Siam Park – asiatischer Wasserspaß auf Teneriffa

Veröffentlicht: 30. Dezember 2013 in Leonies Leben 2013, LeoniesLeben
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Heute schreibe ich einmal nicht über eine neue Wanderstrecke oder einen Stadtrundgang. Heute schreibe ich über etwas – jedenfalls für mich  –  sehr Ungewöhnliches. Ein Bericht aus einem „Bespaßungspark“, wie ich gerne die vielen aus der Landschaft herausschießenden „Familienparks“ nenne. Wie Ihr bereits erahnen könnt, bin ich nicht der absolute Fan dieser Art von Vergnügung. Wenn ich es in meinem  bisherigen Leben einrichten konnte, habe ich diese Art der Bespaßung weiträumig umfahren und vermieden. Wenn solch ein Park für andere Menschen vielleicht das Highlight des Jahres oder des Urlaubs ist, ruft ein „da müssen für hin“ bei mir aus einem mir unbekannten Grund keinerlei freudige Vorerwartung hervor.  Doch ab und zu ging es auch in meinem Leben nicht anders und ich habe mich von den Kindern überreden lassen. Und dann ging es auf Wunsch meiner Söhne  doch in das Fantasialand bei Köln oder den Europapark bei Freiburg. Mit einem leichten Widerwillen wanderte ich durch die Parks und versuchte mich daran zu freuen, dass die Familienmitglieder Spaß und Freude an den rasanten Fahrgeschäften hatten. Ich muss zugeben, dass auch für mich nicht alles schlecht an den Parks war. Es gab viele interessante Dinge, Fahrgeschäfte und Menschen zu beobachten. Mit mulmigem Gefühl ließ ich mich dann auch zu der einen oder anderen Achterbahnfahrt überreden. Doch all das war nichts gegen das gute Gefühl, das ich hatte, wenn ich lebendig aus den Fahrgeschäften und am Ende des Tages auch endlich wieder aus dem Vergnügungspark herauskam.

Es war wieder soweit. Mein Sohn wollte auf Teneriffa den größten Wasserpark Europas, den Siam Park, besuchen. Ich kräuselte meine Stirn nicht nur in kleine Falten. „Ein Siam Park auf Teneriffa?“, fragte ich mich, „was hat denn Asien mit Teneriffa zu tun?“ Ich liebe das Wandern und die Natur. Von den Touristenzentren und den großen Vergnügungsparks im Süden hatte ich mich bislang erfolgreich fern gehalten. Doch mein Sohn ist nicht so häufig hier. Und schließlich ist ja auch nur einmal im Jahr Weihnachten. Und…naja, ab und zu ist es ja auch gut, einmal etwas ganz Anderes und Neues auszuprobieren. Jedenfalls sagte ich mir das so, als ich Zähne knirrschend in das Vergnügen einwilligte. Und so brachen wir dann am letzten Samstag früh auf, um uns vor dem großen Gelände in der Nähe von  Las Americas auf Parkplatzsuche zu begeben. Der Park allein ist kein billiges Vergnügen und kleine Add ons, wie Parkplätze und Garderobenschränke kosten neben Deposit natürlich extra. So ist gleich vor Betreten des Parks klar – Vergnügen oder nicht, teuer wird es allemal.

Als wir erfolgreich einen Parkplatz ergattert hatten, hieß es Schlange vor dem Eingang stehen. Warten bis die Kassen öffneten. Dann warteten wir an einer weiteren Pforte hinter der die Tickets kontrolliert wurden. Danach warteten wir in einer Schlange, an deren Ende die Taschen kontrolliert wurden. Denn natürlich soll der Kunde im Floating Market oder einem der vielen siamesischen Fastfoodrestaurants einkaufen und nicht etwa ein Picknick mitbringen. Schlange stehen auch an den Schaltern, an denen es Schlüssel für die Garderoben zu erwerben gibt. Doch die mussten wir erst einmal finden. „Na prima“, so hatte ich es mir gedacht. Menschenmengen und Anstehen für viel Geld. Doch bevor ich der schlechten Laune anheim fiel, beschloss ich es von der lustigen Seite zu nehmen und mich einfach einmal auf das Neue – in diesem Fall das kanarische Thailand – einzulassen. Und tatsächlich – nach einiger Zeit des Nachdenkens fiel mir etwas Positives auf. So lang waren die Schlangen gar nicht. Die Markierungen auf dem Boden ließen darauf schließen, dass es hier Tage mit weitaus längeren Warteschlangen geben muss. Vielleicht hatten wir wegen der leichten Bewölkung einen guten Tag erwischt. Und die Seelöwen, die die Besucher gleich am Eingang begrüßen, heiterten mich mit ihrem munteren Spiel im Wasser auch ein wenig auf. Hier bei den Tieren hätte ich bleiben können. Doch wir mussten die Umkleidekabinen suchen, unsere Sachen verschließen und eine geeignete Liegestelle  finden. Als alle Aufgaben erfolgreich gelöst und alle Schlangen durchstanden waren, war ich bereits in Schweiß gebadet. Viele andere Gäste waren anscheinend schon halb durch den Park durch und hakten die halben Attraktionen auf ihrer Karte ab, als ich vorsichtig nach der ersten „Bespaßung“ Ausschau hielt. Wir ließen es langsam angehen. Noch etwas Gutes – jedenfalls für mich.

Zum Einstieg ließen wir uns auf dem Mai Thai River, der quer durch den gesamten Park fließt, in großen gelben Schwimmreifen treiben. Ein Lifeguard erklärte und überwachte strikt das richtige Sitzen (oder soll ich besser Hängen sagen?) in diesem Reifen. Bei Fehlverhalten kam die Trillerpfeiffe zum Einsatz. Das gemächliche entlang Treiben auf dem Fluß war ein langsames und entspanntes Vergnügen. Ein guter Anfang, den auch ich genießen konnte. Vom Reifen aus konnte ich mir in Ruhe den Uferrand,  Liegestellen und die anderen Attraktionen anschauen. Doch im Hintergrund „drohte“ für mich der Power Tower, aus dem man fast senkrecht mit 80 Stundenkilometern in eine Wasserröhre geschossen wird. „Das müssen wir machen“, beschloss meine Gruppe. Ich riskierte einen kleinen Blick auf den bedrohlich über der schönen kanarischen Thailandschaft auf mich wartenden Powertower. Nee, so etwas wollte ich eigentlich überhaupt nicht. Nach dem Mai Thai River ging es an einen riesigen künstlich angelegten Betonstrand. Hier gibt es jede Stunde 20 Minuten lang hohe Wellen. Die sind zwar nicht so hoch und so schön, wie die Atlantikwellen, aber immerhin nennt sich das Ganze Siam Beach. Der Beach ist von Urwald und mit thailändischen Flair versehenen Hütten umgeben, in denen die Gäste leckeres kanarisches Thaifood zu europäischen Preisen einkaufen können.

Nach so viel Relaxen auf dem Fluss und am Strand musste Action her. Ich arbeitete mich mit meiner Familiengruppe durch den „Giganten“, „die Mekong Rapids“, den Drachen und unzählige rasante Dschungelschlangen Rutschen. Wir sausten durch dunkle Kanäle, fielen Wasserfälle hinab und wurden durch Röhren geschleudert. Und kaum waren wir unten, ging es wieder  mit einem neuen Schwimmring andere und noch steilere Treppen hinauf, denn auch der berüchtigte Vulkan und der Naga Racer warteten auf uns. Ich wunderte mich über mich selber, dass ich jede Fahrt überlebte und weiter machte. Ganz langsam begannen mir die wilden Wasserfahrten sogar Spaß zu machen. Jedenfalls ein bisschen. Meinem Sohn gefielen die Adrenalinkicks, wie er es nannte, bestens. Mein Spaß hielt sich mit Angst und Überwindung die Waage und damit eindeutig in Grenzen. Ich war jedes Mal froh, wenn ich einer Wasserkatastrophe wieder lebend entkommen war. Außerdem fingen wir an, trotz  Wärme und Sonne durch das viele Wasser langsam kalt zu werden. Da halfen Neoprenanzüge, die man für 5 Euro und ein Deposit ausleihen konnte. Mir war das Geld mittlerweile egal, da ich ziemlich zitterte. Der blaue Neoprenanzug, in dem ich ein wenig wie eine lebendige Mettwurst aussah, hielt mich jedoch für den Rest des Tages wunderbar warm.

Mit Neopren zusammengehalten brauchten wir keine weitere Pause und stürzten uns von einem rasanten Nassvergnügen ins nächste Wasservergnügen. Mittlerweile fragte ich nur noch, „mittel oder hart?“ Mein Sohn sagte zumeist: „Das ist wirklich nicht schlimm. Ganz easy“. Und so setzte ich mich auch noch zum 15. Mal wieder zu Viert auf eine Gummimatte, die kurze Zeit später-  zumindest für mich gefühlt – den Niagarafall heruntersauste. Doch plötzlich. Ich glaubte es kaum: „Wir sind fast durch“. Wir hatten wirklich alle Bespaßungsstationen gemeistert und ich hatte überlebt. Beruhigt wollte ich mir gerade meine blaue Mettwursthaut vom Leibe streifen, da hieß es: „Nun geht es zum Power Tower“. Und jetzt bekam ich wirklich Angst. Mit klopfenden Herzen stieg ich Treppenstufe für Treppenstufe zu dem großen Turm empor. Außer uns wollten anscheinend nur sehr wenige Gäste diese größte Attraktion ausprobieren. Oben angekommen, lag der Park tief unter mir. Die Rutschbahn war so steil, dass ich sie gar nicht sehen konnte. Ein Lifeguard führte jeden einzelnen Turmbesteiger in die Benutzung ein. „Nicht bewegen, Beine lang und kreuzen, Arme über der Brust verschränkt“. Ich nickte nur und fühlte mich als ob nun meine letzte Stunde geschlagen hätte. 28 Meter fast im freien Fall hinunter und dabei auf 80 Kilometer beschleunigt. Mein letzter Gedanken, als ich dort oben auf der „Schlachtbank“ lag, war: „bisher sind ja noch keine Todesfälle von dieser Rutsche bekannt geworden oder weiß ich nur nichts davon?“ Dann gab mir der Lifeguard einen Schubs und ich sauste als lebendiger Torpedo mit 80km/h im gefühlten freien Wall hinab ins Nichts. Ich sah nichts und spürte nur, dass ich irgendwann durch eine Wasserröhre geschossen wurde. Dann war es vorbei. Unerwarteter Weise sehr schnell und wirklich unerwarteter Weise hatte ich überlebt.

Der Tag im Park war vorbei und ich durfte die blaue Haut abstreifen. Beruhigt, dass dieser Park abgehakt werden konnte, machte ich mich erleichtert auf dem Rückweg. „Geschafft und nie wieder“, jubelte ich innerlich. Da vernahm ich die Stimme meines Sohnes vom Rücksitz:“Wußtest Du eigentlich schon, dass es auf Teneriffa noch einen Sky- und einen Aquapark gibt?“

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Kommentare
  1. einfachtilda sagt:

    😀 frohes neues Jahr wünsche ich dir und deinen Lieben ♥ Mathilda

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  2. meintagesablauf sagt:

    Mutig das du alles mitgemacht hast. Ich wäre bestimmt in den Streik getreten 🙂

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  3. minibares sagt:

    Neee, diesen Power Power hätte ich nicht mitgemacht, auf keinen Fall. Allerdings haben wir auch keinen Sohn, lach. Unsere Tochter ist nicht so crazy.
    Dir und deinen Lieben in diesem Sinn einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2014!

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  4. Manche Attraktionen in den Erlebnisparks fordern Überwindung. Gut, dass ich da nicht mehr hin muss.

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  5. Als ich in den 80er Jahren als unerfahrenes „Ostkind“ in den Westen durfte, waren Fantasialand und andere Sachen natürlich DIEEEEEEEEE Attraktion für mich. Auf dem Hamburger Dom ist mir bei der Riesenüberschlagschaukel fast das Essen aus dem Gesicht gefallen. – Im Fantasialand ist nichts Schreckliches passiert – aber in einem Spaßbad in Frankreich auf einer Riesenrutsche habe ich die Anweisungen des Personals nicht verstanden und demnach auch nicht befolgt: Beine fest kreuzen und so lassen.
    Als ich unten ankam, musste ich sofort auf die Toilette, weil ich einen „Einlauf“ bekommen hatte. Ein zweites Mal rutschte ich nicht mehr.
    Alles Gute für dich!

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  6. Gabi sagt:

    Also alle Achtung! Du hast Dich tapfer geschlagen. Früher war ich auch für so manch „Wildes“ zu haben, aber da gabs ja noch nicht ganz so heftige Dinge wie jetzt. Aber Hochschaubahnen hab ich immer geliebt.
    Aber heut mach ich sowas nicht mehr. Der Turm wär nichts für mich gewesen.
    Warst echt tapfer, Leonie. 🙂
    LG Gabi

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    • Gabi sagt:

      Ach ja, noch eine kleine Erklärung: Hochschaubahnen nennt man bei uns Achterbahnen. Vermutlich weil die ersten Achterbahnen im Prater so hießen und die es sogar noch gibt. http://de.wikipedia.org/wiki/Hochschaubahn
      Irgendwie hat sich der Name halt so eingebürgert, sodass – zumindest wir „Alten“ – das Wort allgemein für Achterbahnen verwenden.

      Da sieht man mal wieder, wie man sich an gewisse Begriffe gewöhnt hat. Erst als ich den ersten Kommentar schon abgeschickt hattte, fiel mir ein, dass das Wort in Deutschland und vielleicht auch bei jüngeren einheimischen Lesern nicht so bekannt sein könnte. 🙂

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    • leonieloewin sagt:

      Danke für die Erklärung Gabi. Ich kannte das Wort bislang auch nicht. Und über meinen Mut habe ich auch ein wenig gestaunt. Als mein Sohn meinte, dass meine Wanderungen am Abgrund doch eigentlich viel gefährlicher seien, als diese erprobten Wasserbahnen, musste ich ihm recht geben. Bin dann einfach mit dem Gefühl “ wird schon nichts passieren“ dadurch gesaust.

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      • Gabi sagt:

        Ich weiß nicht, ob Deine Wanderungen am Abgrund gefährlicher sind. Das ist ja was, was Dir nichts ausmacht, was Du kannst und schon oft gemacht hast. Da fühlst Du Dich ja sicher.
        Das andere ist ja eher was „Unbekanntes“ und das macht vielleicht irgendwie unsicher und ängstlich.
        Aber Du hast es ja geschafft. 🙂

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