Boot im See - Killing Fields

Boot im See – Killing Fields

Wir hatten zwei Nächte und einen Tag in Kambodgias Hauptstadt. Phnom Penh ist eine sehr große, jedoch nach Einwohnerzahlen nicht die größte Stadt Kambodias. Sie wirkt ähnlich wie Saigon. Groß, weitläufig und im Aufbau. Überall entstehen große Geschäftshäuser, Hotels und Banken. Eine Großbaustelle der Superlative. Doch neben den vielen modernen Elementen gibt es auch noch alte Viertel mit kleinen Gassen und Märkten. Der größte Markt ist in einem zentralen Gebäude als Großmarkt untergebracht. Hier sind auch die Busstationen in der Nähe, die Dreh- und Angelpunkt für den Reisenden sind. Es gibt Tickets, Früchte, Verpflegung zu kaufen und Tuk Tuks zu mieten.

Reklamewände zieren die Mauern der vielen Baustellen in der Stadt

Reklamewände zieren die Mauern der vielen Baustellen in der Stadt

Ganz in der Nähe ein großes modernes sechsstöckiges Kaufhaus. Auf dem Dach amüsiert sich die Jugend bei lauten Technoklängen auf einer Inlinescaterbahn. Sicher nicht für jedermann erschwinglich.

Inlinescater auf dem Dach eines Einkaufszentrums in Phnom Penh

Inlinescater auf dem Dach eines Einkaufszentrums in Phnom Penh

Neben vielen gestylten schicken Jugendlichen, die Cola trinken und am Smartphone spielen, sind in dieser Stadt unzählige kleine Kinder zu sehen, die bereits mit vier Jahren auf die Straße geschickt werden, um mitten auf der Fahrbahn zu betteln. Ein weiteres Land mit großen Gegensätzen.

Tuk Tuks in Phnom Penh

Tuk Tuks in Phnom Penh

Nicht zu vergessen sind auch die vielen wunderschönen Pagoden in Phnom Penh, die hier Wat heißen, viele Museen, große Universitätsgebäude und der riesige eindrucksvolle Königspalast. Die Wats ähneln mehr den thailändischen als den vietnamesischen Wats. Die Mönche tragen knall orange farbene Kutten. Kambodia und Thailand, beides Monarchien scheinen durchaus Ähnlichkeiten aufzuweisen. Auffällig sind neben den unzähligen Scootern und Tuk Tuks, die das Straßenbild prägen, die vielen großen und teuren Wagen, die hier herumfahren. Zumeist handelt es sich um japanische Fabrikate, aber auch Mercedes und BMW sind vertreten. Es scheint durchaus eine reiche Oberschicht zu geben, die in eingemauerten und mit Stacheldraht eingezäunten Villen lebt.

Im Wat Phnom

Im Wat Phnom

Um uns in Phnom Penh fortzubewegen, entscheiden wir uns für ein Tuk Tuk. Das erfordert Verhandlungsarbeit am Morgen. Doch dann ist es ein luftiges Vergnügen inklusive eines Fahrers, der uns einen Tag lang begleitet. So schön die Fahrt durch die Stadt mit dem Tuk Tuk ist, als wir auf die pistenartige Nationalstraße biegen, die eher an eine holprige Schlammpiste erinnert, wird es ein wenig ruckelig und ungemütlich. Überall um uns Staub und ich bereue, dass ich meine Sonnenbrille nicht dabei habe. Ich benutze meine Sonnenbrille ohnehin selten. Doch hier in dem Staub wäre sie gut zu gebrauchen gewesen.

Killing Fields

Killing Fields

15 Kilometer außerhalb Phnom Penh liegt unser erstes Ziel. Doppeldeutig: kein einfacher Weg dorthin. Neben der holprigen Straße verspüre ich auch ein wenig Angst vor dem, was mich erwarten wird. Wir besuchen die sogenannten “ Killing Fields“. Das ist nur einer der Orte, an denen die Roten Khmer in den 70ger Jahren ihr Unwesen trieben. Pol Pot und seine Clique ermordeten ein Viertel ihres eigenen Volkes. Die Geschichte und die Zahlen sind nachzulesen. Doch an einem solchen Ort des Grauens selber persönlich zu sein, etwas anderes.

Killing Fields -Museum

Killing Fields -Museum

Mit Kopfhörern und einer Audiotour werden wir über das Gelände begleitet. Bedrückendes Schweigen, Wut, Trauer, Mitgefühl und unvorstellbares Leid. Einzelheiten erspare ich dem Leser hier lieber. Gut ist, dass die kambodianische Regierung diesen Ort zur Erinnerung und Ermahnung geschaffen und erhalten hat. In einer großen neuerbauten Stupa werden unzählige Schädel und Knochen, die aus den Massengräbern stammen, auf vielen Stockwerken aufbewahrt. Wissenschaftler haben von den Schädelresten viele Identitäten ermittelt, so dass die Schädel nach Geschlecht und Alter sortiert sind.

Besonders betroffen machen die vielen Baby- und Kinderopfer. Während viele Opfer Pol Pots nicht einmal zwei Jahre alt werden durften, erfreute sich der Diktator bis zu seinem Tod im Alter von 92 Jahren seines Lebens. Unverständlich auch, dass selbst nachdem dessen Untaten in der Welt bekannt waren, Staaten, wie Deutschland, die USA, Frankreich und England weiter die Roten Khmer offiziell anerkannten. Machtpolitik!?!

Schädel - Killing Fields

Schädel – Killing Fields

Auf dem Gelände befindet sich neben den vielen Außenstationen auch ein Museum, in dem vielen Dokumente, Dinge, Fotos und ein Film zu sehen sind. Sehr betroffen und erschüttert fahren wir mit dem Tuk Tuk zurück nach Phnom Penh.

Genocide Museum

Genocide Museum

Doch auch die nächste Station ist nicht erfreulicher. Wir besuchen einen großen Gebäudekomplex, der als Schule gebaut und von den Roten Khmer in ein Gefängnis und Folterlager umgebaut wurde. Das sogenannte Genocide Museum, das den Völkermord heute am Originalschauplatz mit hunderten von Fotos der Opfer dokumentiert, macht sprachlos und unendlich betroffen. Auch hier möchte ich die grausamen Einzelheiten besser dem Leser ersparen. Auch ich habe mir vor dem Besuch dieser Stätten lange Gedanken gemacht, ob ich die Konfrontation mit all den Grausamkeiten ertragen kann. Im Ergebnis bin ich dazu gekommen, dass bei einem Besuch dieses Landes für mich auch dieser Teil der Geschichte dazu gehört. Ich habe es nicht bereut.

Nach dem Besuch dieses schrecklichen Ortes lassen wir uns fast schweigend zur letzten Station in Phnom Penh bringen. Das ist der Wat Phnom, der der Stadt seinen Namen gibt. Er liegt auf einer über 20 Meter hohen Anhöhe und bietet einen schönen Blick auf die breiten Umliegenden Straßen der Stadt. Mönche lassen sich unter einer riesigen geflochtenen Königskobra ablichten. Nach all den gehörten Grausamkeiten tut ein Wat jetzt gut. Ich zünde viele Räucherstäbchen an. Drei auf speziellen Wunsch eines Bloggers aus Bielefeld. Die anderen Räucherstäbchen sind für……..das soll als Bestellung an das Universum noch nicht verraten werden .

Die Ruhe im schattigen Wat tut nach diesem Tag gut. Während ich am Rande des Gebetsraumes langsam wieder zu mir komme, beobachte ich, wie Kambodianerinnen Obst und Geld für Buddha bringen. Es werden viele Räucherstäbchen angesteckt und der Duft steigt ein wenig in den Kopf. Danach wandern wir ein wenig durch die Stadt und landen in einem der vielen kleinen Straßenrestaurants. Kaum sitzen wir unter der großen Plastikplane beginnt es heftig zu regnen.

Scooter fahren bei Regen

Scooter fahren auch bei Regen

Zwei Stunden schüttet es aus Kübeln vom Himmel. Doch wir haben Glück gehabt. Der Tag war sonnig und trocken. Unter der Plane kann uns der warme Regen nichts anhaben. Langsam verwandelt sich die Fahrbahn vor uns in einen reißenden Strom. Fahrräder, Scooter und Autos sind bis zur halben Reifenhöhe unter Wasser. Einige Menschen bis auf die Knochen nass. Doch auch das Wetter wird von den Asiaten gelassen hingenommen. Man lacht und scherzt und macht es sich unter Regencapes oder Planen gemütlich. Und wer nass ist? Der lacht und scherzt und fährt weiter durch den Regen. In einer kurzen Regenpause gelangen wir gegen Abend zurück in unser Hotel. Zeit unsere Sachen zu packen, denn morgen früh geht es weiter nach Siem Reap im Norden von Kambodia. Dort möchte ich Angkor Wat besuchen – für mich ein absoluter Höhepunkt dieser Tour.

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Kommentare
  1. Der Emil sagt:

    Trotz der unerfreulichen Momente ist es Dir wieder gelungen, mich ein Stück weit mitzunehmen durch Kambodscha …

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  2. Elvira sagt:

    Erinnern, Mahnen, das ist so wichtig, damit die Opfer nie vergessen werden, dort, wie auch hier. Ob eine Lehre daraus gezogen wird, wage ich aber zu bezweifeln. Berichten musst Du über diese Stätten und die Greueltaten nicht – jeder, der vielleicht nicht Bescheid weiß, könnte sich ja bei Interesse im Netz informieren.
    Liebe Grüße schickt Elvira

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  3. aquasdemarco sagt:

    អរគុណច្រើន

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  4. khecke sagt:

    Killing Fields nennen sich in Deutschland Konzentrationslager.

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    • leonieloewin sagt:

      Das ist richtig. Auch an den Orten der ehemaligen Konzentrationslager gibt es heute viele Gedenk- und Erinnerungsstätten. Doch wo auf der Welt gibt es auch heute überall „Killing fields“? Ich befürchte, dass es nicht gerade wenige Orte sind.

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  5. Ich finde es großartig, dass Du auch vor solchen Gedenkstätten nicht zurück schreckst. Ja, sie gehören ebenso zu diesem Land, wie die unendlich vielen Schönheiten und weiteren Sehenswürdigkeiten. Und es gereicht auch den Opfern zum (weltweiten) Gedenken. Denn mehr als ihr Leben konnten sie nicht geben und das haben sie verloren.

    Mit dem Regen kannst Du mich kaum schocken! ☺ Hier sind es nicht solche Mengen (natürlich nicht) aber mir reicht es auch so. Und damit Deine Bitte gleich erfüllt wird, trinke ich den nächsten „Muntermacher“ nur auf Dein Wohl! Wenn ich ihn Dir schicken könnte, wäre er längst da! ;o)

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  6. ich bin wieder einmal restlos begeistert von deinem Reisebericht nebst Fotos! 🙂

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  7. Franka sagt:

    Ein sehr eindrücklicher Bericht. Ich finde es gut, dass du dir ‚das antust‘, aber ich denke, es gehört zu solch‘ einer Reise dazu. Die Augen zu verschließen und nur bunte Folklore zu genießen, bringt es nicht. So bekommst du einen Gesamteindruck und danke, dass du uns auch ein bisschen daran teilhaben lässt. Auch finde ich es gut, dass das alles nicht vergessen wird.
    Liebe Grüße und weiterhin einen guten Aufenthalt.

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  8. Für mich beim Lesen ist es immer wieder erschütternd, dass sich solche Verbrechen, wie sie im dritten Reich an Juden und anderen „missliebigen Personen“ passiert sind, offenbar immer wieder wiederholen, denn das, was die Roten Khmer gemacht haben, waren ähnliche Verbrechen.

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  9. Gabi sagt:

    Sehr bedrückend. Kann mir vorstellen, dass es nicht so leicht fällt, solche Orte zu besuchen. Aber leider gehört das ja zu der Geschichte dieses Landes dazu.
    LG Gabi

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  10. Emily sagt:

    Liebe Leonie, es ist unglaublich, was du alles erlebst und siehst. Ich finde es toll, dass du die Augen nicht verschließt, sondern dich der Geschichte öffnest. So grausam sie auch ist. Und auch heute schreiben wir täglich Geschichte, daher ist es immer wichtig hinzusehen. Weiterhin alles Liebe auf deinen Wegen,

    Emily

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  11. leonieloewin sagt:

    Indien steht irgendwann auch noch auf meinem Programm

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  12. Man sieht es, Menschenschlächter gibt es überall. Nicht immer erkennen die mündigen Bürger, was sie durch ein unüberlegtes Kreuzchen anrichten. Bei uns wird wieder von „Entartet“ gesprochen.
    Dass Kambodscha nach den Zeiten des Steinzeitkommunismus wieder auf die Beine kommt, ist ein gutes Zeichen. Das muss man weitertragen.

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