagt:

    Das Wasserfoto mit den Lichtreflexen sieht aus wie ein surrealstisches Gemälde – einfach toll. – Um einen Weg – und dann gar noch in der wilden Natur – wiederzufinden oder zu erkennen, müsste ich ihn mindestens 10x gegangen sein. Ich bin ein Navigations-Hornochsen-Talent – die Navis sind extra für mich erfunden worden (behauptet mein Sohn, dieser Schelm).
    Das trainiert die Beinmuskeln.
    Lieben Gruß von Clara

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    • sucherin sagt:

      Man sagt den Frauen ja allgemein nach, dass der Orientierungssinn nicht so gut sei. Allerdings hatte ich das bei mir bisland nicht festgestellt. In der Mascaschlucht zweifelte ich dann aber langsam doch .-) Liebe Grüße

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  2. fudelchen sagt:

    Das liest sich recht spannend und was sich so alles in einer Schlucht versteckt hält, das hätte ich nicht gedacht.
    Waren es denn nun wirklich Feuerquallen??

    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße

    Marianne 😉

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    • sucherin sagt:

      Ja, tatsächlich Feuerquallen. Es muss hier in den letzten Tagen in der Gegend auch einige ziemlich schwer „Verletzte“ gegeben haben. Die meisten Strände sind immer noch mit dem Hinweis auf Feuerquallen gesperrt. Als das junge Paar und mein Hund im Wasser waren, war wie durch Glück oder Zufall gerade keine Feurqualle da. Kurz danach habe ich die Fotos gemacht, auf denen man die Quallen zugegebener Maßen nicht so gut erkennt. Liebe Grüße

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  3. Anna-Lena sagt:

    Ende gut – alles gut 🙂

    Danke für diesen tollen Bericht und die Fotos. Als Erdkundelehrerin hab ich es sehr mit Schluchten und Steinen und so…ein wahrer Augenschmaus.
    Aber dein Hund ist auch ein sehr attraktiver 😉

    Liebe Grüße zu dir,
    Anna-Lena

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    • sucherin sagt:

      Vielen Dank. Steine waren in der Schlucht wirklich genügend. Auch viele kleine von Menschenhand aufgebaute Wegweiser (?). Ich glaube, dass ich bei FlickR ein Foto von einem solchen Stapel hochgeladen habe. Liebe Grüße

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  4. der_emil sagt:

    Dein Hund ist doch immer wieder für eine Überraschung gut.

    Heute saß ich sozusagen auch auf dem Inselchen – schön beschrieben.

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  5. Gabi sagt:

    Danke für die schöne Beschreibung Deiner Wanderung und den Aufenthalt am Strand. Schade, dass das baden wegen der Feuerquallen nicht empfehlenswert war. Mich wundert nur, dass es den beiden nichts ausgemacht hat. Und Gott sei Dank hast Du ja auch mit Hilfe des Mannes Deinen Hund wieder aus dem Wasser rausgebracht. 🙂
    lg Gabi

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    • sucherin sagt:

      In dem Moment als das Paar mit dem Hund im Wasser war, war gerade keine Feuerqualle zu sehen. Kurz danach habe ich die Fotos gemacht und alles war voll von den Tieren. Glück gehabt. Liebe Grüße

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  6. Elvira sagt:

    Dein Hund hat seinen Artgenossen – aber auch eurer Katze – sehr viel zu berichten, wenn er wieder in Deutschland ist. Meinst Du nicht, es könnte ihm ein wenig langweilig werden?
    Liebe Grüße,
    Elvira

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  7. Da hat Hund ja für einige Schrecksekunden gesorgt…
    Schöne Bilder (wie immer), und bestimmt eine tolle Tour, aber ich würde mich da hoffnungslos verirren. 🙂 Ich habe nullkommagarkeinen Orientierungssinn…

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  8. […] eine kleine Muschel in mein Gepäck geschlichen. Vielleicht erinnert Ihr Euch. Ich hatte darüber berichtet, wie ich bei meiner ersten Wanderung durch die Mascaschlucht unten auf einer kleinen Insel lange […]

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