Nha Trang – lebendige Stadt, langer Strand, Russen und Burger

Veröffentlicht: 2. Oktober 2013 in LeoniesLeben, Reisen 2013, Vietnam
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Gestern regnete es stärker und stärker. Und dennoch hatten wir trotz des großen Unwetters Glück. Freudig erzählte uns die kleine Thai Masseurin aus dem Nachbarhaus in Hoi An, dass der Taifun Richtung Norden abgedreht sei und uns nur noch perifer streifen würde. Glück gehabt. Da machte uns das Regenwetter nicht mehr viel aus. Wir saßen unter dem Dach eines kleinen Restaurants und genossen zum letzten Mal Spezialitäten aus Hoi An. Wer mehr über das bekannte vietnamesiche Gericht Lao Cau wissen möchte, kann bei Wikipedia nachlesen.

Dann ging es wieder in den ungeliebten Nachtbus, der dieses Mal noch dreckiger als auf der Fahrt nach Hue war. Große Europäer über 170 cm liegen gekrümmt auf den Pritschen. Aber auch, wenn der Platz der Länge nach reicht, fährt der Bus über die holprigen Straßen sehr ruckelig. Alle 30 Sekunden läutet ein Handy mit dem bekannten Nokia Ton, den ich nach diesen Nachtreisen jetzt wirklich nicht mehr hören kann. Auch die laute  Hupe des Busses ist bis zum Morgengrauen im ununterbrochenen Einsatz, um andere Verkehrsteilnehmer auf den kommenen Bus aufmerksam zu machen. Vietnam lebt anscheinend 24 Stunden um die Uhr. Da ich im Nachtbus nur schwer schlafen konnte, war ich froh, dass wir bereits morgens um sieben in das gebuchte Hotel, das nur unweit der Busstation lag, einziehen konnten. Nach einer Dusche und ein wenig Ausruhen, sah die Welt gleich wieder besser aus. Ich hoffe, dass ich ab sofort Reisemöglichkeiten finden werde, um diesen Nachtbus zu umgehen.

An der Promenade trinken wir einen vietnamesischen Kaffee, der mich wach machen soll,  aber für mich immer noch gewöhnungsbedürftig ist. Der Kaffee  wird am Platz durch einen Filter gelassen und dann verbleibt im Glas ein kleiner, aber sehr starker Schluck schwarzer Flüssigkeit. Wer keinen Zucker mag, den die Vietnamesen gerne in großen Mengen in den Kaffee schütten, muss das gleich am Anfang der Bestellung unmissverständlich mitteilen. Für mich ist die süße „Brühe“ mit Zucker nicht trinkbar. Gut, dass zu dem Schluck Kaffee zumeist gleich Wasser oder gelber Tee für den Durst dazu gereicht werden. Doch der Schluck tat seine Wirkung und ich war wach und konnte mir Nha Trang ansehen.

Nha Trank ist eine große lebhafte Stadt mit vielen Bars und Restaurants. Zum ersten Mal sehe ich in Vietnam überall kyrillische Schriftzeichen. Hier scheint ein beliebter Urlaubsort für Touristen aus Russland zu sein. Die Bar und Geschäftsbesitzer haben sich hier sehr gut auf ihre Kundschaft eingestellt und vergeben gerne Namen, wie Moskau, CCCP und streichen ihre Wände dazu passend rot an. Das hindert – im für uns Europäer häufig wiedersprüchlich erscheinendem Vietnam – allerdings nicht den Nachbarn, sein Restaurant Texas zu nennen und Burger zu verkaufen. Ja, auch amerikanische Touristen kommen nach Vietnam.

CCCP und Texas

CCCP und Texas

Für mich ist der schönste Teil von Nha Trang der sieben Kilometer lange weiße Sandstrand. Bereits morgens um 5 Uhr tobt hier das Leben. Das Wasser ist voll mit Schwimmern und Badenden, die zu der frühen Zeit ein Massenbad zu nehmen scheinen. Am Strand und am Ufer wird allein oder in Gruppen Sport gemacht. Viele Großgruppen praktizieren gemeinschaftlich Tai Chi. Andere Gruppen oder auch Einzelsportler laufen oder machen gymnastische Übungen. Ähnlich voll wird der Strand mit Einheimischen erst wieder am Abend. Bei Morgengrauen und in der Abenddämmerung, wenn die Sonne noch nicht oder nicht mehr scheint, ist hier die Zeit für sportliche Übungen oder auch für einen Schwatz mit der Nachbarin. Den Tag über gehört der lange Strand den sonnensuchenden Touristen. Auch wir wandern an dem langen schönen Strand entlang, der von vielen Reinigungskräften den gesamten Tag über sauber gehalten wird.

Mein Morgenlauf, der an sich zu meiner Routine gehört, fällt hier in Vietnam zurzeit flach. Laufpause. Doch gestern am langen Strand konnte ich nicht wiedetstehen. Auf dem festen und doch weichen Sand läuft es sich prima. Und danach nehme ich ein ausgedehntes Bad im lauwarmen Wasser. Später entdecken wir eine Wasserschlange, die hier an Land gespült wird. Das verdirbt mir vorerst weitere Badevergnügen. Ich muss mich nun erst einmal schlau machen, was es hier eigentlich für Wasserschlangen gibt. Aber gibt es die tatsächlich und können die gefährlich sein? Wie verträgt sich die mögliche Anwesenheit von Wasserschlangen  damit, dass hier tausende von Menschen täglich ihr Bad nehmen? Keine Panik, aber ein bisschen beunruhigt bin ich schon.

Nachtmarkt

Nachtmarkt

Am Abend schlendern wir über den Nachtmarkt und genießen leckere kleine Gerichte mit Meeresfrüchten. Beim Überfliegen der Speisekarte stoße ich sogleich

Gericht mit Meeresfrüchten

Gericht mit Meeresfrüchten

auf die hier in vielen Gerichten angebotene Schlange und auf Froschgerichte. Nein, das muss es für mich heute nicht sein. Nach langen Spaziergängen und der letzten Nacht im Nachtbus schlafe ich in dieser Nacht tief und fest. Die vielen kleinen Ameisen, die über meine Bettdecke laufen, ignoriere ich.

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Kommentare
  1. du erlebst ja irre viel! Sehr schön!

    Mit Asien hab ich „keinen Vertrag“, ich meine, das ist nicht so meine Welt. Genau wie mit Afrika.
    Aber deinen blog lese ich dennoch sehr gerne, denn mir gefällt ja das Weltenbummeln und auch ich liebe das Reisen sehr.

    Vielleicht, wenn du magst und Zeit hast, liest du mal in meinem Blog den Bericht „Hommage an mein Griechenland“, dort erzähle ich von meinen Empfindungen über das Land und deren Bewohner.

    Ich finde es unglaublich, wie viel du schon von dieser Welt gesehen hast. Da ich noch nie außerhalb Europas war (die Canaren gehören ja denke ich noch zu Europa), finde ich deine Blogs ausgesprochen spannend und interessant.
    Eine völlig andere Welt eröffnet sich. Vielen Dank für’s Teilen!

    Liebe Grüße, Suse

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  2. Der Emil sagt:

    Kein Auge könnt ich zumachen, wenn Ameisen oder Überhaupt Krabbler auf meinem Bett unterwegs sind.

    Aber es ist interessant, vom anderen Ende der Welt zu lesen und zu sehen!

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  3. aquasdemarco sagt:

    Hast du ein Foto der Schlange, ich begegne auch immer welchen auf den Reisen, an Orten wo ich sie gar nicht vermutet haette. Jemand sagte mir mal es kommt weil ich Angst davor habe ihnen zu begegnen. Nun ja, Angst gab es bei den Begegnungen nicht, aber es war auch nie eine Koenigscobra dabei:-).

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  4. Sprichwörtlich gilt weit weg von zu Hause: Andere Länder, andere Sitten. Man kann sich das sicher einreden, leben will es aber auch gewollt und ausgehalten sein.
    Einige Nächte im heimischen Wald, nur auf einer Zeltbahn liegend als Bodenschutz, führt sicher zu einigen Nachbarschaftskontakten. Heimische Viecher sind keine fremden Viecher.

    Das Reisen in so ferne Länder benötigt eine ordentliche Portion Neugierde einerseits und eine gewisse Distanz andererseits. Nach einiger Zeit wird man es sicher schaffen, dass man ohne nachzudenken und die Nase zu rümpfen in das fremde Leben eintaucht und sicher auch genießen kann.
    Schön ist zu sehen, wie sich die einheimischen Barbesitzer auf die Touristen aus einer vollkommen anderen Welt eingestellt haben. Taufen ihr Restaurant auf den Namen ‚CCCP‘ oder ‚Texas‘.

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    • leonieloewin sagt:

      Alles interessante Aspekte, die beim Reisen eine Rolle spielen. Soweit, dass ich nur genießen kann, bin ich hier noch nicht, da durch die ständigen Ortswechsel auch immer neue Situationen entstehen, die mit Neugierde, aber auch ein wenig mit Vorsicht und Umsicht zu meistern sind.

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  5. Vallartina sagt:

    Solange die Speisekarten noch nicht in kyrillisch geschrieben werden, wird es noch gehen! Das Gericht mit Octopus sieht ja verdammt lecker aus! LG

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    • leonieloewin sagt:

      Zum Glück sind die Speisekarten zumeist neben vietnamesisch auch in englisch. Allerdings in Nha Trang gab es tatsächlich Restaurants, in denen die Speisekarten nur in vietnamesisch und kyrillisch geschrieben waren. Dann ist raten oder Glück angegesagt :-).

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