La Gomera – Reise auf eine neue alte Insel

Veröffentlicht: 10. Januar 2014 in LeoniesLeben, Reisen 2014
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Blick von den Steilklippen über Vallehermoso auf den Teide, Teneriffa und in die Tiefe

Blick von den Steilklippen über Vallehermoso auf den Teide, Teneriffa und in die Tiefe

Als das Jahr gerade einen Tag alt war setzten wir mit der Autofähre von Los Christianos nach San Sebastian auf die Nachbarinsel La Gomera über. Im Vorfeld gab es einige Komplikationen mit den Schiffskarten, die sich nicht ausdrucken ließen und schließlich 100% teurer als gebucht bezahlt werden mussten. Auch hatten wir uns den kleinen Ausflug spät überlegt und so war es weder über Internet noch über Reiseagenturen möglich, eine gute und günstige Unterkunft zu finden. Erst in allerletzter Minute erhielt ich vor der Abfahrt noch eine Mail, dass jemand ein Apartment auf einer Bananenplantage abgesagt hatte und wir den Raum haben könnten. Ich beschloss mir den Beginn des Jahres nicht durch die kleinen Mißgeschicke vermiesen zu lassen und genoss die Überfahrt auf der großen Fred Olsen Schnellfähre. Hinter uns wurde Teneriffa mit dem Teide immer kleiner und vor uns nahm La Gomera mit der Hauptstadt San Sebastian langsam Form an.

Dunkle Wolken über San Sebastian

Dunkle Wolken über San Sebastian

Als wir in San Sebastian ankamen mussten wir zunächst die Bananenfarm suchen. Ein gar nicht so leichtes Unterfangen, denn wir hatten nur die Koordinaten. Eine Adresse gab es nicht. Die Suche stellte sich mehr als kompliziert heraus und ich konnte mehr als nur einmal meine Spanischkenntnisse zum Einsatz bringen, um nach dem Weg zu fragen. Dabei stellte ich sehr schnell fest, dass die Einwohner von La Gomera sehr freundlich und hilfsbereit sind. Ein Ehepaar fuhr sogar eine Strecke mit dem Wagen vor uns her, um uns den weiteren Weg zu weisen. Doch erst kurz vor Einbrechen der Dunkelheit erreichten wir unser Domizil. Die Plantage lag sehr einsam oben auf einem Berg. Eine Infrastruktur gab es im Umkreis von 10 Kilometern nicht. Willkommen in der Wildnis. Der Besitzer, der zu unserer Ankunft kurz vorbei schaute, war sehr freundlich und erlaubte uns, uns im Garten frische Bananen, Orangen und andere Früchte zu pflücken. „So viel wie Ihr möchtet“, meinte er lachend bevor er sich wieder in Richtung Stadt aufmachte. Wir waren mit unseren Nachbarn, einem irischen sehr netten Ehepaar, das hier zwei Monate überwinterte, allein. Die Behausung war sehr einfach, schlicht und natürlich ohne Internet. Doch die Räumlichkeiten waren gemütlich und „sechs  Tage offline“ stellte sich im Nachhinein auch einmal als gute Erfahrung heraus. Und da wir die gesamten Tage von morgens bis abends wanderten machte uns der mehr als schlichte Zustand des Apartments überhaupt nichts aus.

der obere Teil des Valle Gran Rey

der obere Teil des Valle Gran Rey

Wir wanderten insgesamt 90 Kilometer an den unterschiedlichsten Stellen der Insel. Wir sahen die Nebelwälder hoch oben in den Bergen, Stränd und einsame Barrancos. Ich stellte sehr schnell fest, dass La Gomera tatsächlich das reinste Wanderparadies ist. Es gibt überall auf der Insel wunderschöne Wanderwege, die sehr gut ausgeschildert und sehr unterschiedlich sind. So kletterten wir an einen Tag zu den weißen Höhlen (cuevas blancas) und stiegen am nächsten Tag in einen tiefen Barranco. Auch die Erklimmung der Fortaleza und des Garajonay (Dach Gomeras) durften nicht fehlen.

Castillo del Mar in Vallehermoso - La Gomera

Castillo del Mar in Vallehermoso – La Gomera

Für mich war der Gomera Aufenthalt die Entdeckung einer neuer Insel. Und doch war die Insel für mich nicht neu, denn ich war schon einmal da. Doch das ist lange her. Das erste Mal besuchte ich La Gomera im Jahr 1987. Wie die gesamte Welt hat sich natürlich seitdem auch La Gomera verändert. Als wir 1987 mit Rucksack in San Sebastian von der Fähre stiegen, die übrigens noch viel länger für die Überfahrt brauchte als die heutigen Schnellfähren, gab es nur eine große Straße, die über die Insel in das Valle Gran Rey führte. Und „große Straße“ ist relativ. Im Verhältnis zu heute war es eine kleine Straße, die sich in vielen Windungen über die Inselmitte hoch und im Valle Gran Rey wieder herunterschraubte. Reste von dieser Straße sind teilweise noch erhalten. Heute ist ein sehr neues und gut erhaltenes Straßennetz mit den Hauptstraßen GM 1,2 und 3 auf der Insel vorhanden. Die Straßenführung ist durch viele Tunnel begradigt und überall laden große Parkplätze zum Verweilen und zum „Aussicht genießen“ ein.

Strandkunst

Strandkunst

An einem Tag führte uns eine Wanderung auch in das Valle Gran Rey, das ich wirklich kaum wiedererkannte. Die Felsen und die großartige Natur sind geblieben. Das ist aber auch schon fast alles. Damals gab es auf La Gomera noch keinen Pauschaltourismus. Die Zeitung Musical Express berichtete in den 70ger Jahren über das abgeschiedene Tal der Hippies. Ende der 80ger waren diese Zeiten vorbei. Und dennoch ging es im Valle sehr ruhig und beschaulich zu. Die wenigen Rucksackreisenden kamen privat und in kleinen Pensionen unter. Gebadet wurde unweit des Valle am Playa mit dem schwarzen Strand – natürlich nakt. Und abends versammelte sich die Travellergemeinde zum Sundowner auf dem Dorfplatz. Ab und zu verirrte sich eine Jeepsafari, die von Teneriffa mit Touristen einen Tag die einsame Insel bereiste, in das Valle. Ansonsten lebten hier die Einwohner und die Individualtouristen ruhig und abgeschieden von der Welt in den Tag hinein. Das war die alte Insel und die alte Zeit.

Dorfplatz im Valle - noch fast wie früher

Dorfplatz im Valle – Informationsaustauschplatz zur alten Zeit

Der Valle Bote

Heute gibt es das Internet und den Valle Boten

Nun fand ich ein mit breiten Straßen und vielen Ansiedlungen zugebautes Valle Gran Rey vor. Am Anfang hatte ich tatsächlich Schwierigkeiten, mich überhaupt zu orientieren. Appartmenthäuser und Hotels wohin mein Auge blickte. Doch dann entdeckte ich den damaligen Dorfplatz, der sich gar nicht so sehr verändert hatte. Und zu meinem großen Erstaunen stand selbst die Pension Casa Maria stand noch am alten Platz. Casa Maria, fast das einzige Haus, das noch wie damals aussah. Die Zeit schien an dem Haus spurlos vorbei gegangen zu sein. Damals im jahr 1987 waren wir spät in der Nacht dort angekommen. Die Wirtin Maria und Namensgeberin des Hauses hatte für uns und die anderen Spätankommer noch eine ihre wunderbaren Paellas auf den Tisch gezaubert. Wie magisch zog mich das Haus an. Ich musste einfach dort hinein gehen.

Casa Maria im Valle Gran Rey

Casa Maria im Valle Gran Rey

fast wie früher

fast wie früher

Ich ging in den Speiseraum und fand ihn tatsächlich noch so vor, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Eine schöne kleine persönliche Reise in die Vergangenheit. Und ein wenig später stellte ich zu meiner Freude fest, dass auch der kleine schwarze Sandstrand noch existierte. Er ist jetzt ein wenig angelegt und heißt Playa de Ingles, aber es wird weiterhin in den hohen Wellen nakt gebadet.

am schwarzen Strand

am schwarzen Strand

Lasko am Strand

Lasko liebt den Strand

Vor dem alten Dorfplatz existiert heute ein großer neu angelegter Strand mit vielen kleinen Cafes, in denen WiFi angeboten wird. Während ich meinen Café con leche inmitten der internationalen Touristengemeinde genoss, konnte ich kurz meine Mails anzuschauen. Das war meine kurze online Zeit auf La Gomera. Schön, noch einmal im Valle Gran Rey gewesen zu sein. Doch danach freute ich mich, wieder in ruhigere Gegenden von La Gomera zu kommen.

Valle Gran Rey - der neue Strand

Valle Gran Rey – der neue Strand

Heute ein paar erste Fotos von La Gomera und das nächste Mal berichte ich über unsere Wandertouren.

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Kommentare
  1. Schöne Gegend.
    Nach fast drei Jahrzehnten noch einmal einen Ort besuchen, ist sicher eine interessante Entdeckungsreise. Zumal man etwas Bekanntes wieder entdeckt.

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    • leonieloewin sagt:

      Es war wirklich eine sehr interessante Erfahrung zumal ich nicht häufig an denselben Ort zurückkehre (beim Reisen). Auf der anderen Seite behalte ich Orte auch gerne so in Erinnerung, wie ich sie in der Vergangenheit erlebt habe und muss nicht unbedingt sehen, wie sie heute aussehen.

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  2. Hallo Leonie, von Gomera habe ich wohl immer noch die alten, ruhigen, fast touristenarmen Informationen gehört. Ich selbst war ja bisher nur ein einziges Mal auf den Kanaren, und zwar auf Teneriffa. Wir haben in der einen Woche auch keine andere Insel besucht, ich war schon stolz, dass ich meine Mitreisende dazu bewegen konnte, Teneriffa per Auto zu erkunden, mit auf den Teide zu kommen – sie hätte am liebsten immer nur am Strand in der Sonne gelegen.
    Ich freue mich für dich, dass dein Neujahrsausflug dann doch noch alles geklappt hat.

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    • leonieloewin sagt:

      Ich verstehe es gut, wenn die Menschen nur kurz auf der Insel Zeit haben und in erster Linie die Sonne genießen wollen. So machten es in Teneriffa laut Statistik wohl mehr als 90% aller Urlauber. Und dennoch ist es schade, da die Insel wirklich kulturell und „naturell“ wirklich so viel mehr bietet, das an den meisten Urlaubern vorbei geht.
      Die Urlauber auf La Gomera scheinen hingegen gleich bei der Buchung wandern oder Rad fahren im Kopf zu haben.

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      • Genau so ist es. Gomera ist für die wandernden Individualtouristen, Teneriffa, besonders die Hotelburgen im Süden, für die brutzeln wollenden Mengentouristen. – Ich habe damals sehr viel von der Insel gesehen, notfalls bin ich auch allein mit dem Mietauto gefahren, wenn sie braten wollte. – Als wir uns den Süden ansahen, lag sie im Sand, ich lief am Strand.

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        • leonieloewin sagt:

          Dann hast Du sicher auch den Norden von Teneriffa gesehen, in den es auch viele Touristen hinzieht. Ich habe das Gefühl, dass allein wegen dem Wetter bei den meisten Urlaubern dort auch eher das Wandern oder andere Aktivitäten im Vordergrund stehen.

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          • Wir hatten unsere Unterkunft im Norden, ca. 40 km (?) vom Flughafen weg und immer kühler als im Süden. Aber viel mehr Grün und Pflanzen und überhaupt.

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            • leonieloewin sagt:

              Das könnte in Puerto de la Cruz gewesen sein. Ja, der Norden ist einfach grüner, aber auch ein wenig kälter und verregneter. Pflanzen brauchen nun einmal Wasser 🙂

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              • GENAU – ich war nicht auf den Namen gekommen und wollte jetzt nicht extra googeln. Diese Wetterscheide zwischen Süden und Norden haben wir mehrmals erlebt. Wir konnten damals noch nicht mit dem Smartphone gucken, wie das Wetter wo anders ist, es war wohl 1992.

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                • leonieloewin sagt:

                  Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal nach Teneriffa kam habe ich auch im Norden gewohnt. Jedes Mal, wenn ich den Pass über Santiago del Teide überquerte änderte sich das Wetter. Auf der einen Passseite hingen die Wolken und ab und zu regnete es und auf der anderen Seite schien die Sonne. Ist nicht immer so, aber doch recht häufig.

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  3. Gabi sagt:

    2005 waren wir auf La Gomera. Damals war es unser erster Kanarenurlaub. 1 Woche Gomera und anschließend 2 Wochen Teneriffa.
    Gewohnt haben wir im Valle Gran Rey in dem Hotel mit dem gleichen Namen. Da wir die Insel ja vorher nicht kannten, waren wir begeistert. Wir kannten es ja vorher nicht. Valle Gran Rey gefiel uns und überhaupt die ganze Insel mit ihrer schönen Natur und den Wanderwegen.
    Dass sich für Dich da viel verändert hat, kann ich mir vorstellen und sicher hat sich da auch schon wieder seit unserem Besuch vor 9 Jahren einiges getan. Ich hab mich da nun mal kurz auf Google Maps und Streetview umgesehen. Die Straße am Meer entlang wurde verbreitert. Sie sieht hier zwar noch teilweise recht unverbaut aus, aber die Baustellen am Rande lassen den Schluß zu, dass hier Bauarbeiten im Gange waren (Aufnahmen sind von 2013, wie ich gelesen habe) http://goo.gl/maps/t3BV9
    Diesen vielen Beton und den Parkplatz am Dorfplatz gab es auch noch nicht. Auch ist mir nicht in Erinnerung, dass man auf der Fahr von San Sebastian nach Valle Gran Rey durch Tunneln fuhr.

    Freut mich aber, dass es die Casa Maria noch gibt. Sie schaut mir nur schon etwas renoviert aus.
    Gibt es diesen Sundowner mit den Trommeln der Aussteiger zum Sonnenuntergang nicht mehr? Wäre schade.
    Den Valle Boten kenne ich auch. Auch ein Buch haben wir davon. 🙂

    Aber so ist es leider. Die Zeit verändert alles. Schon damals haben uns Leute erzählt, dass es hier früher noch viel schöner und ruhiger war. Ich würde da trotzdem gerne nochmal hinfahren.

    Immerhin gibt es dort die leichteste Besteigung vom höchsten Gipfel, die ich je gemacht habe. 🙂
    Und wandern kann man dort ja wirklich ohne Ende. Ganz zauberhaft finde ich die „Märchenwälder“. Ach ja, am Fortalezza waren wir auch.

    Danke für die schönen Erinnerungen und ich freue mich, wenn Du Deine Wanderungen zeigst.

    LG Gabi

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    • leonieloewin sagt:

      Danke Gabi, dass Du hier an dieser Stelle Deine persönlichen Gomera Erlebnisse beigesteuerst hast. Ob es die abendliche Zeremonie in Valle Gran Rey noch gibt weiß ich nicht, da wir auf der anderen Seite der Insel gewohnt haben und ich nur am Morgen unten im Valle war. Die Zeit verändert viel. Doch die großartige Natur und der schöne Strand sind geblieben. Auf dem Fortaleza waren wir auf und haben das mit dem Garajonay verbunden – dann ist es schon ein bisschen anstrengender :-). Lasko hat alles toll mitgemacht. Wenn ich soweit bin, werde ich Bilder zeigen. LG Leonie

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  4. Franka sagt:

    Ach, wie herrlich. Im Gegensatz zu euch anderen hier war ich noch keine einziges Mal auf eine der Inseln. Wenn, dann würde ich auch nicht am Strand liegen wollen, sondern herumfahren und vor allem wandern.
    Schön, dass du trotz der vielen Veränderungen, die die Zeit so mit sich bringt, noch einiges erkannt hast und deine Erinnerungen auffrischen konntest.
    LG, Franka

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  5. Anna-Lena sagt:

    Wir haben La Gomera Anfang der 80er Jahre für einen Tag besucht und ich war sehr angetan vom fehlenden Massentourismus. Dass das heute anders ist, war mir schon klar. Der Tourismus hat immer zwei Seiten und wenn er im Rahmen bleibt, eine Insel nicht verunstaltet und ihrer Ursprünglichkeit völlig beraubt, ist das okay für mich.

    Auf Teneriffa waren wir immer in Puerto, mit Blick auf die Bananenplantagen des Orotavatales. Der Süden mit seinen künstlich aus dem Boden gestampften, z. T. hässlichen Bettenburgen hat mich schon immer abgestoßen. Sicher gibt es die auch im Norden mehr als genug, aber die Landschaft drumherum und die herrliche Vegetation entschädigen dafür. Und dafür habe ich auch gern mal wechselhaftes Wetter in Kauf genommen.

    LG Anna-Lena

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