Archiv für 23. März 2014

allein oder im Rudel?

Lasko denkt – allein oder im Rudel?

Gestern: Die letzten Wochen hatten wir immer wieder neuen Besuch. Leute, die nur kurz vorbei schauten. Ehemalige Kollegen von Leonie, die mit uns einen ganzen Tag verbrachten. Freunde, die mit uns wandern gingen. Ich liebe das. Hund ist gerne im Rudel. Und Leonie scheint sich auch jedes Mal zu freuen, wenn Freunde oder nette Leute bei uns vorbei schauen. Ich freue mich, wenn einige gaaanz liebe Besucher mir Knochen mitbringen. Dann revangiere ich mich, indem ich beim Wandern gut aufpasse, dass auch wirklich keiner der Zweibeiner verloren geht.

Blick aus der Höhe auf den Atlantik und Los Gigantes

Blick aus der Höhe auf den Atlantik und Los Gigantes

Galeria im Barranco Seco

Galeria im Barranco Seco

Ihr lacht? Nee, das ist echte Hundearbeit. Ständig laufe ich zwischen dem ersten Wanderer und dem letzten Wanderer hin und her. Das würden Leonie oder andere Zweibeiner nicht machen. Die sind froh, wenn sie auf die Berge herauf oder herunter kommen. Ich laufe durch meine Hütearbeit mindestens die doppelte Strecke. „So verdienst Du Dir halt Deine Knochen“, lacht Leonie. Stimmt, ich hoffe nur, dass Leonie das wirklich zu schätzen weiß, was ihr treuer Outdoorhund da leistet.

Nebel und viel Grün

Nebel und viel Grün

In der letzten Zeit waren wir wieder einige Tage im nördlichen Tenogebirge unterwegs. Da oben im Norden ist es viel kühler als im Süden. Mir macht das mit meinem Labradorpelz nicht so viel aus. Obwohl ich gebe zu, mein Fell ist ein wenig irritiert. Ist nun Sommer oder Winter? Kaum habe ich alle Haare in Leonies Wohnung abgeschüttelt, gehen wir in die Kälte. So schnell, wie wir in die Kälte kommen, kann mein Fell gar nicht wieder wachsen. Doch ich gebe mir Mühe. Aber kaum ist es ein bisschen dicker, sind wir wieder in der Sonne. „Wir leben halt auf einer Insel mit vielen Klimazonen“, sagt Leonie. Und da hat sie mal ausnahmsweise Recht.

Haus bei Erjos

Haus bei Erjos

Leonie war jedenfalls ganz gut am Bibbern, als wir im Barranco de Cuevas Negras durch den Nebelwald gingen. Das war vielleicht eine interessante Gegend. Überall an den Berghängen sahen wir schwarze Höhlen, in denen vor vielen Jahrtausenden bereits die Guanchen, die Ureinwohner der Insel lebten. Später entstand dann an dem Camino Real (Königsweg=Rudelführerweg) ein Dorf, das nach den schwarzen Höhlen benannt wurde. Dieses Dorf war wohl richtig groß. Es hatte eigene Einkaufsläden und sogar eine Schule. „Und jedes Haus hatte einen eigenen Dreschplatz. Wie merkwürdig, konnten die nicht zusammen einen Dreschplatz benutzen?“ fragte sich Leonie. Ich wußte weder die Antwort, noch stellte ich mir solche Fragen. Ich fand die vielen Dreschplätze mit den vom Moos überwucherten Pflastersteinen einfach herrlich. Überall konnte ich markieren. Und da auf den Dreschplätzen wenig Hunde vorbei kommen, war ich – wenigstens dort in der Wildnis – einmal der Perro Real (Königshund).

Nebel im Gespensterwald

Nebel im Gespensterwald

Wasserleitungen - alt und neu

Wasserleitungen – alt und neu

Höhlen - Cuevas Negras

Höhlen – Cuevas Negras

Ruinen von Cuevas Negras

Ruinen von Cuevas Negras

Später wurde das Dorf Cuevas Negras von seinen Einwohnern verlassen. In den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts wohnten Hippies in den Höhlen und in den Ruinen. Leonie und ihre Besucher versuchten sich vorzustellen, wie das wohl ausgesehen hatte. Ich fragte mich, ob die Guanchen oder die Hippies abends vor den Hütten gegrillt haben. Ob wohl Hunde bei Ihnen lebten? Den ging es sicher nicht so schlecht. Doch plötzlich bewegte sich in einer Hütte etwas. Alle zuckten zusammen. Wir staunten nicht schlecht. Da kam doch tatsächlich ein Mann aus der Tür eines Ruinenhauses heraus. Er fragte freundlich, ob wir einen Kaffee haben wollten. Wir waren völlig verblüfft, weil einen Mann hatte keiner hier erwartet. Doch in Cuevas Negras mitten in der Wildnis ohne Elektrizität und weit ab vom nächsten Dorf wohnt tatsächlich jemand. Beim Kaffee trinken und Wasser schlabbern erzählte uns Juan, der Einsiedler, ein wenig über sein Leben und das Dorf Cuevas Negras. Leonie sollte noch etwas in sein Gästebuch schreiben und er versprach uns mal zu besuchen, wenn er bei uns in der Gegend vorbei käme. „Oh, ich könnte nicht allein hier oben in der Kälte leben“, meinte Leonie später zu ihrem Besuch. Nee, ich auch nicht. Ein Hund ist einfach ein Rudeltier und kein Einsiedler.

Wilder Drachenbaum

Wilder Drachenbaum

LCuevas Negras_2

Leonie meint, dass sie ab und zu gerne allein leben mag und das auch genießen würde. „Ich genieße Zweisamkeit und das Zusammensein mit Freunden, aber ab und zu finde ich es auch sehr entspannend, einfach nur allein zu sein,“meint sie. Dabei vergisst sie natürlich, dass sie gar nicht ganz allein ist, denn ich bin ja bei ihr. Vielleicht ist Leonie auch ein Rudeltier. Sie weiß es nur nicht. Was meint Ihr, lebt Ihr lieber mit anderen Lebewesen zusammen oder allein?

Heute: Leonie ist es zum ersten Mal gelungen bei einem Walewhatching einen ganzen Delfin zu fotografieren. Die sind so schnell. Das ist wirklich gar nicht so leicht. Übrigens Delfine leben genau wie die Wale in der Herde. Die wissen die Vorteile des „Rudels“ zu schätzen.

Delfin

Delfin

Morgen: Wir werden mit unserem Besuch noch einmal durch die Mascaschlucht wandern. „Das wird wieder ein Rudelauflauf“, stöhnt Leonie. Sie weiß, dass in Masca täglich riesige Gruppen von Menschen durch den Barranco wandern oder gewandert werden. „Solche Menschenmassen mag ich gar nicht“, meint Leonie. Da hat sie doch glatt noch einmal Recht. Denn, wenn so viele Wanderer unterwegs sind, ist es laut und ich darf nicht von der Leine. Es geht nur langsam voran und ständig werde ich von den vielen Wanderern gestreichelt. Nee, manchmal reicht selbst mir ein kleines Rudel.

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