Archiv für 28. Januar 2012

Ich erinnere mich, dass mein Vater, als ich ungefähr fünf Jahre alt war, einen Reiseprospekt mit nach Hause brachte. Der Prospekt war nicht so aufwändig wie die heutigen Prospekte. Heute würde man Flyer in schwarz weiß zu dieser kleinen Broschüre sagen. Vorne auf diesem gefalteten Prospekt, der für Urlaub im Harz warb, war ein kleiner Bach abgebildet, in dem große Steine lagen. Über diese Steine sah man Wanderer den Bach überqueren. Mich hat dieses Bild als Kind auf seltsame Weise fasziniert. Ich sehe es noch heute nach so vielen Jahren bildlich vor mir.

Ich wünschte mir damals sehr, auch einmal über so einen Bach mit Steinen gehen zu können. „Wenn wir Urlaub im Harz machen, kannst Du auch über so einen Bach springen“, erklärte mir mein Vater. Leider kam es aus vielerlei Gründen und familiären Verpflichtungen meiner Eltern weder zu diesem noch zu einem anderen Urlaub. Es mussten andere Wanderer über den Bach von Stein zu Stein hüpfen. Ich habe das Bild jedoch nie ganz vergessen.

15 Jahre später hatte ich einen Freund, der im Harz studierte und war häufiger zu Besuch im „westlichen Harz“. Da hatte ich endlich die Gelegenheit nach so einem Bach, wie ich ihn auf dem Prospekt gesehen hatte, zu suchen. Ich wollte immer noch gerne einen Bach auf den darin liegenden Steinen überqueren. Leider habe ich den Bach im Harz nie gefunden.  Ich bin allerdings überzeugt davon, dass es sicherlich solche Bäche dort in Vielzahl gibt.

In späteren Jahren bin ich viel gereist und der Bach war ganz langsam ein wenig  in meinem Kopf verblasst. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dass ich ihn irgendwo auf der Welt in meinen späteren Jahren gesucht oder einen ähnlichen Bach je gefunden hätte. Bis ich nach Masca kam

Bei meiner einsamen Wanderung durch die Mascaschlucht waren häufig Wasserläufe auf Steine zu überqueren. Ich merkte, dass es mir eine große Freude machte, von Stein zu Stein zu springen. Ich hatte auch überhaupt keine Angst, dass ich abrutschen könnte. Jede Gelegenheit, die sich bot, nutzte ich, um auf den Steinen die Wasserläufe zu überqueren. Mir wurde immer bewusster wie glücklich mich das machte. Und auf einmal wusste ich warum. Das verblasste Bild aus der Kindheit tauchte wieder auf. Ich sah das Bild mit dem Bach aus dem Harz vor mir und spürte ganz intensiv meinen einstigen tiefen Wunsch, dort am Bach zu sein und über die Steine zu springen. Und die Wasserläufe vor mir in Masca waren noch um einiges größer als der Bach in meinem Kopf und nach meinem Gefühl, auch schöner ( da nicht in schwarz weiß). Ein Kindheitswunsch war erfüllt und ich glücklich.

Kennt Ihr auch Wünsche, die aus der Kindheit stammen und nach so vielen Jahren wieder auftauchen?

Ich danke Euch für Eure tollen Hinweise gestern zum Umgang mit alten Blogeinträgen und wünsche Euch allen einen wunderschönen Tag.

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