Bogota – Metropole hoch in den Anden

Veröffentlicht: 30. November 2015 in Kolumbien, Leonies Leben 2015, LeoniesLeben, Reisen 2015
Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , ,


die Farben von Kolumbien

die Farben von Kolumbien

Am 5. November mittags startet mein Flug über den Atlantik nach Bogota. Im kalten Madrid habe ich mir eine kleine Erkältung eingefangen. Doch die mindert keineswegs meine Vorfreude auf die Reise. Nach 10,5 Stunden lande ich in Bogota und treffe dort meine Reisegruppe. Bislang habe ich meine Reisen immer selber organisiert. Nun ein erster Versuch mit einer Gruppenreise. Für mich spannend. Da ich von dem langen Flug ein wenig müde bin, freue ich mich, dass ich nun nur noch der Gruppe in den Bus hinterher laufen muss. Auf der langen Fahrt durch die Stadt zu unserem ersten Hotel, gibt es durch den Reiseleiter erste interessante Informationen über Kolumbien und insbesondere die große Hauptstadt Bogota. Bogota ist die dritt höchstgelegene Metropole der Welt und liegt auf einem fruchtbaren Hochplateau der Anden,  2.640 Meter über dem Meeresspiegel, am Fuß der östlichen Kordillere. Die Fläche der Stadt beträgt 1.775,98 Quadratkilometer. In meinen Augen eine riesengroße Stadt.

Bogota vom Monteseratte

Bogota vom Monserrate

Die Fahrt mit dem Bus durch die anscheinend vollkommen verstaute Stadt dauert bei einsetzender Dämmerung gefühlt eine Ewigkeit. Offiziell hat Bogota 7,8 Mio. Einwohner. Doch immer mehr Menschen – insbesondere in den Armenvierteln am südlichen Stadtrand kommen hinzu. Tatsächlich sollen mittlerweile mehr als 10 Mio. Personen hier wohnen. Ein großes Problem neben der unübersehbaren Armut vieler Menschen, scheint der Verkehr zu sein. Obwohl nur noch Fahrzeuge mit gerade oder ungeraden Nummern an bestimmten Tagen in die Stadt dürfen, ist die Stadt immer und ständig verstaut. In dieser Klassengesellschaft besitzen die „Reichen“ einfach mehrere Autos mit verschiedenen Kennzeichen, so dass sie jeden Tag in die Stadt fahren können.

Vor den großen neuen Busstationen (TransMilenio) stehen hunderte von Menschen in langen Warteschlangen an. Laut Reiseführer besitzt die Stadt ein ausgezeichnetes Bus- und Radwegenetz. Dennoch dauern hier kleinste Wege laut unserem Reiseleiter Stunden. Das erleben wir bereits persönlich auf der Fahrt zum Hotel und natürlich auch in den nächsten Tage. Und auch ein Fahrrad soll nicht die Lösung sein, da es organisierte Banden auf Radfahrer abgesehen haben. Sie sollen die Radfahrer mit Gewalt vom Rad ziehen oder einfach mit einem Stock herunterschlagen, um an die begehrten Zweiräder zu kommen.

Blick über die Dächer im Viertel Candelaria

Blick über die Dächer im Viertel Candelaria

Gewalt scheint hier in der Stadt ohnehin ein großes Thema zu sein. Immer noch verzeichnet Bogota mehrere Tausende von ermordeten Menschen jährlich. Morden scheint an der Tagesordnung zu sein. Die soziale Ungleichgewicht ist überall spürbar. Es soll etwa  10 verschiedene „Kasten“ geben.  Die reichen von superreich bis rein gar nichts haben. In den nächsten Wochen lerne wir junge Paare kennen, die uns von ihrem Penthaus und ihrem Porsche erzählen. Eine Straße weiter kämpfen Familien darum, überhaupt ein wenig Essen für ihre Kinder zu erhalten. Den 2-3% „Reichen“ gehört fast alles im Land. Kriminalität und Korruption sind an der Tagesordnung und auch der Drogenhandel scheint noch lange nicht ausgerottet zu sein.

8-12 jährige Kinder verüben für 20 Dollar Auftragsmorde. Ein Menschenleben ist hier nur so viel Wert, wie die Materie, die der Mensch am Leib trägt. Es gibt Viertel, in die kein Bus oder Taxi hineinfährt. Dort herrscht Anarchie bzw. organisierte Kriminalität. Diese Viertel werden durch Banden regiert.Polizei und Banden bekämpfen sich dort und  wahllos werden von beiden Seiten Menschen niedergeschossen.

...das größte Hochhaus Südamerikas soll hier entstehen

…das größte Hochhaus Südamerikas soll hier entstehen

Die Menschen und insbesondere die Kinder haben keine Chance. Sie müssen um das reine Überleben kämpfen. Der Staat gibt kein Geld für Bildung aus, da er lieber ungebildete Menschen hat, die sich leichter regieren lassen. Arme Menschen können kaum Schulgeld und alle notwendigen Dinge für die Schule zahlen. Im Norden der Stadt wohnen die Besserverdienenden und Reichen hinter hohen Mauern, Stacheldraht, gesichert mit Videoüberwachung und mit Wachmännern. Immer mehr Menschen drängen in die Stadt, da sie vor den Rebellen vom Land fliehen. Doch es erwartet sie keine schöne Wohnung. Viele Menschen leben unter Müllsäcken in primitivsten Hütten. Es wird vom Gullideckel bis zum abgestellten Pkw alles gestohlen, was nicht befestigt ist. Daher sehen wir bereits vom Bus aus nur mit hohen Zäunen gesicherte Häuser.

Die Mittelschicht strebt immer mehr nach materiellen Attributen, wie Autos und Handys. Doch wer kann sich wirklich ein Fahrzeug leisten? In der Kürze der Zeit für mich nicht wirklich nachvollziehbare Fakten. Vieles bleibt auch für mich eine Ungereimtheit. Unbedingt muss ich dazu mehr nachlesen. Und dennoch soll hier zurzeit bereits alles besser als noch vor 10 Jahren sein. Unvorstellbar. Die Menschen arbeiten im Durchschnitt 10 Stunden in dieser Stadt und brauchen zusätzlich häufig noch zwei Stunden für den einfachen Arbeitsweg.

Blick aus der Höhe auf die große Stadt

Blick aus der Höhe auf die große Stadt

Geckoschmuck

Geckoschmuck auf dem Monserrate

Trompetenbaum mit höchst giftigen Blüten

Trompetenbaum mit höchst giftigen Blüten

Auch das Wetter in Bogota, das im Allgemeinen freundlich und um 20 Grad sein soll, zeigt uns seine kühle Seite. So lernen wir diese Stadt leider nur mit grauen Wolken und bei Regen kennen. Doch zwischendurch klart es ein wenig auf. Am nächsten Morgen geht es auf den Aussichtsberg Monserrate (3.152 Meter).Wir fahren steil bergauf mit einer Zahnradbahn. Als ich neben der Bahn einen kleinen Pfad bergauf entdecke, frage ich mich, warum wir dort nicht hochgelaufen sind. Unser Guide erklärt mir, dass „man“ dort gehen könne, da dort Touristen regelmäßig überfallen würden.

..mit der Zahnradbahn geht es steil aufwärts

..mit der Zahnradbahn geht es steil aufwärts

..auf dem Monserrate

..auf dem Monserrate

.auf dem Monserrate

.auf dem Monserrate

.auf dem Monserrate

.auf dem Monserrate mit Regenwolken

auf dem Monserrate

auf dem Monserrate

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittags fahren wir zu einem Großmarkt, auf dem wir die vielfältigen kolumbianischen Früchte und Obst ansehen und probieren können. Einige der gut aussehende Früchte kenne ich bereits (Orangen, Bananen, Avocados usw.). Aber wie schmeckt eine Badea, Borojó oder Chirimoya? Ich habe selten eine solch große Auswahl an exotischen Früchte gesehen und probieren können.

 

Großmarkt

Großmarkt

Großmarkt

Großmarkt

Riesenavocados

Riesenavocados

 

Großmarkt mit Früchten und Obst

Großmarkt mit Früchten und Obst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach dem kulinarischen Genuss geht es weiter in das Goldmuseum. Auf mehreren Etagen sind dort mehr als beeindruckende Goldschätze zu sehen.

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum - das Schattenbild zeigt, wie das Gold an dem "Tragendem" ausgesehen hat

Goldmuseum – das Schattenbild zeigt, wie das Gold an dem „Tragendem“ ausgesehen hat

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

Goldmuseum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann reicht die Zeit noch gerade für einen Rundgang durch die historische Altstadt von Bogota, die Candelaria. Im Regen sehen wir den Plaza de Bolivar, Kirchen, Plätze und große Museen. Beeindruckend auch die vielen interessanten Wandmalereien und Graffitis an den Mauern und Häuserwänden.

Graffiti

Graffiti

Wandgraffiti

Wandgraffiti

Candelaria

Candelaria

bunte Häuserwände

bunte Häuserwände

..in der Candelaria

..in der Candelaria

Abends dann noch ein Erlebnis der besonderen Art. Unser Busfahrer nimmt uns mit zu sich und seiner Familie nach Hause. Wir fahren mit dem Bus quer durch die Stadt an der Universität vorbei in ein Wohngebiet hinter dem Flughafen. Dort lernen wir die Familie unseres Busfahrers kennen, die uns einen kolumbianischen Eintopf serviert und uns interessante Einblicke in das Leben einer kolumbianischen Familie gibt.

unser Busfahrer mit Familie

unser Busfahrer mit Familie

In den zwei Nächten und einem langen Tag haben wir so einen ersten Eindruck von Bogota und Kolumbien erhalten. Wir werden auf unserer Rundreise noch einige Male zu dem „Drehkreuz“ Bogota zurückkommen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements
Kommentare
  1. aquasdemarco sagt:

    Wünsche dir tolle Erfahrungen, ich beneide dich, wäre gerne mit meiner Kamera dabei

    Gefällt 1 Person

  2. kowkla123 sagt:

    wäre auch gerne dabei gewesen, wünsche eine gute Woche

    Gefällt mir

  3. Mir war gar nicht bewusst, wie groß die Hauptstadt doch ist … Und dieser Verkehr!
    Sag mal, wie hast du denn die Höhenlage bei deiner Ankunft vertragen? Ging es schnell mit der Gewöhnung? Das ist ja doch schon etwas andere Luft bzw. ein sehr viel geringerer Luftdruck .. (und dann gleich am nächsten Tag noch ein bisschen höher auf den Berg – alle Achtung!).

    Man bekommt einen sehr schönen Eindruck durch deinen Bericht und natürlich auch die Fotos. Schon imposant die vielen Früchte, schön, die Goldobjekte oder auch ein Hingucker, was dort als Wandmalerei fabriziert wurde!

    Ich freue mich auf weiteres!

    LG Michèle

    Gefällt 1 Person

    • leonieloewin sagt:

      Danke liebe Michele, merkwürdigerweise hatte ich mit der Höhe keine Probleme. Bin ja auch oft hoch genug auf Teneriffa unterwegs :-). Allerdings konnte ich den größten Teil der Tour über kaum schlafen.Vielleicht fehlte mir die Bewegung. Liebe Grüße nach Hamburg, Leonie PS: Ihr habt Euch gegen eine Olympiade entschieden?

      Gefällt mir

      • Schade, dass es mit dem Schlafen nicht so recht etwas wurde … Ich hoffe, jetzt daheim geht es wieder besser.
        Tja, mit der Olympiade wird es nichts. Ich glaube, da standen alle Hamburger vor einer sehr schwierigen Entscheidung und – egal, welche Ansicht vertretend – es hat sich keiner leichtgemacht ..

        LG Michèle

        Gefällt mir

        • leonieloewin sagt:

          Auf der Insel schlafe ich immer gut :-). Und so konnte ich wenigstens nachts ein wenig meine Fotos vorsortieren.
          Das kann ich mir gut vorstellen, dass eine solche Entscheidung nicht leicht zu treffen ist. Nun hat sich die Mehrheit der Wählenden entschieden. Liebe Grüße nach Hamburg, Leonie

          Gefällt mir

  4. Pit sagt:

    Hallo Leonie,
    danke für den aufschlussreichen Bericht, auch wenn ich Deine Schilderung von den Problemen Bogotas erschreckend finde. Interessant sind für mich auch Deine Erfahrungen mit einer organisierten Reise. Bis auf ein Mal haben wir auch immer Reisen selbst organisiert. Mit der organisierten [eine Flusskreuzfahrt auf Mosel, Rhein und Main] vor zwei Jahren waren wir nicht unbedingt zufrieden. Einerseits hat es uns sehr gefallen, die gesamte Zeit an Bord eines Schiffes zu sein und nicht „umziehen“ zu müssen, andererseits war aber unserer Meinung nach viel zu viel ins Programm gepackt. An den meisten Tagen musste man, wenn man an den Ausflügen/Besichtigungen teilnehmen wollte, schon zu Beginn des Frühstücks da sein und konnte das nicht so richtig in Ruhe genießen, weil es noch während der Frühstückszeit losging. Und auf den Ausflügen gab es dann fast nie Zeit für ein eigenes Programm, wie z.B. Stadbummel auf eigene Faust. Schade!
    So, jetzt bin ich ganz gespannt auf Deine weiteren Berichte und Bilder.
    Hab’s fein,
    Pit

    Gefällt 1 Person

    • leonieloewin sagt:

      Hallo Pit, ich habe mich nicht getraut selbst organisiert nach Kolumbien zu fahren. Jetzt weiß ich von Travellern, die ich getroffen habe, dass auch das möglich ist. Gruppenreisen haben wahrscheinlich – wie die meisten Dinge auf der Welt – Vor- und Nachteile. Gut war, dass ich das große Land auf diese Art sehr gut organisiert schnell und komprimiert bereisen konnte. Platz für eine Verschmaufpause, individuelle Wünsche, bloggen usw. ist dabei natürlich nicht. Vielleicht haben beide Reiseformen zu ihrer Zeit ihre Berechtigung. Liebe Grüße Leonie

      Gefällt mir

  5. Clara HH sagt:

    Ganz, ganz lieben Dank für die ausführliche Beschreibung und die Fotos, doch was ich über die schreienden sozialen Ungerechtigkeiten so lese, möchte ich um nichts in der Welt dort leben. Berlin ist ja schon ein Verkehrsmoloch und ich komme mit dem Auto kaum vorwärts – aber dort scheint es ja so ähnlich zu sein wie in China, nur werden wohl dort die Fahrräder nicht geklaut.
    Du wirst ja noch mehr erzählen, ich bin gespannt.
    Herzliche Grüße von Clara

    Gefällt 1 Person

  6. vivilacht sagt:

    manchmal sind Gruppenreisen gar nciht so schlecht, habe auch schon an einigen Teilgenommen. Meistens fahren wir aber doch alleine. Danke fuer deine Bilder, die Hoehe dort, die haette mir schon Schwierigkeiten gemacht. Dadurch freu ich mich noch mehr ueber deinen Bericht mit den Bildern

    Gefällt 1 Person

Freue mich über jeden Kommentar von Euch

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s