Ein Hundebiss und seine Folgen – Teil 5 – die Zeit vergeht

Veröffentlicht: 3. Dezember 2014 in Leonies Leben 2014, LeoniesLeben, Spanisches Leben
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k-Sonnenuntergang Hundetapsen 030

 

Heute ein kurzer aktueller „Sachstandsbericht“ zu dem Hundebiss, den ich mir hier auf Teneriffa bei einer Radtour zugezogen habe. Wer die vorherigen Folgen verpasst hat, kann hier nachlesen:

Teil 1: Verfolgt von einem Schäferhund

Teil 2: Hundebesitzer und spanische Ärzte

Teil 3: Krankheit, Lug und Betrug

Teil 4: Ein einsames großes Anwesen in den Bergen

 

Die gute Nachricht vorweg. Nach 10 Wochen Krankheit ist die Infektion, die ich mir in Folge des Hundebisses zugezogen hatte, dank einer guten Ärztin und viel starker „Chemie“ beseitigt. Mir geht es wieder richtig gut. Die Ärztin meinte, dass ich Glück gehabt hätte, da ich gerade noch rechtzeitig zu ihr gekommen sei. Die Gesundheit ist das Wichtigste. Doch nun möchte ich gerne ein wenig „Gerechtigkeit“ und zumindest meine Arztkosten von den Hundehaltern, die ihre Hunde weder versichert noch geimpft haben, erstattet bekommen.

Ich habe ihnen per Post zwei Briefe mit meinen Rechnungen in Kopie und der Bitte um Erstattung zukommen lassen. Erwartungsgemäß erfolgte daraufhin keine Reaktion. So habe ich weiter nachgeforscht und weiß nun von einem weiteren Fall, in dem derselbe Hund zugebissen hat.

In der letzten Woche brachte ich einen älteren Nachbarn mit meinem Wagen zur örtlichen Ambulanz, da er dort einen Termin hatte und nicht allein dorthin laufen konnte. Wir kamen mit der freundlichen irischen Krankenschwester ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass sie bereits 30 Jahre hier auf der Insel leben würde. Mein Nachbar erzählte ihr von meinem Missgeschick und davon, dass ich von dem Schäferhund der Blumenhändlerin im Ort unterhalb des Ortes von Tamaimo gebissen worden sei. Sie erzählte, dass sie ihm letzten Jahr in der Ambulanz in Tamaimo gearbeitet habe. An einem Morgen habe man ihr einen Jungen gebracht, der gleichfalls von dem Schäferhund der Blumenhändlerin verfolgt und vom Rad geworfen worden sei. Dieser hätte eine kräftige Bisswunde am Oberschenkel erlitten. Sie meinte, dass sie sich auch noch an weitere Vorfälle erinnern könne. Wir tauschten uns aus und sie versicherte mir, dass sie in den alten Papieren nachschauen würde, ob noch etwas schriftlich festgehalten sei.

Die freundliche Krankenschwester bestärkte mich darin, etwas gegen die Hundebesitzer zu unternehmen. Sie sagte mir, dass es diesen bislang  immer erfolgreich gelungen sei über die lokale Polizei, die allein dem örtlichen Bürgermeister unterstellt ist, die Vorfälle unter den Teppich zu kehren. Der Hund stelle jedoch ihrer Meinung nach tatsächlich eine große Gefahr da, da er weiterhin frei laufend auf der Straße vor dem Haus gesichtet worden sei. Auch ich habe zurzeit Angst dort mit dem Fahrrad entlang zu fahren. Da es aber kaum eine andere Möglichkeit bzw. Alternativstrecken gibt, überlege ich zurzeit, wo ich mir wenigstens ein Pfefferspray besorgen könnte. So lautete zumindest  der Rat eines Mitarbeiters an der deutschen Botschaft in Madrid. Vielleicht bringt mir mein Weihnachtsbesuch das Gewünschte mit auf die Insel. Ein Pfefferspray als Weihnachtsgeschenk :-).

Mittlerweile war ich  in der nächst größeren Stadt, in Playa Juan und habe mich bei der Polizei Guardia Civil nach dem Fall erkundigt. Dazu hatte mir meine Ärztin geraten. Sie meinte, dass die Guradia Civil auf meinem Hinweis wahrscheinlich bei der Lokalpolizei nachfragen würde. Dann wäre es dort nicht mehr so einfach den Vorgang einfach verschwinden zu lassen. Zunächst war es schwer, überhaupt bei der Guardia Civil vorstellig zu werden, da dort bewaffnetet Beamte vor der Tür standen, die anscheinend an dem Tag kein großes Interesse an Publikumsverkehr hatten. Doch als ich mit viel Überredungskunst endlich an drei schwer bewaffneten Mitarbeitern vorbei war, nahm sich ein freundlicher Beamter meines Anliegens an. Er hörte mir aufmerksam zu und rief danach in meiner Anwesenheit bei der Lokalpolizei an. Ich bin froh, dass ich mittlerweile recht gut die spanische Sprache verstehen und sprechen kann.

Nach dem Telefonat teilte er mir mit, dass er sich von der Lokalpolizei einen Bericht werde schicken lassen, den er mit mir durchsprechen würde. Dieser würde dann an das Gericht in Arona gesandt werden. Er würde mich im Laufe der nächsten Woche anrufen.

Gut gelaunt verließ ich die Polizeistation. Doch in der nächsten Woche passierte dann doch leider nichts. Ich wurde also  noch einmal auf der Polizeistation vorstellig. Man warte auf den Bericht der Lokalpolizei erklärte mir eine Mitarbeiterin bei der Polizei. Nach einer weiteren Woche saß ich wieder vor dem freundlichen Herrn bei der Guardia Civil. Er rief noch einmal in meiner Anwesenheit bei der Lokalpolizei an. Danach sagte er mir, dass der zuständige Bearbeiter dort nicht im Hause sei. Er werde dort morgen früh anrufen und mich dann benachrichtigen. Das ist nun schon wieder drei Tage her. Morgen, morgen…ist das große Zauberwort hier. Doch ich werde dranbleiben und den freundlichen Herren – wenn es sein muss – jeden Montag einen Besuch abstatten.

Ich habe noch die Worte der irischen Krankenschwester im Ohr. „Bleiben Sie dran. Der Hund stellt nicht nur für sie, sondern auch für jeden, der dort an der Finca vorbei kommt, eine große Gefahr da. Die Korruption muss  auch hier einmal ein Ende haben. Schließlich leben wir in Europa.“

Wird das Pfefferspray unter dem Tannenbaum liegen? Bin ich mit Pfefferspray tatsächlich zukünftig gut geschützt? Werden sich die Hundebesitzer melden oder ihre Hunde besser beaufsichtigen? Wird es weitere Bissfälle geben? Und werde ich eines Tages von der Guardia Zivil etwas hören? Muss ich doch noch einen Rechtsanwalt einschalten? Die Zukunft wird es zeigen.

Es bleibt spannend. Fortsetzung folgt.

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Kommentare
  1. Zoé sagt:

    Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir viel Erfolg!
    LG

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  2. wederwill sagt:

    tatsächlich spannend, aber ebenso ärgerlich!
    Schön zu lesen, dass alles geheilt ist – es hätte viel übler ausgehen können! Aber gerade deshalb hoffe ich, dass die gewissenlosen Besitzer zur Rechenschaft gezogen werden!
    Trotz allen Ärgers eine schöne Vorweihnachtszeit und liebe Grüße,
    Marlis

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  3. Pit sagt:

    Hallo Leonie,
    also zunächst einmal: ich bin froh, dass Du die körperlichen Folgen des Hundebisses gut überstanden hast und dass es Dir gesundheitlich wieder gut geht. Der Rest der Geschichte ist allerdings weniger schön, wenn ich auch sagen muss, dass ich – leider – kaum etwas Anderes erwartet hatte. Ich fürchte, das wird eine unendliche Geschichte.
    Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine schöne Adventszeit und – wie ich meine Nachrichten an meine Radlerfreunde hier immer schließe – safe bicycling,
    Pit

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    • leonieloewin sagt:

      Vielen lieben Dank Pit – auch Dir eine schöne Vorweihnachtszeit und schöne Radtouren (oder ist es zurzeit bei Dir zu kalt dazu?). liebe Grüße Leonie

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      • Pit sagt:

        Hallo Leonie,
        hier im südlichen Texas kann man normalerweise den ganzen Winter über radeln – mit Ausnahmen. In den nächsten 10 Tagen z.B. tagesüber zwischen 12 und 21 Grad sein. Natürlich werden wir auch Frosttage kriegen, und starken kalten Nordwind. Dann werde ich eben zuhause bleiben. Es kann aber auch gut sein, dass es z.B. im Januar Tage hat, an denen ich im kurzärmeligen Trikot und mit kurzer Radhose unterwegs bin.
        Liebe Grüße,
        Pit
        P.S.: Sag mal, ueberwinterst Du auf Teneriffa?

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        • leonieloewin sagt:

          Das hört sich ja recht gut, so dass Rad fahren – wie hier auf Teneriffa – normalerweise durchgehend möglich ist. Ja, in diesem Jahr wollte ich 6-7 Monate hier bleiben, habe aber in allen beruflichen und sportlichen Aktivitäten durch den Hundebiss leider fast 10 Wochen verloren. Doch Hauptsache wieder gesund. liebe Grüße nach Texas Leonie

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          • Pit sagt:

            Hallo Leonie,
            stimmt: im Grunde ist Radfahren hier ganzjährig möglich. Wir liegen, wenn ich einmal von Santa Cruz und San Antonio ausgehe, auch auf etwa der gleichen Breite – mit einem Grad Unterschied [Santa Cruz auf ca. 28,5 Grad Nord und San Antonio auf ca. 29,5]. Ihr dürftet allerdings mehr ein Seeklima haben, d.h. ausgeglichener.
            Es ist wirklich schade, dass Du durch den Hundebiss so viel Zeit verloren hast. Aber wie Du sagst: Hauptsache, wieder gesund.
            Hab‘ noch eine schöne Zeit,
            Pit

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  4. Leonie, ich ahne, wie es deinem Löwenherzen geht, das so gar nicht richtig kämpfen kann, weil der Gegner so unfair ist.
    Ich hätte ein wenig Angst, den Hund eventuell durch das Pfefferspray nur noch stark zu reizen, so dass er in blindwütigem Schmerz noch stärker um sich beißt. – Das Pfefferspray wäre eher etwas für die Besitzer, denn der Hund wurde vielleicht sogar zum beißen erzogen.

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  5. Frau Tonari sagt:

    Ich finde es ganz große klasse, dass Du da dran bleibst. Vielleicht siegt die Gerechtigkeit. Und jeder weitere verhinderte Hundebiss ist die Mühe wert. Du hast alle meine Daumen.

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  6. Das Allerwichtigste: Du bist wieder gesund. Für alles weitere drücke ich weiterhin fest die Daumen.
    Herzlichst – Iris

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  7. minibares sagt:

    Oh weh, das ist ja schlimm.
    Diese Verbrecher (so kann man sie wohl getrost bezeichnen) werden leider doch noch gedeckt von der örtlichen Polizei und was weiß ich alles….
    Ich drücke dir die Daumen, dass der Fall endlich ins Rollen kommt.
    Pfefferspray, ach so, genau in der Gegend hättest du es dann griffbereit, alles klar.
    Liebe Grüße Bärbel

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  8. Corinna sagt:

    Liebe Leonie, ich bin froh, dass Du wieder gesund geworden bist! Ich finde den ganzen Vorfall empörend und hoffe, dass Du mit Ausdauer und Hartnäckigkeit tatsächlich etwas ausrichten kannst. Leider ist es in südlichen Ländern nicht einfach, gegen die eingefahrenen Strukturen anzukommen.

    Hinsichtlich des Hundes… falls das Tier ein generelles Problem mit Radfahrern hat, dann hilft vielleicht absteigen und schieben oder sogar stehen bleiben. So zappelt die „Beute“ weniger und wird uninteressant. Mit dem Pfefferspray hätte ich Angst, dass die Notwehr nach hinten losgeht. Wie auch immer, ich hoffe sehr, Du begegnest dem Tier nicht wieder,

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    • leonieloewin sagt:

      Lieber Corinna, das hoffe ich auch. Ich glaube, dass ich im ersten Teil dieses Berichts auch geschrieben habe, dass ich im Nachhinein denke, dass ich besser vom Fahrrad abgestiegen wäre. Der Hund hat mich als Beute gejagt. Doch in dem Moment bin ich da nicht drauf gekommen, da ich keine Angst vor Hunden habe und gedacht habe, dass alle drei Hunde nur bellen. Da der Schäferhund das Beißen schon mindestens einmal gemacht hat, wird er es m. E. immer wieder tun, denn er hat ja letztlich Erfolg gehabt. Ich bin selber gespannt, wie weit ich hier in dem Land mit meiner Rechtsverteidigung komme. liebe Grüße Leonie

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  9. Emily sagt:

    Liebe Leonie, ich habe mich schon gefragt, wie es weiter gegangen ist, wollte aber nicht fragen. Danke für den Einblick. Ich hoffe mit dir, dass alles seinen gerechten Weg gehen wird ♥
    Liebe Grüße, Emily

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  10. Anna-Lena sagt:

    Erst einmal freue ich mich, dass du wieder gesund bist, liebe Leonie. Bleib dran, nur so kannst du für dich und andere etwas erreichen.
    Das Wort manjana ist leider nicht nur ein Wort, sondern für die Spanier auch ein Lebensgefühl.
    Ich wünsche dir von Herzen Erfolg und viel Geduld 🙂 .

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  11. Follygirl sagt:

    Wie gut das es Dir wieder besser geht.. alles andere ist nur ärgerlich!
    LG, Petra

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  12. Diva sagt:

    Zum Glück gehts dir wieder fut! Ich wünsche mir ganz fest , das das ganze noch Folgen für die verantwortungslosen Hundehalter hat! Liebe Grüsse Anja

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  13. Gabi sagt:

    Die ganze Geschichte ist ja eine unendliche Odyssee. Ich halte Dir die Daumen, dass Du zu Deinem Recht kommst und dass etwas unternommen wird, damit der Hund nicht wieder zubeissen kann.
    Aber auf jeden Fall schön, dass Du nun endlich wieder gesund bist.
    LG Gabi

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