Abriss oder ¡No pasa nada!

Veröffentlicht: 14. Januar 2015 in Foto und Geschichten, Leonies Leben 2015, LeoniesLeben, Spanisches Leben
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Im letzten Oktober passierte in unserer Straße hier auf Teneriffa etwas sehr Merkwürdiges. Als ich mit Lasko auf meinem Morgenspaziergang die Straße hinunterlief, fielen mir gelbe und blaue Absperrungen auf. Normalerweise verwendet die örtliche Polizei diese Absperrungen bei Unfällen oder  Bauarbeiten. Doch hier standen die Absperrungen einfach so vor einem Haus in unserer Straße. Ein Mietshaus, in dem sechs Parteien wohnen. Ich wunderte mich, denn um eine Baumaßnahme konnte es sich nicht handeln. Das Haus ist das Neueste in der Straße und wohl erst vor einigen Jahren fertig gestellt worden.

Als ich mit Lasko vom Morgenlauf zurückkam, packte mich die Neugier als ich an den Absperrungen weiße Papiere entdeckte. Anscheinend eine spanische Erklärung. Ich fing an zu lesen. Da kam eine Engländerin, die in dem Haus mit ihrer Familie wohnt, auf mich zu. „Du kannst doch Spanisch. Kannst Du mir sagen, was da steht?“ Ich las und druckste dann ein wenig herum. „Du, wenn ich das richtig gelesen habe. Dann wollen die morgen früh ab sieben Uhr Euer Haus abreißen.“ „Was, das kann doch nicht sein?“ Wir waren beide gleichermaßen sprachlos. Ich las den Text immer wieder. Da stand ganz klar. Morgen früh ab sieben bis zum Ende der Arbeiten (?) kann hier wegen Abbrucharbeiten am Haus nicht geparkt werden. Begründet wurde der Abriss mit einem Gerichtsurteil.

Die Nachbarin erklärte mir, dass der Eigentümer des Nachbarhauses gegen den Eigentümer ihres Hauses geklagt und gewonnen habe. Anscheinend hat ihr Eigentümer das Haus in einigen Teilen zu hoch oder zu nah an die Nachbargrenze gebaut. Aber gleich ein Abriß und dann so plötzlich?  Die Nachbarin alarmierte die anderen Bewohner und alle beratschlagten lautstark vor dem Haus, was denn nun wohl zu tun sei.

Schließlich klopften sie bei mir an und fragten, ob ich bitte ihren spanischen Vermieter anrufen  und ihm mitteilen könne, dass sein Haus abgerissen werden solle. Ich tat das. Und während ich die Nummer wählte, erwartete ich , dass der arme Mann nun völlig aus dem Häuschen sein würde. Doch der hörte sich meine Mitteilung ganz ruhig dann. Dann war einen Moment Ruhe am anderen Ende der Leitung. Und dann sagte er sehr ruhig und gefasst: „Ach, da passiert schon nichts. ¡No pasa nada! Ich komme morgen früh mal vor bei. Sagen Sie das bitte meinen Mietern“. Ich war erstaunt, dass der Eigentümer anscheinend überhaupt nicht besorgt war und es nicht einmal für nötig hielt, um sieben Uhr vor Ort zu sein. Doch ich richtete die Botschaft aus.

Am nächsten Morgen um sieben waren alle Einwohner auf ihren Terrassen versammelt. Es passierte jedoch erst einmal nichts. ¡No pasa nada! , wie die Spanier gerne sagen. Um 9.00 Uhr kam der Eigentümer vorbei und unterhielt sich mit den Leuten. Auf der Straße passierte weiter nichts. Als ich nachmittags am Haus vorbei kam, rief mir meine Nachbarin erleichtert zu: „Alle sagen, dass nichts passieren wird“. „Na dann“, dachte ich, “ ist ja alles gut“.

Tatsächlich standen die bunten Barrieren noch weitere 5 Tage dort. Dann sammelte die Polizei sie wieder ein. Ruhe kehrte in die Straße ein. Ich schmunzelte über den Vorgang, der mir sehr „spanisch“ vorkommt. Lachend erzählte ich auch Freunden davon.

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Doch stellt Euch vor, was gestern Morgen passierte. Vier Monate später anscheinend das gleiche Spiel. Ich fand das selbe Haus umgeben von bunten Straßensperren vor. Auf dem beigefügten Papier wird wieder auf einen Gerichtsbeschluss hingewiesen und Maßnahmen für den 15. Januar um 7.00 Uhr angekündigt. Die Einwohner des Hauses finden das Ganze nicht so lustig, aber nehmen es mit Humor. ¡No pasa nada! meint die Nachbarin.

SperreNa hoffentlich hat sie recht und es bleibt auch dieses Mal beim ¡No pasa nada!. Morgen früh wissen wir mehr.

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Kommentare
  1. Traveller sagt:

    ist schon sehr strange, finde ich

    lieben Gruß
    Uta

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  2. Das wäre mir als Mieter zu aufregend!
    Schönen Tag für dich!

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  3. Falls die Bauarbeiter morgen zum Abreissen kommen…haben die Mieter dann noch Gelegenheit ihre Sachen aus dem Haus zu tragen? Und wo sollen sie dann wohnen?
    Da bin ich ja echt mal auf die Fortsetzung gespannt.
    Lg Claudia

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  4. nurbanales sagt:

    Oh je in dem Haus möchte ich nicht wohnen. Das wäre mir zu nervenaufreibend.
    LG Gabi

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  5. Was für ein Stress für die Bewohner! Ich frage mich nur, wie das ggf. überhaupt umgesetzt werden soll mit dem Abriss. Zurerst einmal müssen doch alle Mieter aus den Wohnungen sein bzw. eine neue Bleibe irgendwo haben und Gelegenheit dazu haben, ihr Eigentum in Sicherheit zu bringen. Sehr merkwürdig. Bin wirklich gespannt auf die Fortsetzung …

    LG Michèle

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    • leonieloewin sagt:

      Unter normalen Umständen hast Du natürlich vollkommen Recht. Natürlich müssen die Mieter vorher aus dem Haus und alles geregelt sein. Daher kann sich hier auch niemand vorstellen, dass wirklich etwas passiert. Drohgebärden? Spanische Verhältnissse? Ich weiß es selber nicht und bin ratlos. liebe Grüße Leonie

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  6. finbarsgift sagt:

    Spannende Geschichte mit gekonnt gesetztem Cliffhanger *g*

    Liebe Grüße aus inmitten eines Wolkenbruchs vom Lu

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  7. … *boah, wie spannend! Wir wären nicht in Spanien, gäbe es nicht vielleicht noch eine ganz überraschende Auflösung des Problems.

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  8. Diva sagt:

    Ich würde irre wenn ich Mieter in diesem Haus wäre ! Wahnsinn ! L.g. Anja

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  9. Urteil und Einspruch. Nichts ist endgültig. Ab und zu hat das was.
    LG Charles

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  10. khecke sagt:

    Auf jeden Fall verdienen die Barrikadenaufsteller schon mal und wenn die Leute da nicht parken duerfen, ist das auch nicht gerade schoen.
    Bin gespannt, wie es weiter geht.
    Gruss aus dem sonnigen NW Arkansas,
    Karl-Heinz

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  11. Gabi sagt:

    Na das sind ja Sachen! Schon sehr eigentartig. Warum und wozu dieses Theater kann wohl auch niemand erklären, stell ich mir vor.
    Meine Hematstadt Wien hatte eine Zeit lang (oder ist das noch immer so, ich weiß es jetzt nicht genau) den Slogan: Wien ist anders!
    Aber wie man sieht, ist nicht nur Wien anders, sondern so manche andere Orte auch. 🙂
    LG Gabi

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  12. […] Beruhigung der gesamten Nachbarschaft steht auch das  Nachbarhaus noch ohne bauliche Veränderungen in unserer Straße. Der angekündigte teilweise Abriss hat  […]

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