Mit ‘Spanier’ getaggte Beiträge

Montagnacht war eine Nacht mit Vollmond und ich war draußen. Da ich am Montag einen gut gefüllten Tag hatte, beschloss ich abends mir etwas zu gönnen und zum Spanier um die Ecke zu gehen. Vormittags war ich beim Spanischkurs für Ausländer. Dann war Wäsche waschen und Wohnungsputz angesagt. Auch so etwas gibt es im Paradies :-). Und am Nachmittag habe ich tatsächlich (nur einfach so) Wohnungen besichtigt. Nachdem ich danach noch viel geschrieben hatte, hatte ich abends keine Lust etwas zu kochen und gönnte mir ein Essen beim Spanier. Es gab Tintenfisch mit kanarischen Kartoffeln für 5.50 Euro. Da konnte ich nicht nein sagen. Da das Restaurant sehr voll war und ich auch spät gekommen war, zog sich mein Essen unerwartet in die Länge, so dass es ungefähr 22.00 Uhr war, als Hund und ich zufrieden das Lokal verließen.

Normalerweise verbringe ich meine Abende hier ruhig zu Hause. Ich mache meine Tai Chi Übungen oder schaue zur Übung und zwecks Information spanisches Fernsehen. Zumeist sitze ich jedoch bei geöffnetem Fenster, blicke ab und zu auf den Atlantik und schreibe, während Hund zufrieden auf seiner Decke schnarcht. Am Montag war jedoch alles anders.
Ich kam an einer britischen Sportsbar vorbei, in der ein Fußballspiel lief. Bis zu der Bar hatte ich mich von einer Person zur nächsten durchgeschlagen. Mein Hund, der von den Engländern hier nur doggy und von den Spaniern einfach perro genannt wird, ist mittlerweile bekannt, wie der sogenannte bunte Hund. Jeder will ihn streicheln und mit ihm oder mir(?) ein paar Worte wechseln. Vor der Sportbar standen viele Leute und auch  die Personen, die eigentlich die Leute zum Eintreten in die Restaurants animieren sollen, schauten gespannt auf die Bildschirme. Ihre Kundschaft hatten sie offensichtlich vergessen, da Arsenal gegen Leeds Fußball spielte. Irgendwie schienen sich alle zu freuen, dass Arsenal kurz darauf gewann. Ich fragte mich, ob die Engländer hier wohl alle aus Arsenal (wo bitte ist das :-)) kommen? Gibt es niemanden aus Leeds?


Die Bildschirme gingen aus und ein Meat Loaf Doubel, das dem Original gewichtsmäßig in nichts nachstand, trat auf. Seine Musikstücke  erinnerten mich an meine Jugendzeit und so blieb ich trotz der fortgeschrittenen Zeit stehen. Die Britten, die sich intern im Pub streng nach England, Wales und Schottland sortiert gesetzt hatten, winkten mich näher. So setzte ich mich auf eine kleine Mauer vor dem offenen Auftrittsraum. Auch Hund machte Platz und lag vor der Mauer. Die Britten schienen sich so über Meat Loaf oder den Sieg von Arsenal zu freuen, dass sie in Kusslaune gerieten und doggy alias perro abknutschten. Richtig gehört. Nicht Hund knutschte sie ab, sondern sie knutschten hoch und runter den Hund ab. Jeder, der aus der Bar heraus kam oder in diese hinein ging oder sonst wie in unsere Nähe kam, weil er/sie zum Beispiel draußen rauchen wollte, knutschte und hing Hund am Hals. Einige vermissten nach eigenem Bekunden ihre in Britannien zurück gelassenen Haustiere und knutschten dafür doggy alias perro doppelt ab. Und auch junge Schwedinnen und Norwegerinnen ließen es sich nicht nehmen, doggy alias perro kniend zu umarmen. Mein Mann und meine Söhne wären neidisch auf Hundi geworden, wenn sie das gesehen hätten.


Mittlerweile fragte Meat Loaf jeden, woher er denn käme. Die meisten Zuhörer nannten englische Städte. Dann gab es noch ein paar Dänen, Schweden und Norweger, die jedoch allesamt nicht mehr so richtig sprechen konnten, da sie ein wenig stark dem Alkohol zugesprochen hatten. Meat Loaf nannte mich Germany, brachte mir persönlich ein Sitzkissen, streichelte doggy alias perro, der langsam genug von den vielen Streicheleinheiten hatte. Er rollte sich zusammen und fing wie ansonsten zu dieser Stunde, an zu schnarchen. Außerdem ging ihm anscheinend die laute Musik von Meat Loaf ein wenig auf die Nerven. Jedenfalls bedeckte er seine Ohren mit den Pfoten.
Meat Loaf widmete Germany ein Lied und verteilte inzwischen Länderpunkt. Ich als Germany erhielt 10, was wohl seine persönliche Höchstzahl war. Das hoffe ich jedenfalls. Wofür? Das erschloss sich mit nicht – wahrscheinlich für den Hund. Ihr seht, ich repräsentiere Deutschland im Ausland nicht schlecht :-).
Wie sieht es eigentlich zu Hause mit unserem offiziellen Repräsentanten (z.B. Bundespräsident) aus? Würden die auch 10 Länderpunkt erhalten? Da muss ich noch mal Meat Loaf fragen.


Meat Loaf beendete seinen Auftritt und reichte mir beim Herausgehen noch seine Visitenkarte und meinte, dass ich ihm auch auf Facebook folgen könne. Leider habe ich die Karte auf dem Nachhauseweg verloren. Nun kann ich ihm nicht auf Facebook folgen. Darüber war allerdings nicht einmal doggy alias perro wirklich traurig. Der meinte nach der Nacht auch norwegisch und schwedisch zu verstehen. Dabei hatte er gar nicht mitbekommen, dass die im Rausch heraus gebrachten Worte gar kein verständliches Nordländisch mehr waren.
Vielleicht hatten nicht nur die Britten zu viel getrunken, auch bei mir schlug der Weißwein langsam an. Da hier die Straßenreinigung wirklich gut funktioniert, war die Karte 5 Stunden später, als ich in der Straße meinen morgendlichen Jogginglauf absolvierte, bereits weg. Dies nächtliche Erlebnis, das mich erst um 2 Uhr in mein Bett brachte, wird einmalig bleiben. Ich sitze abends lieber wieder am Schreibtisch und höre den Wellen des Atlantiks zu.
Ich wünsche Euch einen schönen Tag und vorsichtig sein, wenn Ihr an einem britischen Sport Pub vorbeikommt :-).

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Ich habe hier im Blog  in der letzten Zeit bereits darüber erzählt, dass mein Mann und ich und mittlerweile wieder Hund und ich allein, äußerst gerne ab und zu zum Spanier hier bei mir um die Ecke gehen. Das kleine Restaurant in Puerto Santiago heißt San Francisco. Wieso ein Restaurant auf Teneriffa San Francisco heißt, weiß ich nicht. Allerdings gibt es ja in Berlin oder Bremen auch genügend Restaurants, die Kreta oder Rhodos heißen.


Jeden Abend stehen so etwas wie Animateure oder „Einlader“ vor den Türen der Restaurants. Sie haben wohl die Aufgabe, möglichst viele von den  wenigen Touristen gerade in  ihr Restaurant „zu verladen“. Am Anfang traute sich an mich mit dem Hund niemand heran. Sie wollten anscheinend auf unsere Euros verzichten. Mittlerweile kennen und lieben den Hund „Straßensteher“ in der Straße. Und Hund liebt alle, die nach Kellner oder Gastwirt aussehen. Denn mit diesen netten Menschen verbindet er riesengroße Knochen.

Leider hatte ich nie den Fotoapparat dabei, als der Chef persönlich kam und ganz Lammbeine, halbe Enten oder am Weihnachten die Reste des Chateaubriand vorbei brachte. Vielleicht reiche ich bei Gelegenheit ein Bild nach. Hier kann ich Euch heute nur mein Essen mit kanarischen Kartoffeln und Mojosauce zeigen.

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich jemals ohne Mojosauce ausgekommen bin. Die esse ich nun auch zu Hause bei jeder Gelegenheit und Ungelegenheit. Es gibt sie in unzähligen Variationen. Am liebsten mag ich die besonders scharfe rote Sauce.

Während der Chef persönlich zum Eintreten animiert, wartet Hund geduldig unter dem Tisch auf die Raubtierfütterung.

Er plaziert sich so geschickt an der Tür, dass die meisten Eintretenden nicht umhin können, ihm ein paar Streicheleinheiten zu geben. Zum Glück versteht er zwischenzeitlich perfekt Englisch und Spanisch, was er von seinem Frauchen nur bedingt behaupten kann.

Lauschig wird es, wenn die Lichter draußen angehen und die Palme vor der Tür beleuchten, ein leichter Wind vom Atlantik weht und der Chef zum Abschluss noch süße Likörflaschen auf den Tisch stellt. Wo sind die guten Vorsätze zur gesunden Ernährung im Jahr 2012 geblieben? Hund hat so etwas vorsorglich gar nicht gefasst.

Es wird Zeit ins Bett zu gehen. Ich wünsche Euch eine gute Nacht und einen wunderschönen Tag.

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Vor ein paar Tagen abends beim Spanier: Seit langer Zeit hatten mein Mann und ich es endlich einmal wieder geschafft, gemeinsam zu unserem Lieblingsspanier essen zu gehen. Leckere Tapas und Vino de la Casa. Wir schwelgten im kulinarischem Genuss und unterhielten uns auf einmal über unsere Jugendzeit. Mein Mann erzählte, dass er ungefähr im Jahr 1980 mit seiner damaligen Freundin einen Film gesehen hätte, der ihn damals sehr beeindruckt hätte. „Wie hieß der Film noch gleich“, grübelte er. Dann fiel es ihm ein: „Kleine Fluchten“, sagte er. Ich konnte es in dem Moment nicht fassen. Auch ich hatte den Film 1979 mit meinem damaligen Freund gesehen und er hatte mich auf eine bestimmte Art berührt. Nun hatten wir doch tatsächlich 30 Jahre später wieder eine kleine Gemeinsamkeit gefunden. Nichts Großes, aber häufig sind es die kleinen Dingen, die zusammen binden. Uns in diesem Fall „Die kleinen Fluchten“.

Das Merkwürdige war, dass wir uns beide nur an den Titel und daran, dass uns der Film gefallen hatte, erinnern konnten. Keiner von uns wusste irgendetwas über den Inhalt. Grübeln und nachdenken. Plötzlich erinnerte ich mich, dass eine Mobylette Mofa eine Rolle spielte. So eine fuhr ich nämlich seinerzeit selber. Da es heute Wikipedia und YouTube gibt, konnten wir unsere Erinnerungslücke am nächsten Morgen schließen.

Kleine Fluchten

Danach kamen die  „Ach ja“ und „Aha“ Erlebnisse und nach und nach fiel mir auch noch wieder einiges von der Handlung des Filmes ein. Was so alles auf unseren Festplatten gespeichert ist :-). Vielleicht hat mich auch damals nur der Titel so beeindruckt. Kleine Fluchten – brauchen wir die nicht ab und zu alle? Ich habe später in meinem Leben nicht nur kleine Fluchten, sondern ab und zu auch große Fluchten praktiziert. Heute fliehe ich nicht mehr. Wovor auch? Oder fliehe ich ab und zu ohne es zu wissen? Flieht Ihr manchmal und wenn ja wovor? (ich hoffe nicht vor meinem Blog)

Euch allen einen guten Tag und bitte nicht weglaufen :-). Von Teneriffa werde ich berichten, sobald ich mich ein wenig gesammelt habe. Ich bin gut angekommen. Hund auch. Allerdings waren auf meinem Weg hierher auch ein paar Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Davon berichte ich in den nächsten Tagen.