Mit dem Nachtzug nach Sapa in die nördlichen Berge Vietnams

Veröffentlicht: 23. September 2013 in LeoniesLeben, Reisen 2013, Vietnam
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Blick auf Sapa

Blick auf Sapa

Als wir von dem Ausflug in die Halong Bay nach Hanoi zurückkehrten, wurden wir von der Rush Hour und Tausenden von Motorrollern empfangen. Meter für Meter kämpfte sich unser Bus, der trotz aller Altersschwäche uns tatsächlich lebend zurück gebracht hatte,  den Weg in die Altstadt zurück. Wir stiegen aus und waren sogleich von einer Menschenmenge umgeben. Doch es blieb nicht viel Zeit zum Nachdenken und auf die vielen Kaufofferten, die uns in allen möglichen Sprachen entgegengeschleudert wurden, einzugehen. Denn wir mussten uns durch das Menschen- und Scootergewühl zu der kleinen Reiseagentur durchschlagen, in der wir unsere Fahrkarten für den Nachtzug nach Sapa erhielten. Schnell noch ein leckeres Reisgericht am Straßenrand und die Wasservorräte auffrischen und dann war es auch schon Zeit mit dem bestellten Minibus zum Bahnhof zu fahren. Doch der Bus, der um 19.30 Uhr kommen sollte, war um 20.15 Uhr immer noch nicht da. Langsam wurde nicht nur ich, sondern auch der Besitzer der kleinen Reiseagentur unruhig. Ich schlug vor, einfach eines der zahlreichen Taxis zu nehmen, die nahezu im Sekundentakt an uns vorbeifuhren und uns an jeden Ort der Welt bringen wollten.

Doch der freundliche Herr aus der Garküche von Nebenan, bei dem wir uns noch ein Tiger Bier gegönnt hatten, meinte: „Ganz ruhig bleiben. Der Bus kommt gleich“. Das hörte ich nun  bereits seit über einer Stunde. „Gleich“ schien ein sehr weiter Begriff zu sein. Unruhig sprang ich von einem Bein auf das andere. Auf meine im Minutentakt auf den Besitzer der Reiseagentur einprasselnden Fragen, wann denn nun der Bus käme und wann gleich sei, wechselte er vom englischen „soon“ auf „now“. Das half leider auch nicht, denn der Bus kam weder gleich noch jetzt. Was tun? Um halb neun war ich endlich erlöst. Der Minibus, der uns zu dem 21.00 Uhr Zug bringen sollte, kam endlich. Der Fahrer des Minibusses stopfte uns zu den anderen 12 Reisenden, die bereits mehr oder minder gestapelt im Wagen saßen, eilig dazu. Die Rucksäcke wurden den freien Luftraum verfrachtet. Und dann ging es im rasanten Tempo ab zum Bahnhof.

Auf dem Weg zum Bahnhof kamen noch fünf weitere Reisende dazu. Wie der Fahrer dieser Kunststück mit uns vollbrachte, war mir nicht klar, aber ich war nach der Warterei ohnehin in Schweiß aufgelöst und hoffte nur, dass auch dieser Minibus seine wilde Fahrt noch ohne weitere Zwischenfälle überstehen möge. Als der Fahrer den Wagen am Bahnhof öffnete, purzelten wir ihm samt Rucksäcken wie Lebendware entgegen. Auf lauten Zuruf folgten wir einer  Vietnamesin, die uns den Weg zeigen sollte. Im Eilschritt ging es über einen Nachtmarkt und kurz vor Neun Uhr durch eine belebte Ladengasse, im Laufschritt über den großen Bahnhofsvorplatz und direkt in die Bahnhofshalle und dann über die Geleise. Nebenbei zeigten wir noch unsere Fahrkarten an den diversen Kontrollen und verloren dabei eine Mitreisende, die ihr Zugticket nicht erhalten hatte. Sie folgte, wie wir später erfuhren, dann  einen Zug später.

Der dunkle Nachtzug, der die 300 Kilometer nach Sapa in 9 Stunden ohne Halt zurücklegt, wirkte ein wenig wie aus einem anderem Jahrhundert. Drinnen war er aus Holz und recht düster. Eigentlich erwartete ich nun Ho Chi Minh zu treffen. Der schien jedenfalls vom Alter zum Zug zu passen. Wie in einem alten Schwarzweiß Film schwenkten diverse  Schaffner alle paat Meter alte, aber hell leuchtende Signallaternen.  Wir liefen auf dem Schotter ohne Bahnsteig zwischen zwei Zügen entlang und ließen uns den Weg von den ihre Signallaternen schwenkenden Zugbegleitern weisen. Dann stiegen wir in den Wagen Nummer 17 und suchten unsere Holzpritschen im   dunklen Zug. Jeder Wagen war mit einem eigenen Schloss zum nächsten Waggon und zudem auch nach draußen verschlossen.

Hoch oben auf unserer Holzpritsche lagen wir kurze Zeit später je zu viert in den Abteilen. Dann ruckelte der Zug los. Und das Geruckel ging mal mehr und dann wieder weniger ununterbrochen die nächsten 9 Stunden weiter. Doch irgendwann schlief ich nach dem langen Tag auch und vielleicht gerade wegen dem ermüdenden Geruckel ein. Abrupt wurde ich morgens um fünf Uhr aufgeweckt, als der Schaffner die Türen aufriss und uns bedeutete, dass wir gleich da wären. Wir machten den Fehler einen Kaffee zu ordern. Der war nicht nur für die örtlichen Verhältnisse recht teuer, sondern schien aus 90% Zucker zu bestehen. Für mich leider ungenießbar. Zudem versuchte der Schaffner den alten Trick, dass kein Wechselgeld da sei, um sich auf diese Art sein Privatbudget ein wenig auszubauen. Da sein ganzes Gebahren nicht gerade von Freundlichkeit geprägt war und er in seiner Uniform fast bedrohlich wirkte, ließen wir ihm diese Masche nicht durchgehen.

Auf dem Bahnhof Lao Cai angekommen, war ich noch  ein wenig schlaftrunken als wir wieder in Minibusse verladen und eine Stunde hoch in das Gebirge in den Gebirgsort Sapa gebracht. Wir erlebten unterwegs einen herrlichen Sonnenaufgang über den Reisfeldern und den Bergen. Im Hotel angekommen, konnten wir zwar noch kein Zimmer beziehen, jedoch uns wenigstens duschen.Was für ein schönes Gefühl nach zwei Tagen auf Reise wieder sauber und frisch zu sein. Zudem ist die Luft in Sapa, das auf 1500 Höhenmeter und nur 40 Kilometer von der chinesichen Grenze entfernt liegt, sauber und klar. Nach der dicken Luft in Hanoi machte hier das Durchatmen wieder Spaß.

Morgendunst über Sapa

Morgendunst über Sapa

Gleich nach einem guten Frühstück  ging es in Kleingruppen gleich auf den ersten Hiking Ausflug. Mit einer einheimischen Vietnamesin in Bergtracht vom Stamm der Mong spazierten wir quer durch Sapa und dann einige Hundert Meter abwärts zu einem kleinen Dorf. Dort besichtigten wir neben dem Dorf mit ausgesprochen vielen Touristenläden einen Wasserfall. Ich freute mich, endlich einmal wieder ein wenig Bewegung zu haben und lief freudig auf den kleinen Wegen am Fluss entlang.

Reisfelder

Reisfelder

Sapa Valley

Sapa Valley

Wasserzuläufe

Wasserzuläufe

müder Hund

müder Hund

Hütte am Fluss

Hütte am Fluss

Reisfelder

Reisfelder

Sapa - am Fluß

Sapa – am Fluß

Sapa - Wasserfall

Sapa – Wasserfall

Kinder am Fluß

Kinder am Fluß

Wasserbüffel

Wasserbüffel

Blick auf ein Dorf

Blick auf ein Dorf

Nach dem Ausflug bekamen wir dann auch unsere Zimmerschlüssel und konnten nach zwei Tagen wieder eigene Zimmer beziehen. Dann hieß es Mittagessen und am Nachmittag wartete der Ort Sapa auf uns. Es gibt ausgesprochen viele kleine Geschäfte und einen sehr großen Markt, auf dem wirklich alles angeboten wird, gibt. Es gibt von Früchten über Fleisch, von Kämmen, Batterien zu Sportschuhen alles was das Herz der Einheimischen und Touristen begehrt. Für mich besonders interessant waren die vielen Geschäfte, die North Face Hiking Produkte anboten. Rucksäcke, Wanderschuhe und alles was  dazu gehört zu äußerst günstigen Preisen. Wir meine Wanderungen auf Teneriffa erhandelte ich mir für 10$ einen großen Rucksack und für umgerechnet 13€ eine neue sehr stabile Wanderhose.

Nach so viel Shopping gönnte ich mir eine Massage, die zwar nicht an die mir bekannte Thaimassagen heran kam, aber dennoch nach dem vielen Sitzen im Zug und im Bus mehr als wohl tat. Am Abend nach dem Abendessen überfiel mich die große Müdigkeit.

Blick auf Sapa

Blick auf Sapa

Am nächsten Tag erwartete uns eine große Treckingtour, aber darüber berichte ich das nächste Mal.

Ich wünsche Euch allen einen guten Start in die neue Woche.

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Kommentare
  1. Du verstehst es wirklich, Sehnsüchte zu wecken! ;o) Auch wenn die Unbequemlichkeiten nicht zu bestreiten sind, scheint es mir ein wahres Erlebnis zu sein. Auch dahingehend, dass Ihr ja oft gar nicht wisst, was Euch die nächsten Minuten bringen werden. Sehr aufregend alles, sehr interessant! Ich drücke Dir die Daumen, dass es genauso toll weitergeht! ▲

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  2. Mir erscheint es ziemlich gedrängt und gepackt, das Programm – also mir ist es momentan etwas zu anstrengend, aber das liegt sicher an mir. -Dir weiterhin viel Spaß!

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    • leonieloewin sagt:

      Nein, das ist so vorgesehen. Ich wollte keinen Strandurlaub machen, sondern wirklich in die sechs Wochen so viel wie möglich von Land und Leuten sehen. Da Vietnam ein großes Land ist und auch noch Kambodscha auf dem Programm steht, muss ich ein wenig voran machen. Doch keine Angst, dazwischen gibt es ausgedehnte Ruhepausen und auh kleine Auszeiten (zurzeit zwei Tage in Hanoi bevor es weitergeht). Liebe Grüße Leonie

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  3. Karl-Heinz sagt:

    Nur gut, dass Du noch so jung und sportlich bist, um so eine Reise zu machen.

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  4. Gabi sagt:

    Ganz tolle Eindrücke. Alles so anders, als hier bei uns in Europa.
    Ich bewundere Dich, dass Du alles so toll schaffst. Ich würde das in dieser Form leider nicth mehr hinkriegen.
    Alleine bei den vollgestopften Bussen würde ich echt Beklemmungen und Angstzustände bekommen. Aber so ist das dort nun mal, das muss man akzeptieren.
    Wünsche Dir noch weiterhin viele interessante Abenteuer.
    LG Gabi

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  5. Die Tour war sicher anstrengend. Nachts auf einer Holzpritsche in einem asiatischen Zug.

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