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Lasko denkt

Lasko denkt

Gestern – Leonie war – wie sie sagte – immer noch mit der Materie am Kämpfen. Das bedeutete, dass sie viel telefonierte, mailte und sich nach Lösungen für unser Elektrik- und das Antennenproblem umsah. „Die Zeit läuft mir einfach davon“, stöhnte sie. Das ist ja witzig. Wie kann denn Zeit davon laufen? Ich setzte ein breites Hundelachen auf. Also wirklich Leonie – Zeit ist immer da und läuft niemals davon. Das müsstest Du doch eigentlich wissen.

Ich habe eher den Eindruck, dass ihr Zweibeiner ab und zu, zu viele Dinge auf einmal machen wollt, zu ungeduldig seit oder hektisch ohne Nachdenken durch die Gegend rennt. So vergesst ihr die Zeit und vor allen Dingen vergesst Ihr, Eure Zeit im hier und jetzt zu genießen. Am Abend, am Ende der Woche oder besonders am Ende eines Jahres merkt ihr ganz plötzlich, dass die Zeit, die eben noch da war und für Euch bereit stand, weg ist. Und dann sagt ihr, dass Euch die Zeit davon rennt. Das ist doch eine ganz billige Ausrede. Ihr rennt der Zeit davon. Das ist die Wahrheit.

Schaut mich an. Ich genieße die Zeit, mache mir keine Gedanken über die Zeit und mache seelenruhig eine Sache nach der anderen. Und das machen alle Hund so. Oder habt Ihr schon mal einen Multi Tasking fähigen Hund gesehen? Nein? Das ist richtig und das ist auch gut so. So dumm, zu viel auf einmal zu machen, können nämlich nur Zweibeiner sein. Ich habe immer genügend Zeit. Und wenn hier einer wegrennt, dann bin ich das – und nicht die Zeit.

Heute – Leonie hat mich – wie immer – mit zum Friseur genommen. Nee, ich muss keine Haare schneiden lassen. Haarmäßig bin ich ein automatisierter Labrador. Meine Haare schüttele ich ständig und überall ab und dann wachsen sie wieder nach. So habe ich einen absolut pflegeleichten stylischen Look. Bei Leonie funktioniert das leider nicht. Sie muss daher von Zeit zu Zeit zum Friseur. Das ist hier auf Teneriffa für Leonie immer ein kleines Abenteuer. Zunächst muss sie hoffen, dass ihr Spanisch ausreicht, um zu erklären, wie die Haare geschnitten werden sollen. Da ihr das nicht immer gelingt, werden ihre Haare im Moment von Monat zu Monat kürzer :-).

Hinzu kommt, dass Leonie für einen Friseurbesuch ordentlich Zeit einzuplanen hat. Heute waren wir allerdings bereits nach drei Stunden wieder zu Hause. Das ist nicht unbedingt immer so. Leonie macht in dem kleinen Friseurgeschäft in der Altstadt immer rechtzeitig einen Termin aus. Doch wenn wir dann pünktlich zum Termin erscheinen, sitzen  meistens noch knapp 12 Leute dort, die vor uns dran sind und auch auf einen Haarschnitt warten. Am Anfang mochte Leonie das gar nicht glauben und dachte, wenn sie einen Termin hätte, dann würde sie auch zu dem Termin dran kommen. Aber das scheint hier irgendwie anders zu funktionieren. Der Termin scheint lediglich die Eintrittskarte für den Friseursalon zu sein.

Mit Termin darf der Kunde auf Wink der freundlich ausschauenden korpulenten Friseurin drinnen Platz nehmen und warten. Das Warten ist dann für lange Zeit die Hauptbeschäftigung. Leonie nutzt die Zeit zum Spanisch lernen.  Da niemand in großer Eile zu sein scheint, geht es sehr gesprächig, laut und langsam zu. Das letzte Mal als Leonie die Haare schneiden ließ, hatte sie einen Termin um 16.30 Uhr. Um 18.00 Uhr wurden ihr die Haare gewaschen und um 19.00 Uhr begann der Haarschnitt. Leider kam dann der Ladenbesitzerin etwas dazwischen. Sie musste telefonieren und danach auf der Straße sich mit einigen – vielleicht sehr wichtigen – Leuten unterhalten. Um 20.00 Uhr nahm sie ihr Werk freundlich lachend wieder auf, obwohl um diese Zeit eigentlich Geschäftsschluss wäre.

Um 21.00 Uhr verließ Leonie noch mit nassen Haaren den Laden, weil das Fönen dann wohl bis 22.00 Uhr gedauert hätte. „Das lohnt sich heute nicht mehr. Ich gehe sowieso gleich ins Bett“, gähnte sie müde. Ich war nicht so müde, denn ich hatte seit 16.30 Uhr im Schatten vor dem Friseursalon geschlafen. Aber hungrig – das war ich.

Morgen – vielleicht sollte Leonie mal über ein besseres Zeitmanagement nachdenken. Eigentlich kann sie sehr gut organisieren. Aber andere Länder, andere Sitten – und natürlich ein anderes Zeitmanagement.  Aber bevor ich weiter über unsere Anpassung an das spanische Zeitmanagement nachdenke, drehe ich mich erst einmal auf die andere Seite. Alles weitere: manana.

Letzten Sonntag habe ich hier die Wahlen in Spanien mit erlebt und war beeindruckt, wie die Leute in meiner Umgebung mit Händen und Füßen die Wahlereignisse und die Politik diskutierten.

Vor ungefähr einer Woche wurde meine Kurzgeschichte tatsächlich im Radio gebracht. Ich habe sie hier auf Teneriffa das erste Mal mit meiner eigenen Stimme gehört. Das war so ungewohnt, dass ich gar nicht mehr richtig hingehört habe. Es hat mich sehr gefreut, dass die Geschichte wirklich vom Sender übertragen wurde. Ehrlich gesagt, heute würde ich sie bereits ganz anders schreiben. Entwicklung?

Endlich habe ich wieder angefangen, weiter an meinem Buch zu schreiben. In der ersten Zeit bin ich dazu leider nicht gekommen, da ich viel von der Umgebung und der Insel sehen wollte und zumeist unterwegs war.

Wenn ich schreibend an meinem kleinen Tisch in der Miniküche sitze und an den Palmen vorbei über den Atlantik blicke, habe ich das Gefühl, dass ich einen guten Ort gefunden habe. Einfach sein im hier und jetzt.

Einem lieben Geburtstagskind sende ich heute ganz besonders liebe Glückwünsche in die Heimat. Euch allen wünsche ich ein angenehmes Wochenende.

Und zum Abschluss noch etwas ganz anderes. Ich möchte gerne diesen Link zu Tasso weitergeben, weil mich die Tötung der rumänischen Straßenhunde doch sehr bewegt. Vielleicht ist der eine oder andere unter Euch, der den Protest dagegen auch unterschreiben möchte.