Movistar 001

Manchmal wachsen die kleinsten einfachsten Alltäglichkeiten zu komplizierten Monstern heran. Und ganz ab und zu verspricht auch die Werbung mehr als sie halten kann. Irgendwann trifft es jeden von uns. Das passiert nicht nur in Deutschland, sondern kann auch – wie der folgende „Ausnahmefall“ zeigt – schon mal auf einen kleinen sonnigen Insel mitten im Atlantik passieren.

Mich erwischte es im April. Eines Morgens lag ein Brief von Movistar in meinem Briefkasten. Movistar ist mein Provider für Internet und Festnetz. Warum ich Festnetz habe? Ich brauche es nicht. Aber hier auf Teneriffa ist Internet nur in Kombination mit Festnetz buchbar. So habe ich Festnetz und zahle monatlich  mehr als den doppelten Betrag, den diese Leistung in Bonn kostet. Doch in dem Brief kündigte Movistar nun an, dass die Gesellschaft ab Juni die Preise noch einmal um ca. 5 Euro im Monat erhöhen würden. Das veranlasste mich dann doch, mich in mein Auto zu setzen und zur übernächsten kleinen Stadt zu fahren. Dort befindet sich die nächste Movistar Filiale. Ich fragte mich, ob es nicht irgendwelche Alternativen zu meinem Vertrag geben könnte. Diese Frage wollte ich klären.

In der kleinen Filiale angekommen, reihte ich mich in eine lange Schlange wartender Leute ein, die von einer einzigen Verkäuferin bedient wurden. In solchen Momenten lerne ich Spanisch, um mir die Zeit beim Warten ein wenig zu vertreiben. Als ich nach einer Stunde an der Reihe war, erklärte mir die nette Verkäuferin tatsächlich Alternativen zu meinem jetzigen Vertrag. Sehr schnell erfuhr ich, dass ich zum gleichen Preis, den ich jetzt bezahle, auch noch einen Handyvertrag mit Freiminuten und sogar für 20€ ein neues Handy erhalten könne. Macht das Sinn? Ein Vertragswechsel soll billiger sein und mehr Leistung bieten als mein jetziger Vertrag? Ich verstand es nicht und verstehe es immer noch nicht. Ich habe auch niemanden gefunden, der mir das erklären kann. Doch ich willigte nur zu gerne in den Deal ein. Doch das allein reichte leider nicht aus.

Ich verbrachte geschlagene weitere 2 Stunden in dem Geschäft, wobei die Schlange hinter mir länger und länger wurde. Denn nun musste die Verkäuferin  drei neue Verträge anfertigen. Einen für das Internet, einen für das Festnetz und einen für das Handy. Dabei musste sie mit drei verschiedenen Abteilungen sprechen, die alle immer und immer wieder dasselbe wissen wollte. Name, Adresse, Steuernummer…

Doch nach zwei Stunden waren die Verträge gemacht. Ich wurde entlassen. Nicht das damit der Wechsel vollzogen wäre. Die nette Verkäuferin teilte mir mit, dass ich in den nächsten Tagen eine SMS erhalten würde, dass der Vertrag dann gewechselt sei. Danach könne ich in das Geschäft kommen und die Handykarte abholen. Soweit und so gut. Ich erhielt tatsächlich nach zwei Tagen die entsprechende SMS. Ich fuhr erneut in das Städtchen und stellte mich dieses Mal nur eine halbe Stunde in einer kleinen Schlange an. Die Verkäuferin erklärte mir, dass sie nun meine sämtlichen Steuerunterlagen, Aufenthaltsunterlagen und den Pass zu sehen wünsche. Hier könnte das vorläufige Ende des Telefonvertrages gewesen sein. Doch da ich die spanische Bürokratie mittlerweile kenne, hatte ich einen ganzen Aktenordner an Unterlagen dabei. Ich wollte zwar kein Haus, sondern nur eine kleine Simkarte kaufen, aber das machte  anscheinend nicht wirklich einen Unterschied. Stolz zog ich meinen Aktenordner aus dem Rucksack.

Die Verkäuferin freute sich. Sie teilte mir mit einem strahlenden Lächeln mit, dass es gut sei, dass ich alles dabei hätte. „Doch leider leider“, fügte sie hinzu, “ die Umstellung Ihres Vertrages ist noch nicht erfolgt“. So könne sie mir auch heute auch noch keine Karte aushändigen. Ich solle mal morgen oder vielleicht übermorgen oder in einer Woche wiederkommen. Bis Ende Juni sei die Karte sicher da. Und dann sagte sie:“Die Handys für 20€ sind leider auch ausgegangen. Wir haben keines hier, aber mindestens hundert Vorbestellungen dafür. Bis Sie an der Reihe sind, kann es  Winter werden.“ Als sie mein enttäuschtes Gesicht sah, fügte sie in einem aufmunternden Ton hinzu:“ Ich kann mir vorstellen, dass die Filiale in Madrid noch einige dieser Handys hat.“ Als ich den Laden verließ schrie sie hinter mir her:“Sie kommen nicht zufällig in nächster Zeit aufs Festland?“

So geht der April zu Ende. Und ich fahre bald ohne neuen Handyvertrag – dafür aber mit einem uralten Handy – nach La Palma. Hätte ich das gewusst, wäre ich wahrscheinlich nach Madrid gefahren.

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Kommentare
  1. Elvira sagt:

    Das „Gefällt mir“ bezieht sich auf Deine sehr anschauliche Erzählweise. Ich dachte, ich stünde gleich hinter Dir in der Schlange 😉
    Liebe Grüße von
    Elvira

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  2. meintagesablauf sagt:

    Ich hoffe das alles schneller geht, wie erwartet.
    LG Gabi

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  3. Und da heißt es immer, die Deutschen seien Weltmeister in Bürokratie. 😯

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  4. Wie heißt es so schön: „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“ – Ich wünsche dir, dass alles gut wird!

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  5. Also, diese Bürokratie gibt es offenbar überall. Steuerunterlagen für einen Handyvertrag? Das ist ein Ding, nein, ein Unding.
    Gut ist, dass die SIM-Karten in jedes Handy passen. In Neue und in Gebrauchte. Der Markt ist voll mit beiden Arten von Mobiltelefonen.
    Kopf hoch, halt die Ohren steif und schmunzele darüber.

    Lieber Gruß, Charles

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  6. minibares sagt:

    Na sag mal, die haben dich aber richtig verarscht.
    Wir waren am letzten Freitag im T-Kom-Laden. Denn mein Mann braucht ein neues Handy.
    Aber sie wollten 205,– € dafür haben. Normal ist es so, dass du eine Verlängerung des Vertrages bekommst und 1€ bezahlst. Zu Hause im Internet geguckt, ja, es gibt einen besseren, günstigeren Vertrag auch mit 1€ Zuzahlung.
    Also am nächsten Tag angerufen und bestellt. Am Dienstag wird es bei Ihnen sein.
    Wir saßen Dienstag beim Frühstück, es klingelt, die Post, ein Telekom-Päckchen. Wir hatten gar nicht mehr daran gedacht. Da war das neue Handy mit neuer Sim-Karte, alles da.

    Aber dass du alles Mögliche von dir dabei haben musst, um so einen läppischen Vertrag umzustellen, das ist ja irre.
    Auf nach Madrid!
    Man gönnt sich ja sonst nix.

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  7. Follygirl sagt:

    Definitiv KEIN Land für mich.. ich würde wahnsinnig… 😦
    Ich kann so einen Schlör nicht leiden…
    LG und eine gute Zeit! Petra

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  8. Gabi sagt:

    Puh! Nimmst Du das alles tatsächlich mit Ruhe und Gelassenheit? Wenn ja, dann hast Du meine vollste Bewunderung. Ich glaub, ich würde ausflippen, was mir aber sicher auch nichts nützen würde. 🙂
    Schon allein eine Stunde warten und all die Dokumente, die sie sehen wollen. Bei uns werden die Leute ja schon ungehalten, wenn sie mal 10 oder 15 Minuten warten müssen (dazu gehöre ich aber nicht :-)).
    LG Gabi

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