Halong Bucht – auf schwimmenden Kähnen in bizarrer Landschaft

Veröffentlicht: 21. September 2013 in Leonies Leben 2013, LeoniesLeben, Reisen 2013, Vietnam
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bizarre Felsen

bizarre Felsen

Die Tage in Hanoi vergingen schnell und ich gewöhnte mich sogar daran, über die mit Motorrollern überfüllten Straßen zu wandern ohne nach rechts und links zu sehen. Ich ging wie die Vietnamesen einfach langsam weiter gerade aus. Dabei flüsterte ich vor mich hin: „ Nicht stoppen, immer weiter gehen“. Nein, auch der große Lastwagen, der direkt auf mich zurollte und die ca. 30 Motorroller, die Kurs auf mich zu nehmen schienen, hielten mich nicht vom weitergehen ab. Und ich erreichte tatsächlich ohne Kollisionen die andere Straßenseite. Das System der Straßenquerung ist für mich – und vielleicht auch für andere Europäer – recht gewöhnungsbedürftig, aber es scheint recht gut zu funktionieren. 

In den unzähligen Garküchen am Straßenrand probierten wir die ersten vietnamesischen Köstlichkeiten. Es gibt Reis mit viel frischen Gemüse und Kräutern versehen. Dazu verschiedene Fleischsorten oder auch Meeresfrüchte. Zum Nachtisch zumeist einige Scheiben frische Ananas oder Melone.

Nach meiner Erfahrung in anderen asiatischen Ländern ist das Essen in den vielen kleinen einheimischen Garküchen weitaus frischer und leckerer als in vielen der  großen Hotels. Und das scheint auch hier in Vietnam nicht anders zu sein.

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Nach drei Tagen in Hanoi ging es in die Halong Bucht. Der große Bus, der uns abholte, schien schon einige Jahre auf dem Buckel zu haben und machte zudem recht undefinierbare Geräusche. Allerdings fuhr er noch und brachte uns zusammen mit fünf anderen Touristen, die aus Israel, Polen und der Schweiz kamen, Richtung Ostküste. Es ging vier Stunden über äußerst ruckelige Straßen, vorbei an vietnamesischen Dörfern und großen Reisfeldern. Nach vier Stunden erreichten wir einen Hafen, in dem einige Ausflugsdampfer auf die Touristen warteten. Auch die Schiffe schienen ihre beste Zeit vor mehr als einem halben Jahrhundert gehabt zu haben. Die rostigen und zumeist ein wenig herunter gekommen aussehenden Schiffe wirkten auf mich, als wenn sie mehr oder minder von der Farbe zusammengehalten würden.

 

schwimmendes Hotel

schwimmendes Hotel

Mit unserem vietnamesischen Reisebegleiter, der ein wenig Englisch sprach und Tickets für uns kaufte, betraten wir unser Schiff. Wir bekamen jeder unsere Kabine und  kurz nach dem Ablegen bereits ein sehr reichhaltiges und leckeres vietnamesisches Essen. Im Verlauf des weiteren Tages fuhren wir langsam durch eine sehr bizarre Landschaft, die geprägt ist von vielen Inseln, die aus dem Meer herausragen. Es sollen ungefähr 3000 Inseln, bestehend aus grün bewachsenen Kalkfelsen, sein, die hier vor der Ostküste Vietnams im Meer liegen. Obwohl es teilweise bewölkt und auch ein wenig dunstig war, konnte ich mich gar nicht satt sehen an den unterschiedlich geformten Inseln. Eine dieser Inseln ist auf einem vietnamesischen Geldschein wieder zu finden.

 

in der Höhle

in der Höhle

Auch das Geld hier musste ich zunächst handhaben lernen. Ich bin zwischenzeitlich zu einer Millionärin avanciert. Ich habe einige Millionen Dong bei mir. 1€ ist ungefähr 27.000 vietnamesische Dong. So schmeiße ich mit den 10.000 Scheinen bei jedem Essen um mich. Dass die Vietnamesen häufig die letzten drei Nullen weglassen, soll den Handel vereinfachen, führt aber auch ab und zu zu Irritationen.

 

Geld

Geld

Auch das Handeln um jede Wasserflasche muss ein wenig eingeübt werden. Langsam bekomme ich ein Gefühl für die örtlichen Preise. Jedenfalls für die örtlichen Touristenpreise, die ohnehin immer über den ortsüblichen Preisen liegen. Aber das ist in diesem Land, in dem die meisten Menschen weitaus ärmer als jeder Vietnamreisende sind, meines Erachtens auch bis zu einem gewissen Grad in Ordnung. Solange nicht gestohlen und betrogen wird, darf der Touristenpreis ruhig ein wenig nach oben vom ortsüblichen Handelspreis abweichen.

 

Halong Bucht

Halong Bucht

Auch Trinkgeld für kleine Dienstleistungen wird überall gerne und dankbar entgegen genommen. Am ersten Tag war ich so müde, dass ich meinte mit 1000 Dong jemanden belohnen zu müssen. Als ich erkannte, dass ich ihm gerade 3 Pfennig in die Hand gedrückt hatte, schob ich beschämt schnell noch eine 2 Dollarnote hinterher. Ja, alles ist hier neu um mich herum und so lerne ich täglich dazu.

 

Dorfleben

Dorfleben

Zurück auf unser mit weißer Farbe zusammengehaltenes Boot. Der warme Fahrtwind auf dem Oberdeck verführte dazu, auf  den bequemen Sonnenliegen zu einem kleinen Nickerchen nieder zu sinken. Doch dafür blieb wenig Zeit, denn bereits nach  kurzer Zeit ankerten wir und wurden mit einem kleinen Beiboot an Land gebracht. Dort führte uns unser Guide einen Berg auf steilen Stiegen hinauf und wir besichtigten eine große beleuchtete Höhle. Dieser Teil der Halong Bucht gehört  zum Weltkulturerbe. Die Höhle war innen hübsch angelegt und offensichtlich für die Touristen hergerichtet. Die Wasserfälle waren nicht alle natürlich, obwohl es wirklich schön aussah, wie das Wasser über die beleuchteten Steine floss.

Schule ist aus

Schule ist aus

Zurück auf dem Boot ging die Fahrt weiter. Wir hielten in einem der vielen schwimmenden Dörfer in der Halong Bucht. Alle Häuser schwimmen und sind von den anderen separiert und nur per Boot zu erreichen. Da die Kinder praktisch schwimmend aufwachsen, wundert es nicht, dass man hier schon dreijährige allein große Boote bewegen sehen kann. Es gibt ein Schulhaus und einen Tempel, einen Kaufmannsladen und schwimmende Händler. Einfach all das, was auch zu einem normalen Dorf gehört.

Wir durften uns nun bereit machen, in ein Kajak umzusteigen. Zu zweit in einem  Kajak erkundeten wir für eine Stunde die nähere Umgebung des schwimmenden Dorfes. Im klaren Wasser ging es vorbei an den Felsen und unter kleinen Felstunneln hindurch in einsame Buchten. Danach fuhren wir durch die Wasserdorfstraßen und konnten interessante Einblicke in das dörfliche Leben gewinnen. Ich sah auf den einzelnen Hausinseln auch viele Hunde und musste unwillkürlich an meinen Lasko im fernen Dänemark denken.

Nach diesem interessanten Paddeltrip fuhren wir in den Sonnenuntergang und ankerten in einer großen Bucht. Dort hatten wir dann Gelegenheit zum Schwimmen. Das Wasser war angenehm warm und nach dem heißen Tag tat die Erfrischung wunderbar gut.

Sonnenuntergang über der Bucht

Sonnenuntergang über der Bucht

Später gab es ein reichhaltiges Abendessen und danach noch eine Feier an Bord, da der Kapitän Geburtstag hatte. Doch ich war sehr müde und schlief recht früh in meiner Kajüte ein. Ich wachte von einem Donnerschlag auf. Ein Gewitter mit riesigen Blitzen, Donnerschlag und heftigen Regen zog über die Bucht. Der Sturm war so stark, dass alle Pflanzen auf dem Oberdeck durcheinander wirbelten. Es knallte und donnerte. Der Kapitän erzählte uns, dass zurzeit in Mittelvietnam ein Taifun durchziehe und es sich bei diesem Sturm um die Ausläufer handele. Doch nach dem langen Tag war ich so müde, dass ich irgendwann auch mit Sturm, Gewitter und Taifun einschlief.

 

Fortsetzung folgt

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Kommentare
  1. Schöne Reisegedanken sind das. Die Sache mit dem Geld und den Millionen haben wir vor Jahren in Polen erlebt – da war ich auch zigfache Millionärin.
    Danke für deine Mail.

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  2. aquasdemarco sagt:

    Ein Drachenboot, lach…mein Jahrestier.
    Schoenes, buntes Geld:-).

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  3. Der Emil sagt:

    Freut mich zu hören, daß es Dir wirklich gut gefällt und auch gut geht!

    (Ach, was mich noch freut: Deine Schrift ist größer geworden – ich kanns ohne Brille lesen.)

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  4. Was für ein schöner Reisebericht und sehenswerte Fotos, liebe Leonie! Mit dem Gewitter hätte ich ernsthafte Schwierigkeiten gehabt. Das wär’s dann aber auch gewesen, wovor ich zurück schrecken würde. Dein Bericht liest sich sehr „mitnehmend“ und macht Lust darauf, es selbst auch zu erleben. Wunderbar, es gefällt mir sehr! ▲

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  5. tonari sagt:

    Eine Reise nach Vietnam steht auch bei uns ganz oben auf der Wunschliste. Und schöne Bilder hast Du uns zum Schmackhaftmachen mitgebracht. Sturm, Gewitter und Rostboote hätten meine Reiselaune aber bestimmt auch in den Keller sinken lassen.

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  6. Die asiatischen Garküchen sind ein Quell asiatischer Kochkunst. Mit der Küche der Einheimischen fährt man normalerweise immer gut. Die Ware ist frisch, gekocht wird frisch und es schmeckt.

    Die Trinkgeldsituation in Urlaubsländern ist auch für mich immer wieder eine undurchsichtige Angelegenheit am Anfang des Urlaubs. Einerseits will man die Erwartung gegenüber nachkommenden Touristen nicht verderben, andererseits will man auch, dass die oder der Einheimische für seine Leistung auch belohnt wird.

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  7. Vallartina sagt:

    Einfach stark, Deine Berichte! könntest Du bitte in der nächsten Garküche eine kleines Portiönchen Pikant-Leckeres für mich mitessen? 🙂

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  8. Gabi sagt:

    Schöne Eindrücke und viele Neuigkeiten für mich, die Du da erzählst. Diese schwimmenden Dörfer finde ich sehr interessant.
    LG Gabi

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  9. leonieloewin sagt:

    Mir gefielen sie auch sehr. Ich hätte stundenlang beobachten können, was da so auf den schwimmenden Häusern passierte. LG Leonie

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