Lasko denkt – Worte und Holz sammeln

Veröffentlicht: 29. April 2013 in Lasko denkt 2013, Leonies Leben 2013, LeoniesLeben, Reisen 2013
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Lasko denkt

Lasko denkt

Gestern – Leonie hatte Besuch. Die Nachbarn, deren Kinder (die sehen allerdings nicht mehr wie Welpen aus und sind wohl auch schon fast 40 Menschenjahre alt) heute nach England zurückfahren, waren gekommen, um sich zu verabschieden. Alle Zweibeiner saßen um den großen Tisch, tranken Bier und Wein und unterhielten sich nett. Ich lag lang ausgestreckt auf den von der Sonne erwärmten Fliesen auf der Terrasse und genoss den milden Abendwind. Ab und zu öffnete ich ein Auge, um zu schauen, ob etwas Essbares in der Nähe gelandet war. Ein Insekt, ein Knochenrest – ich bin immer auf der Hut. Und wenn jemand zu dicht an unsere Haustür kommen sollte, kann ich von Null auf Hundert aus dem Tiefschlaf aufspringen und zur Haustür flitzen.

Doch gestern rührte sich nichts. Es flog mir keine gebratene Taube ins Maul und auch an unserer Haustür ließ sich niemand sehen. So träumte ich weiter vor mich hin. Wortfetzen drangen an mein Ohr. Es ist schon witzig, wie lange und ausführlich sich Zweibeiner so unterhalten können. Wir Hunde fassen uns da wesentlich kürzer. Wir benötigen auch nicht so viele Worte, um einen kurzen Sachverhalt  auszudrücken. Manchmal reicht ein lautes Wau zur richtiges Zeit gebellt und die Situation ist für alle Beteiligten klar.

Doch Menschen reden und reden. Ab und zu reden sie auch immer wieder das Gleiche. Jedenfalls hört sich das für mich so an. Es scheint aber auch Zweibeiner zu geben, die einen unheimlichen Rededrang haben und andere Zweibeiner regelrecht zureden. Andere hingegen sagen sehr wenig, nicken ab und zu vor sich hin und sagen dann etwas, wenn es tatsächlich etwas zu sagen gibt. „Die Menschen sind halt unterschiedlich, Lasko“, hat Leonie mir mal erklärt. „Doch mit Worten sollte man grundsätzlich ein wenig vorsichtig umgehen. Ich denke, dass Worte andere Menschen auch manchmal richtig tief verletzen können. Und wenn sie einmal gesagt sind, sind sie in der Welt. Und es ist sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, sie wieder einzusammeln“. Meinte Leonie das ernst? Worte einsammeln? Das geht doch gar nicht. Aber da liegt wahrscheinlich auch ein ganz großer Unterschied zwischen Euch Zweibeinern und uns Hunden.

Wenn wir uns einmal richtig sauer sind, dann bekommt das unser Gegenüber unmittelbar ins Gesicht gebellt. Wir erklären uns direkt und die Situation wird sofort und augenblicklich im hier und jetzt abschließend geklärt. Wenn Ihr Zweibeiner böse miteinander seid, ist das alles viel komplizierter. Manchmal schreit ihr Euch an oder sprecht eine Weile überhaupt nicht mehr miteinander. Ab und zu seit ihr über Wochen beleidigt oder nachtragend. Ihr verletzt Euch ab und zu auch immer wieder aufs Neue. Und manchmal eskaliert die Situation von Tag zu Tag mehr und keiner mag nachgeben. Falsche Worte am falschen Ort zur falschen Zeit. Entstehen so Kriege?

Wenn ich über Eure komplizierte Kommunikation nachdenke, dann bin ich richtig froh, einfach nur ein Hund zu sein.

Heute – da wir keine Worte einsammeln können, haben wir am Strand trockenes Holz gesammelt. Damit will Leonie die Terrasse ein wenig dekorieren. Das habe ich erst nicht so richtig verstanden. Immer wenn sie einen langen Ast aufhob, wollte ich danach springen und dachte sie wollte mit mir spielen. So war die Dekoration bereits ruiniert, bevor Leonie sie mit nach Hause nehmen konnte. „So kommen wir nicht weiter“, sagte Leonie nach einiger Zeit. „Lasko, wir teilen. Ein Stock für Dich zum Holen und Zerknabbern und einer für mich“.

OK, das war eine faire Lösung. Leonie warf einen Stock ins Wasser und während ich ihn holte und tot biss und dann in kleine Stücke verarbeitete, sammelte Leonie einen für sich auf. So hatte sie bald einen Rucksack voll Holz und ich hatte einen Riesenhaufen Kleinholz. Aber ich glaube, dass sie mich ein bisschen angeschmierrt hat. Sie hat sich immer die schönen dicken Stöcke in den Rucksack gesteckt und mir die alten verfaulten Stöckchen ins Wasser geworfen. Aber ich hatte so viel Badespass, dass ich ihr verziehen habe. Und die Dekoration ist ja auch nicht aus der Welt :-).

Morgen – Leonie will mit ihrem Spanischprogramm neue Wörter auf Spanisch lernen. Ist eine Sprache mit so vielen Wörtern nicht genug? Nein, Ihr Zweibeiner findet ständig neue Möglichkeiten, noch ein paar Wörter mehr zu lernen, die Ihr dann in die Welt setzt und genau wie die Worte, nicht mehr einsammeln könnt. Wau, ich habe gesprochen.

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Kommentare
  1. „Es gibt Tage, da wollt‘ ich, ich wär ein Hund“ – das hat schon R. May klug gesungen, ich kann ihm nur zustimmen.

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  2. meintagesablauf sagt:

    Lasko,du hast es wirklich gut. Badespass und Stöckchen holen. Was ist das schön. Die Deko auf der Terrasse würde ich lieber liegen lssen, das könnte sonst richtig Ärger geben. Genieße den Tag und lass dich verwöhnen.
    Leonie, dir wünsche ich viel Freude beim Lernen. Hab einen schönen Tag.
    LG Gabi

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  3. aquasdemarco sagt:

    Ich denke ein Großteil der Kriege des letzten Jahrhunderts hatten nur mit einem Wort zu tun, „Geld“. Manchmal nicht direkt, aber in der letzten Konsequenz.
    Seufz, eigentlich nur ein Tauschmittel. Als zweites Wort wuerde mit Gier einfallen.
    Ja, Worte sind spannend und auch Hunde streiten um Knochen. Das Problem mit den Wörtern ist, sie spucken immer im Kopf rum und formen neue Gedanken und die machen fast nie Pause, da waere spannend wie es bei Tieren ist. Viele Menschen haben Angst vor Gedankenpausen und machen alles Mögliche damit keine Stille herscht

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  4. Dass dann als nächstes die Deko dran ist, ging mir als erstes durch den Kopf! *gg

    Aber Lasko, hör mal: Du könntest doch mit Leonie zusammen Spanisch lernen, dann verstehst Du die Zweibeiner auch besser und kannst vielleicht nachvollziehen, warum manche Wörter voll doof sind und andere wunderschön! Das lenkt dann auch von den verführerischen Stöckchen auf der Terrasse ab! ;o)

    Ich wünsche Euch beiden einen tollen Tag! ☼

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  5. Gabi sagt:

    Lasko, sei froh. Du brauchst als Hund nicht nur so viele Worte wie wir Menschen, um dich auszudrücken, Du brauchst ja auch keine Fremdsprachen. Ihr Hunde könnt Euch ja überall auf der Welt untereinander verständigen. Ist doch ein Vorteil, oder?
    LG gabi

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